Welttag gegen Menschenhandel: Corona verschärft weltweit Situation für Menschen in Armut

Berlin – Der Welttag gegen Menschenhandel der Vereinten Nationen macht jährlich am 30. Juli auf das Schicksal von Millionen Menschen aufmerksam, die in Sklaverei und Menschenhandel gefangen sind. Die anhaltende Corona-Pandemie hat die Situation betroffener Menschen in vielen Ländern wie Indien noch verschärft. Dank des Einsatzes von International Justice Mission (IJM) und weiteren Partnern konnten dort jedoch mehr als 500 Menschen befreit werden, die in Zwangsarbeit gefangen waren: die zweitgrößte Befreiung in der Geschichte von IJM.

Für diejenigen, die bereits am Rande der Gesellschaft leben, sind Gewalt und Ausbeutung Teil des täglichen Lebens. Diese Realität wurde für die geschätzten 40,3 Millionen Menschen, die heute in Sklaverei gefangen sind, durch die Corona-Pandemie noch verschärft. In Indien sind davon besonders Wanderarbeitende betroffen. Laut einer indischen Wirtschaftsumfrage macht die Binnenmigration 100 Millionen Menschen in Indien aus. Mit Beginn des Lockdowns am 25. März stand für die meisten Wanderarbeitenden das Überleben auf dem Spiel, da ihr Lohn nicht mehr bezahlt wurde.

So war es auch in einer Ziegelei in der Nähe der indischen Stadt Chennai. Die dortigen Arbeiterinnen und Arbeiter stammen ursprünglich aus einer anderen Provinz und wurden unter falschen Versprechungen angeworben und mit falschen Schulden in Zwangsarbeit gefangen gehalten. Die Lebens- und Arbeitssituation dort war bereits vor der Coronakrise prekär, doch mit Beginn des Lockdowns im Land verwehrte der Besitzer der Ziegelei den Arbeitenden die Heimreise und stoppte die Versorgung mit Wasser und Essen. IJM erfuhr durch Verwandte der Betroffenen von ihrer aussichtslosen Lage. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Foundation for Sustainable Development (FSD) und den lokalen Behörden konnten die Wanderarbeiterinnen und –arbeiter befreit werden und ihre Heimreise wurde organisiert. 526 Menschen wurden so aus Zwangsarbeit befreit, trotz den anhaltenden Schwierigkeiten aufgrund von Covid-19. Damit handelt es sich um die zweitgrößte Befreiungsaktion in der Geschichte von IJM.

Für Dietmar Roller, den Vorstandsvorsitzenden von IJM Deutschland, macht die Befreiung deutlich, wie wichtig gerade jetzt der Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen ist: „Wir wissen, dass in Krisenzeiten bereits marginalisierte Gruppen dazu neigen, die Hauptlast der Folgen zu tragen. Millionen Menschen sind in einer verzweifelten Lage und können ihre Familien nur noch unter größten Schwierigkeiten ernähren. Sie sind besonders anfällig für falsche Versprechungen und Ausbeutung. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass sie nicht aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwinden. Daher ist der Welttag gegen Menschenhandel ein wichtiger Tag. Nur wenn die Weltöffentlichkeit hinsieht und handelt, kann es echte Veränderung geben.“


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