Polizei von Kalkutta und IJM stoppen Kopf einer Schlepperbande

IndienWeltweite Arbeit
24. 09. 2018, 17:00 Uhr

KALKUTTA, INDIEN – IJM half im letzten Monat einer Sondereinheit der indischen Polizei, zwei Frauen aus einem Privathaus zu befreien. Sie waren von einer Bande von Menschenhändlern verschleppt und für Sex verkauft worden. Fünf Kriminelle konnten festgenommen werden, darunter eine berüchtigte Schlepperin namens Archana*, der IJM seit Jahren auf der Spur war.

Kalkutta: Mädchen wurden in ruhigen Stadtvierteln in Privatwohnungen für Sex verkauft.

In diesem Fall hatte Archana zwei Schwestern ausgebeutet, die aus einer armen Dorfgemeinschaft stammen. Die 21-jährige Reena* war mehrere Jahre lang von der Schlepperbande missbraucht worden. Die 15-jährige Simi* sollte zum ersten Mal für Sex verkauft werden. Glücklicherweise wurde sie gerettet, bevor Archana den Deal abschließen konnte. Beide Schwestern sind nun in einer Nachsorgeeinrichtung in Sicherheit.

„Uns war bekannt, dass Archana bereits seit 10 Jahren Kinder in den Sexhandel verkauft", erklärt Saji Philip, Büroleiter von IJM Kalkutta. „Seit einigen Jahren fahndete die Polizei nach ihr, unterstützt von IJM-Mitarbeitern. Sie entkam jedoch aufgrund ihres Einflusses und ihrer Macht immer wieder einer Verhaftung."

Archana konnte ungestraft operieren, indem sie traditionelle Rotlichtviertel mied und stattdessen in Privathäusern in ruhigen Stadtvierteln agierte. Dort hegte lange Zeit niemand den Verdacht, dass Sexhandel stattfand.

Entscheidender Schlag gegen kriminelles Netzwerk

Die Polizei hat sie nun als Verbindungsperson zwischen 14 Zuhältern in sechs einzelnen IJM-Fällen ausgemacht. Mehrere Betroffene hatten früher bereits auf Archana als Kopf des Schlepperrings hingewiesen. Saji Philip weiß, dass ihre Verhaftung ein bedeutender Sieg ist und fügt hinzu: "Die Verhaftung wird zu einer erheblichen Beeinträchtigung dieses Netzwerks von Kriminellen führen."

Ermutigt durch ihre scheinbare Immunität gegenüber der Polizei erklärten Archana und ihre Komplizen völlig unverfroren ihre Arbeitsweise nach der Festnahme. Ein Zuhälter erklärte ausdrücklich, dass er das Geschäft von zu Hause aus führte, um leichtes Geld zu verdienen.

„Die Täter zeigten ein schockierendes Vertrauen darin, ein weiteres Mal ohne Strafe davon zu kommen, ohne Rücksicht auf die Rechtsstaatlichkeit und am wenigsten auf die Würde und den Respekt der Opfer,“ sagte Philip weiter.

Justiz beendet Straflosigkeit der Täter

Es wurde auch klar, dass Archana ein großes Unterstützungssystem hatte, das ihre Macht ermöglichte: Eine Gruppe von acht Anwälten stand für Archana bereit, noch bevor das Rettungsteam die Polizeiwache erreicht hatte. Bei der anschließenden Gerichtsverhandlung drohten Archanas Verwandte und mehrere Verteidiger Reena, als sie aussagte.

Trotz allem wurden Archana und die anderen Verdächtigen gemäß den indischen Gesetzen zur Bekämpfung des Menschenhandels und des Kinderschutzes angeklagt. Der Richter, der den Fall überwachte, wies die Polizei an, ihre Ermittlungen schnell abzuschließen - ein starkes Zeichen dafür, dass die Justiz bereit ist zu reagieren und Archanas Sicherheit der Straflosigkeit zu beenden.

Mit Menschenhandel werden jährlich 150 Milliarden US-Dollar verdient. IJM arbeitet in Kalkutta seit 2006 dafür, Mädchen und Frauen daraus zu befreien und ihnen ein neues Leben in Würde zu ermöglichen. Mit Ihrer Spende können sie jetzt unsere Arbeit in Indien unterstützen.

*Aus Sicherheitsgründen verwenden wir Pseudonyme.

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