Indien: 12.000 Betroffene unterzeichnen Petition für neues Anti-Sklaverei-Gesetz

IndienWeltweite Arbeit
18. 02. 2019, 15:00 Uhr

Delhi – Indien plant, ein neues Anti-Sklaverei-Gesetz zu verabschieden. Sollte es erfolgreich vom Parlament verabschiedet werden, könnte es Indiens Kampf gegen Zwangsarbeit und Ausbeutung entscheidend beeinflussen. Zur Unterstützung organisierte IJM gemeinsam mit anderen Anti-Sklaverei-Organisationen eine besondere Petition: 12.000 Betroffene, die aus Zwangsarbeit befreit wurden, unterzeichneten den Aufruf an den indischen Premierminister.

Hinter dem großen Holzpodest sieht Meera winzig aus. Die zierliche Frau im rosa Sari hält zum ersten Mal in ihrem Leben ein Mikrofon in der Hand. Mutig erzählt sie davon, wie sie in einer Ziegelei gefangen war und ausgebeutet wurde. Meera wurde vor einem Jahr dank einer lokalen Partnerorganisation von IJM aus Zwangsarbeit befreit.

Nach Meera kommen weitere Überlebende auf das Podium und erzählen ihre Geschichte. Eine junge Frau berichtet von massiver körperlicher und sexueller Gewalt, die sie erlebte, nachdem sie in eine Zwangsehe verkauft worden war.

12.000 Stimmen gegen Sklaverei

Meera, die junge Frau und mehr als 100 weitere Betroffene waren zusammengekommen, um dem indischen Premierminister eine Petition zu überreichen. Sie war von 12.000 Menschen unterschrieben worden, die Zwangsarbeit, Sexhandel und Zwangsheirat in 14 indischen Bundesstaaten erlitten haben. Die schiere Anzahl der Unterschriften illustrierte das Ausmaß dieses Elends und die Notwendigkeit, ein neues Gesetz zum Schutz von Betroffenen zu verabschieden.

Meera (im roten Schal) und weitere ehemalige Zwangsarbeiter erzählen von ihren Erfahrungen.

Neues Gesetz berücksichtigt Erfahrung Betroffener

Dem indischen Parlament liegt bereits ein Gesetzesentwurf vor, der auf den Fortschritten der indischen Regierung im Kampf gegen Sklaverei und Ausbeutung aufbaut. Dazu gehören etwa die Einrichtung von Anti-Sklaverei-Einheiten in der Polizei, erhöhte finanzielle Unterstützung für befreite Zwangsarbeiter und die Freigabe von „Standards für operative Verfahren", um den lokalen Behörden zu helfen, Opfer von Menschenhandel und moderner Sklaverei leichter zu identifizieren und zu befreien.

Die Stimmen der Betroffenen waren während der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs von großer Bedeutung. Aufgrund ihrer Aussagen wurden neue Bestimmungen aufgenommen, wie die Hilfen für Grundbildung, berufliche Bildung, Gesundheitsversorgung und psychische Gesundheit für Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung.

Das alles macht einen großen Unterschied für Betroffene wie Meera, die nach ihrer Rede strahlend lächelte. „Haupbahot khush hoon!", schwärmte sie. „Ich bin sehr glücklich!“

Lesen Sie mehr über diese Kampagne in den indischen Zeitungen Business Standard, Sunday Guardian, First Post und Reuters

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