Geschlagen und verraten: 14 Männer in Indien aus Zwangsarbeit auf einer Ingwerfarm befreit

IndienWeltweite Arbeit
27. 09. 2018, 13:30 Uhr

Mehrere Farmarbeiter in Indien wurden unter falschen Versprechungen auf eine Ingwerfarm gelockt. Anstelle einer gut bezahlten Arbeitsstelle wurden sie misshandelt und mussten ohne Lohn schwere körperliche Arbeit leisten. Dank eines Hinweises wurde IJM auf den Fall aufmerksam und organisierte gemeinsam mit der Polizei die Befreiung.

BANGALORE, INDIEN - Die örtliche Polizei hat einen mutmaßlichen Sklavenhalter verhaftet und sucht nach zwei weiteren Tätern. Vorausgegangen war eine riskante Rettungsaktion, die am 7. September 14 verängstigten Männern die Freiheit brachte.

Diese Männer waren dem Versprechen eines Schleppers gefolgt. Er versprach ihnen eine gut bezahlte Arbeit, um ihre Familien zu versorgen. Die Realität sah jedoch anders aus. Auf der Ingwerfarm nahe Bangalore wurden die Männer brutal geschlagen, mussten Hunger leiden und wurden von der Außenwelt isoliert. Sie waren gezwungen, 13 Stunden am Tag ohne Bezahlung oder ausreichende Mahlzeiten zu arbeiten und hantierten oft mit gefährlichen chemischen Düngemitteln – ohne jegliche Schutzkleidung. Der Sklavenhalter und seine Handlanger beobachteten sie ständig. Sogar nachts beim Schlafen in ihrer Einraumhütte standen sie unter Bewachung.

Entkommener Arbeiter gibt Hinweis an Polizei

Da sie den Missbrauch nicht ertragen konnten, waren in den vergangenen Monaten bereits zwölf Arbeiter von der Farm geflohen. Einer von ihnen wurde in einem nahegelegenen Dorf erwischt, zurückgeschleppt und schwer geschlagen. Viele der geretteten Männer tragen noch immer Wunden oder Narben von ähnlichen gewalttätigen Angriffen.

Glücklicherweise konnte einer der entkommenen Männer den Fall bei der Polizei melden. Ein von IJM geschulter Beamter sah die katastrophale Situation und kontaktierte sofort das IJM Büro in Bangalore. Gemeinsam mit den lokalen Behörden begannen sie, die Rettungsaktion zu planen.

Keinen Kontakt zur Außenwelt

Am Tag der Befreiung berichtete einer der Arbeiter mit vor Angst zitternder Stimme davon, wie sie ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt litten.

Ich habe meine Frau und mein zweijähriges Kind verlassen, um hier zu arbeiten. Ich konnte in den letzten fünf Monaten nicht einmal mit ihnen sprechen und weiß nicht, was mit ihnen passiert ist. Ich habe den Besitzer oft gebeten, mir meinen Lohn zu zahlen und mich gehen zu lassen, aber ich wurde mit Ketten und Stöcken geschlagen und aufgefordert, weiterzuarbeiten.

Unter Tränen fügte er hinzu:

Ich bin der Regierung sehr dankbar, dass sie uns befreit hat.

Anklage wegen Menschenhandel und Sklaverei

Die Behörden brachten die Männer in einem Regierungsbüro in Sicherheit und haben ihnen neben sofortiger medizinischer Versorgung und Lebensmitteln offizielle Freigabebescheinigungen ausgestellt. Damit haben sie Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch den Staat.

Die Polizei hat den Besitzer der Farm für mindestens zwei Wochen ins Gefängnis gebracht. In Rekordzeit wurde außerdem Anklage wegen Menschenhandel und Sklaverei gegen den Besitzer erhoben. Nach zwei weiteren Verdächtigen, die ebenfalls am Missbrauch der Arbeiter beteiligt waren, wird noch gefahndet.

Die Behörden begleiteten die Betroffenen zurück in ihre Heimat und zu ihren Familien. Sie werden ab jetzt zwei Jahre von IJM dabei begleitet, sich eine neue Existenz in Freiheit aufzubauen, um ihre langfristige Genesung zu unterstützen.

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