Global Slavery Index: Wie die Weltwirtschaft moderne Sklaverei fördert

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28. 08. 2018, 14:00 Uhr

Weltweit werden Männer, Frauen und Kinder Opfer von moderner Sklaverei. Im neuen Global Slavery Index wird das globale Verbrechen so detailliert analysiert wie nie zuvor. Die Untersuchungen zeigen, wie sehr westliche Industrienationen durch den Import von Produkten in die weltweite Ausbeutung verstrickt sind. Auch Deutschland importiert Waren im Millionenwert, die als besonders gefährdet gelten, von Sklaverei betroffen zu sein.

Noch nie gab es so viele Sklaven wie heute. Moderne Sklaverei ist allgegenwärtig, doch als globales Phänomen nur schwer messbar. Im letzten Jahr entwickelten die Walk Free Foundation und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) gemeinsam mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) die „Global Estimates of Modern Slavery“. Sie liefern die besten verfügbaren Daten und Informationen über das Ausmaß und die regionale Verteilung von moderner Sklaverei. Diese Schätzungen bilden den Ausgangspunkt für den neuen Global Slavery Index.

Fischer in Indien.

Bericht zeigt erstmals, welche Produkte häufig mit Sklaverei zusammenhängen

In seiner vierten Auflage misst der Global Slavery Index Land für Land die Prävalenz moderner Sklaverei. Es wird außerdem untersucht, welche Risikofaktoren Menschen verletzlich machen und welche Maßnahmen die Länder ergreifen, um gegen Sklaverei vorzugehen. Neu ist in diesem Jahr, dass der Report aufzeigt, welche Produkte aus welchen Regionen besonders gefährdet sind, mit Sklaverei zusammenzuhängen. Und er schlüsselt erstmals auf, welche Länder diese Produkte in großen Mengen importieren.

Deutschland: Computer, Kleidung, Kakao und Fisch können von Sklaverei betroffen sein

Beim Importvolumen von gefährdeten Produkten steht Deutschland laut dem Global Slavery Index weltweit an dritter Stelle nach den USA und Japan. Insgesamt bringt Deutschland danach Waren im Wert von 16,9 Milliarden US-Dollar auf den Markt, die von Sklaverei betroffen sein können. Besonders bedenklich sind folgende Produkte:

  • Computer, Laptops und Smartphones aus China und Malaysia
  • Kleidung aus Argentinien, Brasilien, China, Indien, Malaysia, Thailand, Vietnam
  • Kakao aus Ghana und der Elfenbeinküste
  • Fisch aus China, Ghana, Indonesien, Japan, Russland, Südkorea, Taiwan, Thailand

Die Realität des Welthandels macht Sklaverei für den deutschen Konsumenten unvermeidlich. Der dritte Platz im weltweiten Vergleich zeigt deutlich, welche Verantwortung Politik, Wirtschaft und Verbraucher haben. Der Bericht unterstützt damit auch die Forderung von IJM nach einem deutlich stärkeren Engagement der Bundesregierung gegen Sklaverei z. B. im Rahmen des Global Fund to End Modern Slavery.

Arbeiter in einer Bekleidungsfabrik.

Eine Herausforderung, die grenzüberschreitendes Engagement erfordert

Der länderspezifische Ansatz des Global Slavery Index zeigt auch: Zu oft wird die Verantwortung für die Beseitigung der modernen Sklaverei nur den Ländern auferlegt, in denen das Verbrechen begangen wird. Sie tragen die direkte Verantwortung, aber der Bericht verdeutlicht die globale Dimension von Sklaverei. Gerade die Industriestaaten, die von den Rahmenbedingungen in den stark betroffenen Ländern z.B. durch billige Produktion profitieren, müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Unternehmen sollten bei einem entschiedenen Vorgehen gegen Sklaverei begleitet werden, Partnerländer bei der Durchsetzung bestehender Gesetze unterstützt. Die Antwort auf moderne Sklaverei ist eine Herausforderung, die von allen Ländern gemeinsames Engagement und Anstrengungen erfordert

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