Konferenz gegen Menschenhandel: Arbeitsmigranten brauchen besonderen Schutz

Berlin/Sofia (07.02.2025) – Die Nationale Kommission zur Bekämpfung des Menschenhandels in Bulgarien (NCCTHB) und International Justice Mission (IJM) haben in der bulgarischen Hauptstadt Sofia die internationale Konferenz "Menschenhandel: Die Arbeitsmigrations-Route – Fallstricke und Chancen für Drittstaatsangehörige" organisiert. Vertreterinnen und Vertreter europäischer Institutionen, zwischenstaatlicher Organisationen, der Zivilgesellschaft sowie Expertinnen und Experten für Migration und Strafverfolgung diskutierten gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern, Mediationsstellen und Gewerkschaften über Schutzmechanismen zur Verhinderung von Arbeitsausbeutung und Menschenhandel.


Diskussionen zu aktuellen EU-Trends und Herausforderungen

Ein zentrales Thema der Konferenz war der Einfluss des Schengen-Beitritts Bulgariens und Rumäniens auf die Arbeitsmigration. Denn die Suche nach Arbeit reicht in einer globalisierten Welt zunehmend über nationale Grenzen hinweg. Einig waren sich die teilnehmenden Fachleute, dass angesichts dieser Entwicklung Menschen besonders vor betrügerischen Jobversprechen von Menschenhändler/-innen zu schützen sind. Im Rahmen der Konferenz diskutierten sie aktuelle EU-Trends sowie Schutz- und Kontrollmechanismen, die verhindern, dass Arbeitsmigration in die Falle der Arbeitsausbeutung führt. Weitere Schwerpunkte waren die Rolle von Unternehmen, Behörden und Zivilgesellschaft bei der Prävention von Arbeitsausbeutung.

Petya Nestorova, Exekutivsekretärin des Europarats für die Konvention gegen Menschenhandel, betonte in ihrer Eröffnungsrede: "Der Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung nimmt weltweit zu und macht inzwischen 40 Prozent aller identifizierten Fälle aus. In einigen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Belgien, Portugal, Finnland, Polen und Moldau, ist diese Form der Ausbeutung mittlerweile vorherrschend." Nestorova warnte zudem, dass Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. "Betrügerische Arbeitspraktiken und unzureichender Schutz führen dazu, dass sie in prekären Verhältnissen leben und ihnen Löhne vorenthalten werden."


Erhöhte Schutzmaßnahmen für Arbeitsmigrant/-innen nötig

Daniela Saveklieva von der NCCTHB hob hervor, dass Bulgarien seit Jahren an der Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen arbeitet, darunter der Nationale Verweisungsmechanismus für Betroffene von Menschenhandel. "In den letzten Monaten haben wir einen Anstieg der Zahl von Drittstaatsangehörigen festgestellt, die Gefahr laufen, in ausbeuterische Verhältnisse zu geraten. Viele tauchen nicht in offiziellen Statistiken auf, werden jedoch von uns und unseren Partnerorganisationen als gefährdet identifiziert. Dies zeigt, dass wir unsere strategischen Ansätze kontinuierlich anpassen, Informationen austauschen und die internationale Zusammenarbeit verstärken müssen."

Auch Shawn Kohl, IJM-Direktor des Programms gegen Menschenhandel in Europa betonte die Bedeutung von internationaler Kooperation: "IJM begrüßt das Engagement der bulgarischen Regierung im Kampf gegen Menschenhandel und zur angemessenen Unterstützung von Betroffenen. Dadurch, dass Menschen aus Drittstaaten in Osteuropa ein besseres Leben suchen und viele Geflüchtete aus der Ukraine durch den Krieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, hat sich das Risiko von Menschenhandel für sie in der gesamten Region erheblich erhöht. Unabhängig davon, ob das Verbrechen im In- oder Ausland stattfindet: Um Straflosigkeit zu beenden, braucht es eine entschlossene Strafverfolgung und nachhaltige Unterstützung für Betroffene." IJM freue sich auf die enge Zusammenarbeit mit der NCCTHB, der EU-Koordinatorin gegen Menschenhandel und der OSZE, um bewährte Schutzmaßnahmen für Betroffene auszutauschen und effektive Mechanismen zu entwickeln, um Täter/-innen zur Verantwortung zu ziehen.

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