Barbie
Zukunft braucht Freiheit
Wenn Barbie von den Philippinen mit Menschen spricht, strahlt sie eine besondere Ruhe und Offenheit aus. Doch in ihren Worten liegt eine besondere Stärke – geprägt von dem, was ihr selbst passiert ist. Aber noch mehr von ihrer Entschlossenheit, andere Kinder davor zu schützen, dass auch sie über das Internet sexuell ausgebeutet werden.
Erst vor kurzem konnte Barbie Vorlesungen und Prüfungen hinter sich lassen und ihren Uni-Abschluss feiern. Gleichzeitig kümmert sie sich als Mutter um alles, damit ihr kleiner Sohn ein liebevolles Zuhause hat.
Trotz des Trubels in ihrem Alltag engagiert sie sich außerdem im Philippine Survivor Network, einem lokalen Netzwerk von Betroffenen, die wie sie sexuelle Online-Ausbeutung erlebt haben.
Gemeinsam setzen sich die Aktivist/-innen dafür ein, dass Kinder besser vor dem Verbrechen geschützt werden.
Mit ihrer eigenen Geschichte fordert Barbie öffentlich Veränderung für die Zukunft.
Sie tauscht sich mit anderen Betroffenen aus und spricht selbstbewusst mit Regierungsvertreter/-innen. Von politischen Entscheidungsträger/-innen fordert Barbie klar und deutlich ein, Kinder davor zu schützen, was sie selbst erleben musste.
Die Stärke, die aus Barbies Worten spricht, hat sie sich über viele Jahre erarbeitet.
Doch ihr Weg dorthin war nicht einfach
Barbie war 14 Jahre alt, als ihre Tante Fria* sie und ihre Schwestern online sexuell ausbeutete. Fria nahm ohne ihre Zustimmung Fotos der Mädchen auf und nutzte sie, um Barbie ausländischen Männern gegen Geld für sexuelle Handlungen vor der Kamera anzubieten.
Nachdem Hinweise IJM auf Frias Spur führten, nahmen wir gemeinsam mit den philippinischen Behörden Ermittlungen auf.
Im Juni 2018 gelang es der philippinischen Polizei, Fria zu verhaften und Barbie, ihre Schwestern sowie weitere Kinder in Sicherheit zu bringen.
Anwält/-innen von IJM arbeiteten eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um Fria vor Gericht zu bringen. Am Ende des Verfahrens verurteilte die vorsitzende Richterin die Täterin zu 15 Jahren Haft, einer Geldstrafe und Wiedergutmachungszahlungen.
Für Barbie und ihre Schwestern war damit jedoch nicht alles vorbei.
Nach ihrer Befreiung mussten die Mädchen mehrere Wochen in einer Schutzunterkunft verbringen und konnten zunächst nicht zur Schule gehen. Sie brauchten Zeit und traumainformierte Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten und wieder Sicherheit zu finden.
Denn Freiheit bedeutet mehr, als Gewalt hinter sich zu lassen. Es bedeutet auch, wieder Vertrauen zu fassen, Pläne zu machen und eine eigene Zukunft aufzubauen.
Als Barbie schließlich nach Hause zurückkehrte, hatte sie Angst. Was würden die Menschen aus ihrem Heimatort über sie denken? Würden sie ihr die Schuld geben? Würde das Erlebte Schande über ihre Familie bringen?
Doch Barbie entschied sich, offen mit dem Erlebten umzugehen.
„Ich werde einfach ehrlich antworten, denn ich weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich war einfach noch ein Kind“, sagte sie damals zu sich.
Die Menschen hörten ihr zu.
„Sie sagten, sie verstanden, was ich erklärt hatte“, erinnert sich Barbie.
Für Barbie war das ein wichtiger Schritt. Sie erlebte, dass sie über das Geschehene sprechen konnte, ohne dafür verantwortlich gemacht zu werden. Mit der Zeit fand sie den Mut, ihre eigene Geschichte auch für andere zu nutzen.
Barbies Stimme für andere
Heute bestimmen die Erfahrungen von damals nicht mehr Barbies Leben. Aber sie prägen ihren entschlossenen Weg: Als Aktivistin im Philippine Survivor Network möchte sie ihr Engagement fortsetzen und noch mehr Betroffene unterstützen.
2024 sprach sie in Australien vor dem Parlament und nutzte ihre Stimme, um auf den Schutz von Kindern vor sexueller Online-Ausbeutung aufmerksam zu machen.
Denn Barbie weiß, wie wichtig es ist, dass Kinder gar nicht erst erleben müssen, was ihr selbst widerfahren ist:
„Jedes Kind verdient eine sichere Kindheit. Und sollte träumen dürfen ohne Angst. Mein Traum ist, dass niemand mehr über das Internet sexuell ausgebeutet wird. Und dass das, was mir passiert ist, niemals anderen Kindern passieren wird. Wenn wir Ausbeutung verhindern, bevor sie geschieht, schützen wir Kinder nicht nur heute. Dann schützen wir ihre Zukunft.“
Damit Kinder frei entdecken können, wer sie sind, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen und was sie aus ihrem Leben machen möchten.
Zukunft braucht Freiheit
Schutz, Gerechtigkeit und Vertrauen haben dazu beigetragen, dass Barbie wieder von ihrer Zukunft träumen und ihr eigenes Leben aufbauen kann.
Heute gehören Dinge zu ihrem Alltag, die lange Zeit alles andere als selbstverständlich waren: ein Uni-Abschluss, Mutter sein, lachen, träumen und eigene Pläne für die Zukunft machen. Ihre Geschichte zeigt, dass Freiheit mehr ist als der Moment der Befreiung. Freiheit wirkt in der Zukunft danach.
*Pseudonym
Gemeinsam mit lokalen Behörden und Partnern arbeitet IJM daran, Rechtssysteme zu stärken. Damit Behörden Kinder wirksam schützen und Täter/-innen zur Verantwortung gezogen werden.
Mit deiner Spende können wir dafür sorgen, dass Recht sich durchsetzt und Ausbeutung verhindert werden kann, bevor sie passiert.