Zwangsarbeit in Indien: eine Mutter gibt nicht auf, bis ihre Kinder frei sind

IndienWeltweite Arbeit
16. 11. 2018, 17:30 Uhr

Tamil Nadu, Indien – Nach Jahren verzweifelter Suche war IJM in der Lage, eine Mutter mit ihren zwei Söhnen wieder zu vereinen. Die Jungen waren jahrelang auf Kükenfarmen ausgebeutet worden. Ihr Vater hatte sie an die Besitzer der Farmen verkauft, um seine Schulden zu tilgen.

Nachdem Valli sich vor sechs Jahren von ihrem Mann getrennt hatte, verbot dieser ihr jeglichen Umgang mit ihren vier Söhnen und drohte mit Gewalt, falls sie sich doch melden sollte. Deshalb erfuhr sie erst nach seinem Tod davon, dass er seine Kinder an die Besitzer von Kükenfarmen verkauft hatte, um seine Schulden zu begleichen. Für umgerechnet etwa 25 Euro pro Kind.

Die verzweifelte Suche einer Mutter

Nach dem plötzlichen Tod ihres Exmannes konnte Valli zunächst den Kontakt zu ihren zwei älteren Söhnen herstellen. Sie waren es auch, die ihr vom Schicksal ihrer Geschwister erzählten. Valli machte sich daraufhin auf eigene Faust auf die Suche, quer durch den indischen Bundesstaat Tamil-Nadu. Da ihr einziger Anhaltspunkt die Kükenfarm war, besuchte sie unzählige dieser Farmen, um ihre Söhne zu finden.

Vallis Sohn beim Hüten von Entenküken auf der Farm.

Ihre beiden Jungen mussten währenddessen in harten 12-Stunden-Schichten schuften. Die Arbeit war monoton und anstrengend für die Kinder. Sie waren isoliert und hatten keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Ihre Kindheit hatte sich in einen Albtraum verwandelt.

Anfang November 2018, nach Jahren auf der Suche, war Valli endlich erfolgreich. Sie sprach mit dem Besitzer der Farm und flehte ihn an, ihre Jungen gehen zu lassen. Der Besitzer wies Valli schroff ab und ließ sie verzweifelt zurück.

Endlich zusammen – und in Freiheit

Valli wandte sich hilfesuchend an die lokale Hilfsorganisation „Foundation for Sustainable Development“ (FSD). Als Partner von IJM wurden die Mitarbeiter der Organisation von IJM darin geschult, Menschen in Tamil Nadu aus Zwangsarbeit zu befreien. Gemeinsam mit IJM und der Polizei organisierten sie am 12. und 13 November eine Razzia. Beide Jungen wurden befreit!

Nach sechs langen Jahren konnte Valli ihre Kinder endlich wieder in die Arme schließen. Beide waren entkräftet und unterernährt aber überglücklich, bei ihrer Mutter sein zu können.

Valli ist glücklich, dass ihre Söhne jetzt in die Schule gehen können.

Dank des Einsatzes von FSD wurden für Vallis Söhne direkt Plätze in einer Schule gefunden. Valli ist sich sicher, dass für ihre Familie eine bessere Zeit begonnen hat:

Meine Söhne sind so groß geworden! Aber jetzt müssen sie tüchtig essen, um auch stark zu werden. Ich bin froh, dass sie endlich zur Schule gehen können. Wenn sie viel lernen, werden sie es im Leben zu etwas bringen.
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