Deutschland muss Kinder wirksamer schützen - Fakten zu Missbrauch per Livestream

Berlin, 18. November 2025 – Zum Europäischen Tag gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern fordert die Menschenrechtsorganisation International Justice Mission Deutschland (IJM Deutschland) eine faktenbasierte Politik und wirksame Maßnahmen gegen Livestream-Missbrauch. Die Organisation warnt vor Deutschlands Rolle als Nachfrageland und kritisiert das Versagen großer Technologieunternehmen beim Schutz von Kindern.

Missbrauch per Livestream zählt weltweit zu den am schnellsten wachsenden Formen sexueller Ausbeutung. Täter zahlen dafür, den Missbrauch von Kindern in Echtzeit verfolgen zu können – oft mit der Möglichkeit, Anweisungen zu geben. Studien zeigen eine hohe Beteiligung deutscher Täter/-innen. In diesem Jahr widmet sich der Tag der evidenzbasierten Politikgestaltung zum Schutz von Kindern – deshalb macht IJM Deutschland auf zentrale Fakten zur bisher wenig bekannt sexuellen Ausbeutung per Livestream aufmerksam:

Fakt ist: Deutschland ist Nachfrageland

Deutschland steht an sechster Stelle in einer weltweiten Rangliste der Länder mit den meisten verdächtiger Zahlungen im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet (Philippine Anti-Money Laundering Council 2023). Auch das aktuelle Bundeslagebild Sexualdelikte macht deutlich: Kindesmissbrauch verlagert sich immer stärker ins Internet – mit dem besonders perfiden Phänomen des Livestreamings (Bundeslagebild, S. 21). Innenminister Dobrindt stellte in einer Bundespressekonferenz klar: Deutschland läge weltweit auf Platz zwei bei diesem Verbrechen.

Fakt ist: Technologieunternehmen versagen beim Schutz

Für IJM Deutschland stehen neben den Tätern allerdings auch internationale Technologieunternehmen im Zentrum der Debatte. Ein aktueller Transparenzbericht der australischen eSafety-Behörde zeigt, dass große Plattformen wie WhatsApp, Snapchat, Facebook Messenger und Google Meet kaum technische Maßnahmen einsetzen, um Livestream-Missbrauch zu erkennen oder zu verhindern.

Fakt ist: Debatte braucht Evidenz – nicht Angst

IJM Deutschland kritisiert, dass politische Diskussionen zum Kinderschutz häufig auf Annahmen und Befürchtungen basieren, statt auf belastbaren Daten. Auch in Deutschland sei das Phänomen Livestreaming noch zu wenig bekannt und Debatten um wirksame Schutzmaßnahmen würden häufig als „Chatkontrolle“ angeprangert. Die Organisation warnt davor, dass bisherige Maßnahmen wie Altersverifikation oder sichere Voreinstellungen für Kinder ihr Ziel verfehlen, da die Kinder von Erwachsenen vor die Kamera gebracht werden.

Fakt ist: Technische Lösungen sind vorhanden – und müssen verpflichtend werden

Technologien, die Darstellungen sexuellen Missbrauchs erkennen und verhindern können, existieren bereits. Diese Lösungen können in verschlüsselten Umgebungen eingesetzt werden und zeigen, dass Kinderschutz und Privatsphäre vereinbar sind. Viele große Unternehmen nutzen ähnliche Technologien bereits in anderen Bereichen.

Als Gesellschaft brauchen wir wirksamere Schutzmechanismen – direkt in den digitalen Produkten selbst. Unternehmen können ihre Produkte so gestalten, dass Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern dort keinen Platz haben.“ IJM Deutschland fordert Unternehmen zur Nutzung dieser Technologien zu verpflichten, um Missbrauch zu verhindern, bevor er geschieht. “Was fehlt, ist nicht die Technik – sondern der Wille, sie einzusetzen“, betont Evelyn Moeck, Vorstandsvorsitzende IJM Deutschland.

Fakt ist: Kinder haben ein Recht auf Schutz

Kinderschutz ist kein Akt des Wohlwollens! Kinderschutz ist keine Frage des Mitgefühls oder der Empörung, sondern der Verantwortung und Rechtsstaatlichkeit. Deutschland hat die Pflicht, dieses Recht zu garantieren!” sagt Moeck. Die UN Kinderrechtskonvention legt fest, dass Kinder und Jugendliche das Recht haben, vor Gewalt und jeder Form von Ausbeutung geschützt zu werden (Artikel 34–36 UN-KRK).


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