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Über IJM
Viele Polizistinnen und Polizisten in Kenia nehmen ihre Pflicht ernst und leisten wichtige Arbeit für die Sicherheit der Bevölkerung. Doch allzu oft versagen staatliche Schutzmechanismen. Unzureichende Ausbildung und das Fehlen praktisch jeder Rechenschaftspflicht begünstigen, dass Angehörige der Polizei ihre Macht missbrauchen – und genau den Menschen Schaden zufügen, die sie eigentlich schützen sollen. Statt Menschen vor Gewalt zu bewahren, sind Polizistinnen und Polizisten selbst an Übergriffen beteiligt.
Betroffene werden etwa für beliebige Verbrechen verantwortlich gemacht und willkürlich verhaftet. Ohne juristische Unterstützung verbleiben sie mitunter jahrelang unschuldig in Untersuchungshaft. Solche rechtswidrigen Inhaftierungen führen dazu, dass die Familien der Betroffenen in existentielle Nöte getrieben werden, während die Schuldigen weiterhin auf freiem Fuß sind. Wenn auf die Polizei kein Verlass ist, bleiben auch andere Betroffene von Gewalt schutzlos zurück. Darunter leiden besonders Menschen in Armut.
Seit 2001 unterstützen wir die Regierung in Kenia dabei, das Rechtssystem zu stärken. Dazu bauen wir auf eine enge Kooperation mit den Justizbehörden, zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und den kenianischen Medien. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde zusammen, um die Polizei in die Verantwortung zu nehmen. Unser Ziel ist eine unbestechliche Polizei, die zu ihrer Verantwortung steht, für das Recht und die Sicherheit der Menschen in Kenia zu sorgen.
Anwältinnen und Anwälte von IJM vertreten Betroffene rechtswidriger Polizeigewalt vor Gericht, um Gerechtigkeit für sie zu erreichen. Aktuelle Urteile gegen Polizeibeamte, lassen erkennen, dass eine effektive Strafverfolgung erste Erfolge erzielt. Jede rechtmäßig erreichte Verurteilung hat dabei Signalwirkung. Denn wenn missbräuchliche Polizeigewalt nicht straffrei bleibt, werden potenzielle Täter/-innen abgeschreckt.
IJM begleitet Betroffene darüber hinaus in der Nachsorge und arbeitet Hand in Hand mit von Betroffenen geführten Aktivismusgruppen in Kenia, die sich gegen Machtmissbrauch durch die Polizei einsetzen. Zusätzlich setzen wir uns dafür ein, traumainformierte Ansätze ins Justizsystem zu integrieren, damit Betroffene von polizeilicher Gewalt angemessen unterstützt und behandelt werden.
Seit mehreren Jahren verbinden Community Justice Centers in Kenia die Bevölkerung direkt mit dem Rechtssystem – und setzen ein starkes Zeichen gegen Polizeigewalt. Unterstützt von IJM, haben sich die ehrenamtlich geleiteten Zentren heute auf über 80 Standorte im ganzen Land ausgeweitet. Besonders in informellen Siedlungen und Slums, wo junge Menschen oft von Polizeigewalt betroffen sind, bieten sie sichere Anlaufstellen. Gleichzeitig fördern sie strukturelle Veränderungen, indem sie Machtmissbrauch sichtbar machen und Druck auf Behörden und Regierung ausüben.
IJM stärkt die Zentren, damit sie noch wirksamer werden: Wir schulen Ehrenamtliche und stellen Infrastruktur bereit, damit Fälle von Polizeigewalt sicher erfasst und weitergeleitet werden können. So können Betroffene gehört und unterstützt werden – mit rechtlicher Beratung, psychosozialer Begleitung und traumainformierter Betreuung. Die Zentren fördern den Austausch zwischen Gemeinschaften und Polizei und zeigen Betroffenen, wie sie ihre Rechte geltend machen können. Auf diese Weise werden Justice Centers zu lebendigen Orten der Gerechtigkeit, an denen Veränderung direkt vor Ort beginnt.
In einer IJM Erhebung von 2025 gaben fast 43 % der Befragten an, zwischen 2022 und 2024 Opfer von Korruption und Erpressung, Belästigung oder unrechtmäßigen Inhaftierungen durch Polizeikräfte in Kenia geworden zu sein. Über 60 % der Betroffenen meldeten die Vorfälle nicht – aus Misstrauen oder Angst vor Vergeltung.
Die IJM Grundlagenstudie von 2025 belegt, dass nur 14 % der befragten kenianischen Akteure aus Politik, Justice Centers, Zivilgesellschaft und Kirche sowie Anwält/-innen davon überzeugt sind, dass das Justizsystem effektiv gegen Polizeigewalt vorgeht.
Eine Studie der kenianischen unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde zeigt: Bei fast zwei Dritteln aller Strafverfahren, die vor Gericht landeten, hatte die Polizei keine ausreichenden Beweise, um die Beschuldigten überhaupt anklagen zu können.
Nach Angaben von Missing Voices gab es seit 2019 mehr als 800 Fälle, in denen Menschen aufgrund von Polizeigewalt als getötet und über 160 Fälle, in denen Personen als vermisst gemeldet wurden. Nur in 28 Fällen wurden bislang Strafverfolgungsverfahren aufgenommen.
Das Global Survivor Network ist ein Netzwerk von Betroffenen, die weltweit eine Bewegung für den Schutz gefährdeter Gruppen vor Ausbeutung und Gewalt anführen.
Eine lokale kenianische Gruppe des Netzwerks wurde im März 2024 in Kisumu gegründet und von den Aktivist/-innen „Champions of Justice“ (Verfechter/-innen der Gerechtigkeit) getauft.
Die 23 Mitglieder der Gruppe stammen aus einer Region, die besonders stark betroffen ist von polizeilichem Machtmissbrauch. Aber gemeinsam mit einer weiteren lokalen Gruppe in Nairobi verfolgen die Aktivist/-innen eine Vision: eine starke Gemeinschaft von Betroffenen, die ihre Stimmen erheben, um Gewalt und Straflosigkeit zu beenden.
„Ich möchte mich dafür einsetzen, dass alle Menschen in Armut vor Gewalt geschützt werden. Ich kämpfe in meiner Gemeinde und meinem Land für Gerechtigkeit, um Rechtssysteme zu schaffen, die jeden in unserer Nation schützen", sagt Collins Ouma, Mitglied der Champions of Justice sowie des Führungsgremiums des Global Survivor Network.
Hier sind die Geschichten von zwei weiteren Betroffene, die rechtswidrige Polizeigewalt erlebt haben: