Auf Einladung von IJM reiste im Mai 2025 eine hochrangige Delegation der Europäischen Union zu einem Fachbesuch nach Manila. Ziel der Reise war es, zu verstehen, wie sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet (engl.: Online Sexual Exploitation of Children, OSEC) entsteht – und welche Verantwortung die EU im Einsatz gegen das Verbrechen trägt.

Der Delegation gehörten Mitglieder der Intergruppe zu Kinderrechten des EU-Parlaments, Vertreter/-innen der EU-Delegation bei der ASEAN sowie Strafverfolgungsbehörden an, darunter die italienischen Carabinieri und das Bundeskriminalamt (BKA).
Globales Problem - europäische Verantwortung
Während der Woche erhielt die Delegation einen umfassenden Einblick in die internationale Zusammenarbeit zwischen Justiz, Polizei und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf den Philippinen - und welche Rolle der EU zukommt, um den Kampf gegen sexuelle Online-Ausbeutung zu stärken.
„OSEC ist nicht nur ein Problem der Philippinen, sondern weltweit – es ist ein Problem der EU, weil Täter auch von hier kommen“, betonte die Europaabgeordnete Caterina Chinnici, Ko-Vorsitzende der Intergruppe zu Kinderrechten. „Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die EU-Gesetzgebung Kinder schützt.“

In Gesprächen mit philippinischen Justiz- und Strafverfolgungsbehörden sowie IJM Philippinen wurden bestehende Lücken in der EU-Gesetzgebung sowie die Verantwortung des Finanzsektors und von Tech-Unternehmen in Europa sichtbar.
„Unternehmen müssen Missbrauchsdarstellungen entdecken und entfernen“, betonte Emilio Puccio, Generalsekretär der Intergruppe zu Kinderrechten. „Wir wollen eine Fürsorgepflicht, damit jedes Produkt, das in der EU angeboten wird auch sicher für Kinder ist.“
Begegnungen, die Verantwortung greifbar machen
Ein prägender Moment der Reise war das Treffen mit vier Aktivist/-innen des von IJM unterstützten Philippinischen Netzwerks Betroffener (Philippine Survivor Network, PSN). Sie berichteten davon, was es bedeutet, wenn Schutz versagt – und welche politischen Veränderungen sie sich von der Europäischen Union erhoffen.
Die Delegierten nahmen sich Zeit zuzuhören und sagten zu, diese
Perspektiven stärker in aktuelle Gesetzgebungsinitiativen in Brüssel
einzubringen.

Barbie – Ehemalige Betroffene und Aktivistin

Wie geht es weiter?
Für IJM Deutschland unterstreicht die Reise, wie wichtig es ist, globale Verantwortung konkret werden zu lassen. Evelyn Moeck, Vorstandsvorsitzende von IJM Deutschland, erklärte:
„Diese Reise war ein bedeutender Schritt für mehr internationale Zusammenarbeit. Wir setzen uns dafür ein, dass die Mitgliedsstaaten der EU zu ihrer Verantwortung stehen. Die heute gewonnenen Erkenntnisse müssen in konkrete politische Maßnahmen münden, die Kinder vor diesem entsetzlichen Verbrechen schützen.“
Zu ihrem Schutz wurden die Aktivist/-innen des PSN unkenntlich gemacht.