Häusliche Gewalt in Norduganda: erste Verurteilungen von Tätern

UgandaWeltweite Arbeit
27. 05. 2019, 16:00 Uhr

Frauen gelten in Norduganda als Besitz des Mannes, der über sie verfügt – und das oft durch physischen und psychischen Missbrauch bis hin zu Todesdrohungen und Totschlag. Josephine Aparo, IJM Sozialarbeiterin in Gulu, machte in Deutschland auf die Not der Frauen aufmerksam und wie sie für Veränderung kämpft.

Weltweit ist häusliche Gewalt ein brutaler Schatten über vielen Familien und Beziehungen. Laut der WHO sind 30 Prozent aller Frauen betroffen. In manchen Regionen sehen die Zahlen noch grausamer aus: In Norduganda zum Beispiel erfahren 70 Prozent aller Frauen häusliche Gewalt (Uganda Bureau of Statistics). „Wir leben an einem Ort, an dem Gewalt normal ist. Gewalt ist Teil unseres Alltags“, sagte IJM Sozialarbeiterin Josephine Aparo während ihres Besuchs in Deutschland bei verschiedenen Veranstaltungen.

Josephine Aparo (rechts im Bild) mit einer IJM Klientin.

,,Gewalt bestimmt unser Leben."

Josephine Aparo stammt aus Norduganda und hat ihre Kindheit im Bürgerkrieg „durch ein Wunder“ überlebt. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Krieg damals und der Gewalt heute: „Die Menschen in meiner Heimat haben im Krieg sehr gelitten. Gewalt bestimmte unser Leben. Wir wurden mit vielen Schmerzen und Narben zurückgelassen. Unsere Männer finden kaum Arbeit. Unsere Frauen sind nicht respektiert. Der Krieg ist vorbei, aber nicht die Gewalt,“ so Aparo weiter.

Seit 15 Jahren setzt sich IJM in Uganda für die Rechte von Frauen ein. Ein besonderer Fokus lag in den vergangenen Jahren auf der Bekämpfung von Landraub: Witwen werden nach dem Tod ihres Mannes von ihrem Land vertrieben, weil die Schwiegerfamilie, Nachbarn oder Fremde es für sich beanspruchen. Da meist niemand für den Schutz der Witwe eintritt, ist sie der Gewalt ohnmächtig ausgeliefert und fällt mit ihren Kindern in extreme Armut.

Fälle von Landraub bis zu 50% gesunken

In einer Studie im Bezirk Mukono County (nahe Kampala) stellte IJM 2012 fest, dass bis zu jeder dritten Witwe von Landraub betroffen war. Zusammen mit der Regierung führte IJM ein fünfjähriges Programm durch, das speziell an diesem Ort die Fälle von Landraub reduzieren sollte. Durch die intensive Schulung und Zusammenarbeit an Fällen mit den Behörden sowie Aufklärung in vielen Dorfgemeinschaften konnte 2017 nachgewiesen werden, dass die Fälle von Landraub bis zu 50 Prozent zurückgingen. Polizisten, Staatsanwälte und Richter bearbeiten Fälle nun proaktiver, professioneller und mit mehr Kapazität. Frauen sind besser über ihre Rechte aufgeklärt und mehr Dörfer sind informiert, dass Landraub strafrechtlich verfolgt wird. Signifikante Verurteilungen in der Region schrecken zudem ab.

Dieser Durchbruch ermutigt die Regierung mit IJM noch größere Programme zu entwickeln, um die Rechte von Frauen in ganz Uganda zu stärken und zu sichern. Teil dieses neuen Programms ist neben Landraub der neue Fokus auf häusliche Gewalt im Norden Ugandas. Denn nicht nur die Gewaltfälle zeigen die Dringlichkeit auf, sondern auch die Verankerung von Gewalt in der Gesellschaft. 77 Prozent der Frauen in Norduganda halten häusliche Gewalt für berechtigt (Unicef). Demnach ist es eine Seltenheit, dass Fälle strafrechtlich verfolgt werden.

Zusammen für Veränderung einstehen

Seit 2018 übernimmt IJM im Norden Ugandas Fälle von häuslicher Gewalt. Im Februar 2019 erreichten Anwälte von IJM drei Verurteilungen. In einem ersten Fall wurde eine Frau von ihrem Mann geschlagen. Dieser plädierte zuerst auf „nicht schuldig“, bis er realisierte, dass es Zeugen gab, die bereit waren, vor Gericht gegen ihn auszusagen. Nachdem er sich schuldig bekannte, wurde er zu 100 Stunden Sozialdienst und Schmerzensgeld verurteilt. Sollte er die Auflagen nicht erfüllen, drohen ihm sechs Monate Haft.

Ein anderer Mann griff seine Frau über mehrere Tage immer wieder an und drohte, sie zu töten. Dafür wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das ist die höchste Strafe, die IJM bis jetzt in einem Fall von häuslicher Gewalt erwirken konnte.

Auch in dem dritten Fall wurde der Mann zu einer Haftstrafe und Schmerzensgeld verurteilt. Seine Frau konnte in das Nachbardorf fliehen, nachdem er sie brutal geschlagen hatte. Sie zeigte ihn daraufhin an. Zu Beginn behauptete er, dass er nicht schuldig sei. Doch dann wurde ihm die Kaution verwehrt und er kam in Polizeigewahrsam.

Jeden Tag höre ich die Geschichten, der Frauen, die schwere Gewalt erlebt haben“, sagt Aparo. „Ich helfe ihnen mit dem Schmerz umzugehen – körperlich und seelisch. Ich tröste, begleite sie vor Gericht und ermutige, jeden Tag einen Schritt weiterzugehen. Weiter und weiter in eine bessere, hellere Zukunft.“ Sie selbst bewahrt ihren Mut, indem sie zurückdenkt an die vielen Frauen, denen sie bereits zu Recht verhelfen konnte. Mit ihren Geschichten ermutigt sie auch die, die jetzt noch leiden. „Du bist nicht allein. Wir stehen zusammen für Veränderung ein!“

Mit deiner Unterstützung steht IJM Frauen bei, die von Gewalt betroffen sind und kämpft für ihre Rechte!

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