Landraub in Uganda raubt Witwen ihre Existenz – Mit fünf Kindern plötzlich heimatlos

UgandaWeltweite Arbeit
29. 10. 2017, 09:00 Uhr

„Seid leise! Lauft weiter, aber langsam! Sie dürfen uns nicht hören“, flüsterte Claire. Mit fünf Kindern war sie auf der Flucht. Claire hatte Todesangst, ihre Kinder waren erschöpft. Den 17 Kilometer langen Weg zur Polizei schafften sie nicht. „An diesem Tag wusste ich, dass ich aufgeben muss. Jetzt hatte ich alles verloren”, erinnert sich Claire.

Claire lebt im Mukono-Bezirk, nicht weit von der ugandischen Hauptstadt Kampala entfernt. Die Menschen leben von der Landwirtschaft; von Mais, Kaffee, Hirse, Bananen oder Süßkartoffeln. Drei Hektar Land und ein kleines Haus sind Claires Heimat, die sie sich mit ihrem Ehemann aufgebaut hat. Er starb plötzlich an einem Herzinfarkt.

Dir gehört ab sofort nichts mehr!

Noch bevor Claire den Verlust begreifen konnte, teilte ihr ihre Schwiegerfamilie mit: „Dir gehört ab sofort nichts mehr.“ Ihr gesamter Besitz und Land gingen an ihren Schwager. Sie konnte nichts gegen den Willen der Familie tun. Ungefragt musste sie auch dulden, dass der Schwager bei ihr einzog – als ihr neuer Ehemann.

Nach fünf Monaten fasste Claire Mut und ging mehrere Stunden zu Fuß zur Polizei. Diese unterstützte Claire und zwang den Schwager auszuziehen, da die Heirat illegal war. Widerwillig ging er, doch er schwor Rache und drohte, Claire umzubringen.

Mordversuche an Claire

Der Schwager beauftragte Männer, nachts ihre Ernte zu zerstören – die mühevolle Arbeit eines ganzen Jahres und Versorgung der Familie. Hochschwanger wusste Claire nicht, wohin sie mit den Kindern gehen konnte.

Dann kam der Tag, an dem eine Gruppe von Männern mit Macheten auf ihr Land gerannt kam. Die Familie floh, doch es war ausweglos.

In vielen ländlichen Gebieten in Uganda ist beinahe jede dritte Witwe von Landraub betroffen.
– IJM Studie, 2013

Was ist Landraub?

Eine einfache Hütte oder ein kleines Haus mit einem kleinen Gemüsegarten stellt für viele arme Familien nicht nur ihre Unterkunft, sondern auch ihre Nahrungs- und Einkommensquelle dar. Doch für viele Witwen ist ihr Land nach dem Tod ihres Ehemannes nicht sicher, weil sie keinen Besitznachweis haben. Nachbarn und Verwandte des verstorbenen Mannes nutzen diesen Umstand aus. Sie verjagen sie von ihrem Grund und Boden und nehmen ihnen ihren Besitz weg. Die Witwen und ihre Kinder bleiben verzweifelt, mittellos und zutiefst verängstigt zurück.

Witwen zu ihrem Recht verhelfen

Das Gesetz garantiert die Gleichheit von Mann und Frau in Bezug auf Land- und Erbrechte. Doch dem entgegen steht die traditionelle Rechtsauffassung, die in ländlichen Regionen verbreitet ist und für viele Täter Landraub legitimiert.

Das ugandische Strafgesetzbuch benennt die Straftat des Landraubs nicht explizit. Allerdings verstoßen andere damit in Verbindung stehende Straftaten gegen das geltende nationale Recht, wie zum Beispiel Erbschleicherei, Urkundenfälschung, Erpressung, und Zerstörung oder Diebstahl von Eigentum. Jedoch kommt es nur selten zu Urteilen.

Seit 2002 unterstützen Ermittler, Anwälte und Sozialarbeiter von IJM Witwen und Waisen, ihr Land zurückzugewinnen und in Sicherheit zu leben. IJM begleitet die Witwen zu Behörden, um Besitzurkunden für ihr Grundstück zu beantragen und ihnen rechtlich beizustehen.

Eine Anwältin für Claire

Über die Polizeistation erfuhr IJM von den Mordversuchen an Claire. Ermittler von IJM suchten mit der Polizei nach Claires Schwager. Endlich wurde er verhaftet. Eine Anwältin von IJM bereitete die Anklage gegen ihn vor und kurze Zeit später wurde der Gerichtsprozess eröffnet. Parallel beantragte die Anwältin eine offizielle Besitzurkunde für Claires Land.

Endlich sicher

Über ein Jahr später wurde Claires Schwager vor Gericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. An diesem Tag ging Claire aufrecht aus dem Gericht: Ihr wurde Recht gesprochen!

Meine Kinder fragten mich: Mami, haben wir jetzt wieder ein Zuhause? Ich antwortete, ja, Gott ist für uns eingetreten.

Helfen Sie mit!

Gemeinsam kämpfen wir für Frauenrechte und nehmen Einfluss darauf, wie das lokale Rechtssystem gefährdete Witwen und Familien schützt. Helfen Sie mit, Witwen wie Claire in ihrer Not beizustehen!

Spenden