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Ruby: Stimme der Hoffnung

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Ruby:
Stimme der
Hoffnung

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in Jobangebot über eine Social-Media-Nachricht schien der Ausweg für Ruby* aus den Philippinen, um unabhängig für sich sorgen zu können. Denn nach dem Tod ihrer Eltern war die 15-Jährige auf sich allein gestellt. Doch statt wie versprochen Geld verdienen und zur Schule gehen zu können, wurde Ruby vor einer Webcam sexuell missbraucht – bis ihre Geschichte eine entscheidende Wendung nahm.

Gefangen in sexueller Online-Ausbeutung

Zuversichtlich reiste Ruby ins weit entfernte Pampanga, um ihre neue Arbeitsstelle in einem Computergeschäft anzutreten. Aber als sie dort ankam, war nichts, wie es ihr versprochen worden war.

Nach ihrer Ankunft wurde sie in ein dunkles, halb verfallenes Haus gebracht. Erschrocken entdeckte sie dort andere junge Mädchen, die halbnackt durch die Zimmer liefen.

Ruby wollte sofort zurück nach Hause. Aber eine Frau und ihr Mann sperrten sie in dem Haus ein und fingen an, sie zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam zu zwingen.

Sexualstraftäter aus aller Welt bezahlten dafür, per Livestream dabei zuzusehen und den sexuellen Missbrauch anzuleiten. Wenn Ruby sich weigerte mitzumachen, bekam sie nichts zu essen.

Ruby wird gefunden

Mit jedem Tag wuchs Rubys Verzweiflung. Eines Tages hörte sie eine Polizeisirene vor dem Haus. Als sie laut um Hilfe schrie, hielt die Täterin Ruby ein Messer an den Hals und drohte sie umzubringen. "In diesem Moment verlor ich jede Hoffnung, zu entkommen", erinnert sich Ruby.

Etwa zur gleichen Zeit bearbeiteten die philippinischen Behörden gemeinsam mit IJM einen Hinweis aus den USA. Verdächtige Online-Finanztransaktionen verwiesen auf das Konto der Täterin, die Ruby in die Ausbeutung gelockt hatten.

Die hinterlegte Adresse des Kontos führte das Ermittlungsteam zu Rubys Aufenthaltsort. Zusammen mit fünf anderen Mädchen aus dem Haus, konnte Ruby von der lokalen Polizei mit Unterstützung von IJM befreit werden.

Die Täterin und der Täter, die die Kinder gefangen gehalten hatten, wurde verhaftet. Dank Rubys Aussage konnten sie nach einem langwierigen Gerichtsprozess zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Licht in die Dunkelheit

Rubys Weg, über das Erlebte hinwegzukommen, war lange und schwer. Jahrelang wurde sie eingeholt von dunklen Erinnerungen, kämpfte gegen Angstzustände und Depressionen.

Professionelle Hilfe durch eine Sozialarbeiterin von IJM und psychologische Betreuung in der Nachsorge halfen ihr, die Dunkelheit ihrer Gefühlswelt zu durchbrechen und wieder Vertrauen zu fassen.

Die traumasensible Begleitung zeigte Ruby einfühlsam und rücksichtsvoll den Weg, zu ihren eigenen Stärken zu finden und ein neues, hoffnungsvolles Kapitel in ihrem Leben zu beginnen.

Stimme der Hoffnung

Heute ist Ruby Aktivistin und Mitglied im Philippine Survivor Network, einem Netzwerk von Betroffenen, das sich für andere Betroffene und den Schutz von Kindern vor sexueller Online-Ausbeutung einsetzt.

Seit 2017 erzählt sie öffentlich ihre Geschichte - etwa in einem Podcast - um weltweit in den Medien und der Politik Aufmerksamkeit für den Einsatz gegen das grenzüberschreitende Verbrechen zu schaffen.

„Man verändert die Welt nicht durch seine Meinung allein, sondern durch sein Beispiel. Ich möchte dieses lebendige Beispiel sein. Betroffene, die über das Internet sexuell ausgebeutet werden, sollen wissen, dass wir nicht aufgeben, bis sie gefunden werden.“

Für ihr Engagement erhielt Ruby 2021 den “Women of the Future Award” in Südostasien. Gemeinsam mit anderen Betroffenen wirkte sie außerdem mit an einer wegweisenden Studie von IJM, die 2023 erstmals das schockierende Ausmaß der sexuellen Online-Ausbeutung von Kindern auf den Philippinen aufzeigte.

Die "echte" Ruby (Mitte) bei der öffentlichen Vorstellung der "Scale of Harm"-Studie von IJM in Manila, Philippinen.

*Zum Schutz der Betroffenen verwenden wir ein Pseudonym. Auch die Bilder zeigen nicht Ruby oder wurden unkenntlich gemacht.

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