on tat alles, was in seiner Kraft stand, um seine Familie zu versorgen. Doch er wurde betrogen und auf hoher See versklavt – bis er mit Hilfe von IJM endlich nach Hause zurückkehren konnte.
Was treibt einen Vater und Ehemann fort von seiner Familie? Für Ron aus Kambodscha war es die bittere Armut. Ron lebte wie alle seiner Nachbarn von der Landwirtschaft. Doch die anhaltende Dürre machte das Überleben immer schwieriger. Dann kam ein Mann namens Keov in Rons Dorf und bot ihm Arbeit in Thailand an. Ron und seine Familie schöpften Hoffnung.
Thailand verfügt über eine riesige Fischereiindustrie: Sieben Milliarden US-Dollar Umsatz und 354.000 Beschäftigte, von denen die große Mehrheit aus den Nachbarländern stammt.
Für einige Monate sollte Ron auf einem Schiff am Golf von Thailand arbeiten. Er würde mit einem guten Lohn zurückkehren, versprach Keov. Ron zweifelte nicht an seinen Worten bis er auf dem Schiff, bereits meilenweit von der Küste entfernt, den Kapitän traf.
Ron und die anderen Männer wurden gezwungen, bis zu 20 Stunden am Tag zu arbeiten. Wenn der Kapitän unzufrieden war, gab es tagelang nichts zu essen und keine Pausen. Dazu war die Arbeit gefährlich. Wenn sich zum Beispiel das Netz im Meer verfing, musste es einer der Männer im tiefen Wasser entwirren – lediglich mit einer Schnorchelausrüstung.
Rons Miene verfinstert sich, wenn er heute zurückdenkt: „Ich wurde mit Weinflaschen geschlagen. Manche Arbeiter wurden über Bord geworfen. Einmal sah ich eine Leiche. Es war jemand, den ich kannte.“
Die Flucht gelingt
Ron wurde eineinhalb Jahre an Bord des Schiffes ausgebeutet. Dann passierte etwas Unerwartetes: Er konnte fliehen.
Als der Rumpf des Schiffes nach einer Kollision mit einem Felsen beschädigt wurde und sie zum Hafen zurückzukehren mussten, entkam Ron. Lohn hatte er zu keiner Zeit bekommen.
Als er zurück nach Hause kam, erkannte seine Familie Ron zunächst nicht. „Meine Haare waren bis zur Taille gewachsen. Ich war der Einzige, der zurückkam. Nachbarn, die ebenso mit Keov mitgegangen waren, waren verschollen.“ Auch wenn Ron überlebt hatte, blieb die Situation zu Hause hoffnungslos.
Armut, die hilflos macht
Die Armut quälte Rons Familie unverändert. Ron traf deshalb einen schweren Entschluss: Er ging nochmal nach Thailand – lediglich mit der Hoffnung im Gepäck, irgendwo dort gute Arbeit zu finden.
Ron wusste nicht, dass der Kapitän, der ihn versklavt hatte, kein Einzeltäter war. Viele Schiffsbesitzer nutzen die Not von Männern wie Ron systematisch aus.
Wieder ausgeliefert
Der zweite Kapitän, für den Ron arbeitete, nahm ihm seinen Pass weg - wieder war er ausgeliefert.
Auch dieser Schiffsbesitzer forderte schwere Arbeit, während seine Crew über Monate auf See war. Um noch mehr Profit zu machen, ließ der Kapitän die Crew illegal in indonesischen Gewässern fischen. Eines Tages wurden sie dabei von den indonesischen Behörden entdeckt. Nicht nur der Kapitän, auch Ron und die anderen Fischer wurden festgenommen und inhaftiert. Illegaler Aufenthalt, fehlende Papiere sowie illegales Fischen wurden ihnen vorgeworfen.
Gestrandet in Indonesien: Ron verbrachte mehrere Monate in Haft. Nur der Gedanke an seine Familie ließ ihn nicht zusammenbrechen. Er erinnerte sich an das Lachen seiner Kinder und die gemeinsamen Mahlzeiten.
Es dauerte bis die Internationale Organisation für Migration (IOM) Ron und 53 weitere Kambodschaner als Opfer von Menschenhandel bestätigte und sie endlich nach Hause zurückkehren konnten. Dort angekommen, wurden die Männer auf Bitte der kambodschanischen Regierung von IJM betreut.
IJM befragte die Männer und stieß immer wieder auf denselben Namen: Keov. Er wurde als Drahtzieher in einem Netzwerk von Menschenhändlern entlarvt.
Mit der Polizei gelang die Verhaftung von Keov und zwei weiteren Komplizen. Ein Jahr später wurden alle drei wegen Menschenhandel verurteilt.
Rückkehr zur Familie
Ron ist heute glücklich vereint mit seiner Familie – und zuversichtlich!
IJM Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter halfen Ron sich eine neue Existenz aufzubauen. IJM besorgte für das Dorf eine Wasserpumpe. So kann Ron wieder direkt hinter seinem Haus Gemüse anpflanzen. Eine wichtige Ergänzung zu seinem Reisfeld, wenn die Ernte vorbei ist oder schlecht ausfällt.