Mitarbeiterportrait Sek Saroeun – Vom DJ zum Top-Anwalt gegen Kinderhandel in Kambodscha

KambodschaWeltweite Arbeit
30. 10. 2017, 09:00 Uhr

Kambodscha in den 1970er Jahren: Die Roten Khmer errichten ein blutiges Terrorregime. Rund zwei Millionen Menschen kommen ums Leben. Vietnamesische Truppen besetzen das Land. Ein Bürgerkrieg bricht aus.

Spielen auf dem Minenfeld

Inmitten der Unruhen wächst Sek Saroeun auf. Als Kind stößt er beim Spielen auf eine Mine, die einen Teil seiner rechten Hand wegreißt. Obwohl ihm als „Krüppel“ von den Lehrern nicht viel zugetraut wird, ist er ein sehr guter Schüler. Sein Wunsch zu studieren erfüllt sich nicht wegen den dramatischen Zuständen im ganzen Land. In der Hoffnung eines Tages als Lehrer arbeiten zu können, lernt er Englisch.

Auch diese Perspektive zerschlägt sich für den inzwischen 25 Jahre alten Sek. Der Bürgerkrieg hat Kambodscha so zerstört, dass vielerorts an einen geregelten Schulbetrieb nicht mehr zu denken ist. Anfang der 1990er Jahre schickten die Vereinten Nationen ihre Blauhelmsoldaten, um das Land zu befrieden.

Als DJ mit großen Träumen in einer Strandbar versackt

Ganz anders als erwartet helfen Sek seine Englischkenntnisse immerhin, eine Arbeit zu finden. Er ist dringend auf ein festes Einkommen für seine Familie angewiesen.

Als DJ und Barkeeper unterhält er die Friedenssoldaten nach Feierabend in einer Strandbar. Mit der Zeit wächst der Tourismus im Land stark. Doch die staatlichen Strukturen sind immer noch vom Zusammenbruch des Landes gekennzeichnet. Dies schafft den Nährboden für ein neues Unrecht: Kinderhandel.

Im Jahr 2000 liegt die Zahl der Minderjährigen in der Prostitution bei 30 Prozent. Zwar ist es laut Gesetz verboten, mit Kindern zu handeln oder sie für Sex zu kaufen, doch in einem nahezu straffreien Klima für Kriminelle fehlt ohne ein funktionierendes Rechtssystem die strafrechtliche Konsequenz.

Vom Informanden zum Top-Anwalt

Sek bemerkt, dass auch der Besitzer der Strandbar, in der er arbeitet, Ausländern Kinder anbietet. Eines Tages kommen Ermittler von IJM in die Bar und fragen Sek nach den Kindern. Als er die Möglichkeit sieht, als Informant zu helfen, baut er Vertrauen zu den Ermittlern auf und wird zu einem der ersten Mitarbeiter von IJM in Kambodscha.

Durch die Unterstützung von IJM kann Sek studieren. Er möchte Anwalt werden, um für die Rechte der Kinder zu kämpfen, die verkauft, missbraucht und täglich gequält werden. Ab 2004 übernimmt Sek für IJM die Fälle von Kinderhandel und sexuellen Missbrauch. In seinem ersten Jahr erreicht er bereits 37 Verurteilungen von Kinderhändlern.

Heute gilt Sek als einer der besten Anwälte in Kambodscha. Durch ihn und viele andere Mitstreiter hat sich das Rechtssystem heute verändert. Es verfolgt Kinderhändler und Kunden, die Kinder für Sex kaufen, auf Schärfste. Die Zahl der Minderjährigen in der Prostitution ist auf unter ein Prozent gesunken.

Kambodscha macht gute Schlagzeilen

Veränderung ist möglich, wenn Gesetze Wirkung haben und Polizei, Anwälte und Richter den Willen und die Kompetenz haben, Fälle von Kinderhandel aufzudecken und die Schutzbedürftigsten in ihrem Land zu schützen. Dies weiter zu fördern, sehen wir als unsere große Aufgabe. Werden Sie Teil unserer Arbeit durch Ihre Spende!

Spenden