Leben in Freiheit: So geht es Thaiyamma und ihrer Familie heute

IndienWeltweite Arbeit
17. 12. 2018, 15:00 Uhr

Seit der dramatischen Befreiung von Thaiyammas Familie aus Sklaverei sind über zwei Jahre vergangen. Wie unterstützt IJM Familien, ein neues Leben aufzubauen? Was bedeutet Freiheit heute für Thaiyamma? Davon erzählt sie selbst. Eine spezielle Nachricht an Sie ist ihr dabei besonders wichtig...

Die Befreiung aus Sklaverei ist für Familien wie von Thaiyamma der entscheidende Moment, der ihr gesamtes Leben verändert. Trotzdem ist die Befreiung erst der Anfang ihres Weges zurück in ein selbstbestimmtes, sicheres Leben. Wie sieht dieser Weg aus?

Nach der Befreiung werden Thaiyamma und die anderen Familien erstversorgt.

1. Was passiert unmittelbar nach der Befreiung aus Sklaverei?

Die befreiten Familien werden mit einem Bus an einen nahegelegenen Ort gebracht, wo IJM die Erstversorgung anbietet. Das kann in einer Schule, einer Polizeibehörde oder einem Kirchengebäude sein. Dort bekommen die Familien eine warme Mahlzeit und medizinische Hilfe. Die Erwachsenen ruhen sich aus, die Kinder spielen. Für viele Familien ist es ungewohnt „Zeit“ zu haben. „Mein Leben kam zu mir zurück“, beschreibt Thaiyamma das Gefühl, als sie realisierte, dass sie und ihre Familie wirklich frei sind. „Ich konnte essen, wann und was ich wollte. Ich konnte schlafen, wenn ich müde war. Niemand gab mehr mein Leben vor.“

Mit den lokalen Beamten werden die Familien registriert. Außerdem stellen sie durch Befragungen fest, ob sie von Schuldknechtschaft und Arbeitssklaverei betroffen sind. Denn wenn das der Fall ist, haben die Familien Anspruch auf staatliche Unterstützungen, die sie dringend brauchen.

Ermöglichen Sie jetzt die Erstversorgung durch Ihre Spende: Eine warme Mahlzeit für eine fünfköpfige aus Sklaverei befreite Familie kostet etwa 25 Euro.

2. Wo wohnen und arbeiten die Familien später?

In den ersten Tagen und Wochen wird geprüft, wo die befreite Familie übergangsweise oder dauerhaft wohnen kann. Manche Familien kehren in ihre Heimat zurück, für andere ist das keine Option mehr. Die staatlichen Behörden unterstützen sie dabei maßgeblich. IJM begleitet die Familien individuell und innerhalb einer Gruppe. In der Gruppe lernen sie, wie sie eine neue Arbeit finden, wie sie ein Handy benutzen, ein Konto eröffnen oder ihre Kinder in der Schule anmelden. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, wie lange die Familie in Sklaverei festgehalten wurde und was ihre Ausgangssituation war. Wenn Eltern nicht lesen und schreiben können, unterstützen sie Bildungsprogramme.

Thaiyamma und ihre Familie sind glücklich in ihrem neuen Zuhause.

Thaiyamma und ihre Familie leben heute in einem Dorf mit anderen Familien, die aus Sklaverei befreit wurden. Ihr Mann hat eine gute Arbeit gefunden und Lavanya, die heute fünf Jahre alt ist, wird bald eingeschult. „Unser Leben, alles was wir heute sind und haben, das ist Freiheit!“, fasst Thaiyamma zusammen. Besonders genießt sie es, wenn es Dunkel ist ein Licht in ihrem kleinen Häuschen anzumachen und sich sicher und zu Hause zu fühlen. Der Sklavenhalter hatte der Familie verboten, sich eine Hütte zu bauen. Drei Jahre lang schliefen sie unter Bäumen.

Weiter werden die Familien in der Nachsorge darin begleitet, mit dem Erlebtem umzugehen. Auch das ist bei jeder Familie und jedem Menschen anders. Viele haben schwere Gewalt erlebt und wurden jahrelang festgehalten, bedroht und kommandiert. Hier gilt es mit professioneller Hilfe durch Psychologen von IJM Angst, Gefangenendenken und andere Folgen von traumatischen Erlebnissen anzugehen. Das gilt insbesondere für die Kinder.

Weiter werden die Familien in der Nachsorge darin begleitet, mit dem Erlebtem umzugehen. Auch das ist bei jeder Familie und jedem Menschen anders. Viele haben schwere Gewalt erlebt und wurden jahrelang festgehalten, bedroht und kommandiert. Hier gilt es mit professioneller Hilfe durch Psychologen von IJM Angst, Gefangenendenken und andere Folgen von traumatischen Erlebnissen anzugehen. Das gilt insbesondere für die Kinder.

Die Förderung einer Familie in den Gruppensitzungen, in denen sie praktische Fähigkeiten lernen, um einen Neustart zu schaffen, kostet etwa 250 Euro pro Familie. Ihre Spende zählt!

Baby Bablu genießt Zeit mit Mama Thaiyamma.

3. Das neue Leben in Freiheit gestalten - wofür Thaiyamma lebt

Wenn die praktische und regelmäßige Unterstützung der Familien weniger notwendig ist, hält IJM den Kontakt, um bei unvorhergesehen Ereignissen unterstützen zu können und um weiterhin sicherzugehen, dass es der Familie gut geht. Außerdem ermutigen sie sie, neuen Perspektiven und Träumen nachzugehen, die sie zuvor entwickelt haben. Thaiyamma kümmert sich mit viel Liebe um ihren Sohn Bablu. Ihr größter Wunsch für ihre Familie ist es, dass die Kinder alles haben, was sie brauchen und eine gute Ausbildung bekommen.

Immer wieder werden die Familien in der Nachsorge über ihre Rechte aufgeklärt. Das ist sehr wichtig, damit sie für ihre Rechte einstehen können. Wenn sie wissen auf welche staatlichen Leistungen sie Anspruch haben, gehen sie zu den Behörden und fragen selbstbewusst danach. Wenn sie Unrecht erleben oder bei Nachbarn beobachten, gehen sie zur Polizei und fordern ein, dass diese sich kümmert.

Das Wissen um ihre Rechte stärkt viele ehemalige Betroffene von Sklaverei in ihrem Selbstbewusstsein. Umso mehr verstehen sie auch das Verbrechen von Schuldknechtschaft. Folglich sehen es viele als ihre Aufgabe an, andere Menschen aufzuklären und vor Sklaverei zu warnen. Thaiyamma ist eine von ihnen: ,,Ich möchte Menschen helfen, die versklavt sind oder in großer Not, denn ich kann ihre Situation nachempfinden. Und ich weiß, was es bedeutet, wenn jemand kommt und mich befreit und mir beisteht."

Thaiyammas Botschaft an Sie

Gerade jetzt in diesem Moment leiden Menschen in Sklaverei. Ich weiß sehr genau, wovon ich spreche. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich diesen Menschen beistehen möchte. Ich bin frei. Auch Sie leben in Freiheit. Nutzen Sie diese Freiheit und stehen Sie für Menschen in Sklaverei ein. Das möchte ich jedem sagen

Thaiyamma im Spätsommer 2018.

Spenden