Gerechtigkeit braucht langen Atem: Menschenhändler verurteilt

IndienWeltweite Arbeit
12. 07. 2019, 10:00 Uhr

Indien: Menschenhändler verschleppten die 14-jährige Gita* aus Bangladesch nach Kalkutta. Dort sollte sie im größten Rotlichtbezirk Indiens zur Prostitution gezwungen werden. Mit Hilfe der Polizei konnte das verzweifelte Mädchen fliehen und erhielt Unterstützung von IJM. Jetzt wurden ihre Menschenhändler verurteilt.

Das vermeintliche Jobangebot

Gita wächst in Bangladesch auf. Ihre Familie ist sehr arm. Bereits nach der vierten Klasse bricht sie die Schule ab, um Geld zu verdienen. Eines Tages bietet ihr ein Nachbar Arbeit in Indien an. Gita entscheidet sich, das Angebot anzunehmen, um damit ihre Familie zu unterstützen.

Sonagachi in Kalkutta ist Indiens größtes Rotlichtviertel.

Die lebensgefährliche Reise nach Indien

Im Dezember 2015 bringt der Nachbar Gita zu einem Mann namens Ahmed. Dieser führt sie mehrere Meilen durch abgelegenes Gelände, bis sie in der Nacht illegal die Grenze nach Indien passieren. Als sie einen Fluss durchqueren, ertrinkt Gita beinahe. Völlig durchnässt und zutiefst verängstigt muss sie bis zum nächsten Dorf weiterlaufen. Dort verbringen sie die Nacht.

Am nächsten Tag bringt Ahmed sie in ein Bordell nach Kalkutta, im berüchtigten Rotlichtbezirk Sonagachi. Dort sperrt der Bordellbesitzer sie mit einem fremden Mann in einen Raum. Dieser vergewaltigt sie und lässt das verstörte Mädchen zurück.

Schnelle Flucht und Rettung

Trotz des gerade Erlebten gelingt Gita in einem unbeobachteten Moment die Flucht. Sie läuft einer Gruppe Polizisten in die Arme, die gerade eine Kontrolle in dem Bordell durchführen. Gita fleht sie unter Tränen um Hilfe an. Die Polizisten reagierten sofort: Noch am selben Tag bringen sie Gita in Sicherheit und verhaften Ahmed und ihren Nachbarn. IJM Anwälte und Sozialarbeiter nehmen Gita in ihre Obhut. Es dauert einen Monat, bis sie ihnen genug vertraut, um ihre Geschichte zu erzählen.

Gerechtigkeit gegen alle Widerstände

Während des Prozesses kämpfen Gita und ihre Anwälte gegen einige Widerstände. Gitas Mutter reist nach Indien. Sie versucht, ihre Tochter zu überzeugen, den Prozess abzubrechen und dem Nachbarn zu verzeihen. Doch Gita bleibt stark. Sie fordert weiterhin ihr Recht ein und möchte, dass die Täter bestraft werden.

Nachdem sie ihre Zeugenaussage abgelegt hat, kann sie im Februar 2017 zu ihrer Familie nach Bangladesch zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt ist der Prozess noch nicht zu Ende. Die IJM Anwälte kämpfen weiter für sie.

Das lang ersehnte Urteil

Am 31. Mai 2019 verkündigt das Gericht das Urteil. Gitas Nachbar und Ahmed werden zu einer Strafe von zehn Jahren Haft verurteilt und müssen Schmerzensgeld zahlen.

Saji Philip, Vorstandsvorsitzender von IJM Kalkutta, sagt: “Die Sensibilität und Eigeninitiative der Polizei, Justiz und Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall entscheidend dazu beigetragen, Gerechtigkeit zu erlangen. Die konsequenten Verurteilungen führen dazu, dass Täter in Kalkutta lernen, dass ihre Verbrechen bestraft werden."

*Aus Sicherheitsgründen verwenden wir ein Pseudonym.

Mit Deiner Unterstützung kann IJM mehr Mädchen wie Gita helfen, Gerechtigkeit zu erlangen!

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