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Coronakrise begünstigt Kinderarbeit und Sklaverei in der Textilindustrie

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Coronakrise begünstigt

Kinderarbeit und Sklaverei

in der Textilindustrie


Coronakrise begünstigt Kinderarbeit und Sklaverei

in der Textilindustrie


Chennai, Indien – Die Covid-19-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf Menschen in Armut. So auch innerhalb der boomenden Textilindustrie in Tamil Nadu. Unternehmen in dem indischen Bundesstaat nutzen die Not der Ärmsten, um aus Kinderarbeit und Sklaverei Profit zu schlagen. Die jüngsten Befreiungsaktionen von IJM und unseren Partnerorganisationen haben dieses Vorgehen ans Licht gebracht.

Wanderarbeiter/innen sind Indien stark von der Coronakrise betroffen.

Betrug und Missbrauch gegen Produktionsausfälle

Ausgelöst von der Corona-Pandemie kam es zur jüngsten Migrationskrise in Indien. Millionen Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter waren gezwungen, während des landesweiten Lockdowns in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Expertengruppen zur Bekämpfung von Menschenhandel sehen darin den Ursprung eines mittlerweile verbreiteten Missbrauchsmusters. Vor allem in Südindien setzen demnach Unternehmen in der Textilbranche auf Betrugsmaschen und Ausbeutung, um ihre Produktion am Laufen zu halten.

„Viele Firmen haben falsche Versprechungen gemacht, um Kinder und Jugendliche zur Arbeit in Spinnereien anzuwerben,“ erklärt IJM-Mitarbeiter Clement David in Chennai. „Viele Familien stürzen der Wegfall ihrer Jobs oder Arbeitsmöglichkeiten in existentielle Nöte. Daher fallen sie scheinbar lukrativen Angeboten besonders leicht zum Opfer.“

Zwischen Ausbeutung, Armut und Notwendigkeit

Auch der Fall von 35 Mädchen und drei jungen Frauen spiegelt diese Entwicklung wider. Sie waren in diesem Sommer in einer Spinnerei im Tiruppur Distrikt in Sklaverei gefangen. Ihnen wurde eine feste Anstellung versprochen, bis die Schulen wieder geöffnet werden und ein fester Lohn, um ihre Familien zu unterstützen. Doch es kam anders: Sie wurden gezwungen, 14 Stunden am Tag ohne Unterbrechung und bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Sie durften die Fabrik nicht verlassen und weder ihre Eltern kontaktieren noch einen Arzt aufsuchen. Wenn sie krank wurden, erhielten sie Medikamente von der Fabrik, ohne zu wissen, was ihnen verabreicht wurde.

IJM Mitarbeiter sprechen mit Frauen in einer Spinnerei.

Dank des Einsatzes der IJM Partnerorganisationen vor Ort, wie Terre Des Hommes CORE, READ und der Campaign Against Child Labor (CACL), konnten die Mädchen und jungen Frauen im Sommer aus der Fabrik befreit und in Sicherheit gebracht werden.

Das Problem erkennen und Menschen schützen

Der Direktor von Terre Des Hommes CORE, Herr Chenzhiyan, gibt zu bedenken: „Durch die Ausbreitung der Corona-Pandemie, wird viele Tagelöhnerinnen und Tagelöhner mit ihren Familien das gleiche Schicksal ereilen. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft sowie Fachkräfte aus Organisationen und staatlichen Sozialdiensten das Ausmaß dieses Problems erkennen, sich auf die betroffenen Gemeinschaften konzentrieren und darauf hinarbeiten, sie zu schützen.“

Entschlossen gegen Kinderarbeit und Zwangsarbeit

Eine Häufigkeitsstudie von IJM für die Region Tamil Nadu enthüllte bereits 2014 eine hohe Rate an Fällen von Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit in der Textilindustrie. Dennoch bleibt es schwierig, Ermittlungen in einzelnen Fabriken durchzuführen. Die Betroffenen werden streng überwacht, während viele Fabrikbesitzerinnen und Fabrikbesitzer ihren Wohlstand und Beziehungen nutzen, um das Gesetz zu umgehen.

Dennoch konnte IJM mit unterschiedlichen Partnern in den vergangenen Wochen weitere Befreiungsaktionen und Durchsuchungen erfolgreich unterstützen und Menschen aus Ausbeutung in Textilbetrieben in Indien befreien.

Während einer Befreiungsaktion in einer Textilfabrik werden Arbeiter aufgeklärt.

Clement schließt: „Die einzige Möglichkeit, diese Situation einzudämmen besteht darin, dass die Regierung unangekündigte Kontrollen und regelmäßige Durchsuchungen durchführt. So kann Kinderarbeit verhindert werden. Gleichzeitig ist ein umfassendes Unterstützungspaket für Arbeitskräfte ohne Vertrag und Familien in Armut das Gebot der Stunde, sodass sie ihre Kinder nicht aufgrund von existentieller Not zur Arbeit schicken zu müssen.“

Deutschland in der Pflicht

Auch hierzulande profitieren Unternehmen von den wirtschaftlichen Vorteilen eines globalen Marktes. Der Schutz von Menschen in Armut wird dabei aber häufig übergangen. Weltweit ist Deutschland der drittgrößte Importeur von Risikoprodukten, die mit der Ausbeutung von Kindern oder Sklaverei zusammenhängen könnten. In diesem Zusammenhang tragen deutsche Unternehmen auch eine besondere Verantwortung.

IJM fordert daher zusammen mit anderen Mitgliedern der Initiative Lieferkettengesetz die Bundesregierung zum Handeln auf. Mit einem Lieferkettengesetz muss auch in Deutschland ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, um Menschenrechte zu schützen. Nur so können Unternehmen dazu verpflichtet werden, auf saubere Lieferketten ohne den Einsatz von Kinderarbeit und Sklaverei zu achten.

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