An vorderster Front: so helfe ich Frauen, die aus Menschenhandel befreit wurden

IndienWeltweite Arbeit
30. 07. 2018, 10:00 Uhr

30. Juli – Am Internationalen Tag gegen Menschenhandel haben wir mit Melissa Walavalkar gesprochen. Als Director of Justice Solutions arbeitet sie bei IJM Mumbai. Melissa erlebt täglich, wie Menschen leiden, die verkauft und ausgebeutet wurden. Deshalb sorgt sie dafür, dass Betroffene ein neues Leben in Freiheit meistern können. Im Interview erzählt Melissa, was sie an ihrer Arbeit besonders schätzt und woher sie ihre Kraft nimmt.

Von der Soforthilfe zur Nachsorge

Für Melissa Walavalkar und ihr Team beginnt die Arbeit bereits bei der Befreiung von Mädchen und Frauen aus Menschenhandel. Oft haben die Betroffenen große Angst. Sie können die meist turbulente Situation bei der Befreiung nicht einschätzen. Dann ist es wichtig, dass ihnen jemand erklärt, dass sie nun in Sicherheit sind. Anschließend werden die Mädchen und Frauen mit Essen versorgt und medizinisch betreut. Einige Tage später beginnt die Nachsorge, die sich der Aufarbeitung des Erlebtem widmet und den Betroffenen hilft, neue Lebens- und Berufsperspektiven zu entwickeln. Das erfordert Zeit – und Beistand. Darum kümmert sich das IJM Nachsorge Team mit den Behörden und vielen lokalen Partnern vor Ort. Bei Melissa Walavalkar laufen als Leiterin der Nachsorge alle Fäden zusammen.

Melissa, du arbeitest seit 2009 bei IJM. Wie kam es dazu und was hast du vorher gemacht?

Ich habe bereits mit 16 Jahren ehrenamtlich bei einer Telefonhotline für Suizidgefährdete gearbeitet. Für mich war früh klar, dass mein Herz für Frauen und Kinder in Not schlägt. Ich finde es schrecklich, mitansehen zu müssen, wie die Mitglieder unserer Gesellschaft, die am schutzbedürftigsten sind, verfolgt und ausgebeutet werden. Für ihren Schutz möchte ich mich einsetzen. Dieser Wunsch hat mich zu IJM geführt, denn unsere Mission ist es, die Schutzbedürftigen dieser Welt vor Gewalt zu schützen.

Vor IJM habe ich einige Jahre im Bereich Unternehmenspartnerschaften bei einer Kinderschutzorganisation hier in Mumbai gearbeitet. Begonnen habe ich meine Karriere im Firmenmarketing. Zu IJM kam ich 2009 zunächst als Managerin für Reintegration.

Melissa Walavalkar, Director of Justice Solutions

Was schätzt du besonders an deiner Arbeit?

Ich liebe es, dass jeder Tag so viel Abwechslung mit sich bringt – ein echtes Abenteuer! Mein Arbeitsalltag ist gefüllt mit Befreiungsaktionen, Rehabilitation, der Zusammenarbeit mit den Behörden und lokalen Organisationen. In unserer Arbeit bringen wir die Debatte um Gewalt und Rechtlosigkeit voran und arbeiten daran, Kinderschutz zur Priorität der Regierung zu machen. Langweilig wird es jedenfalls nicht!

Was inspiriert dich weiterzumachen?

Ich kann mir nicht vorstellen, eine Arbeit zu finden, die mich mehr erfüllt! Das ist der beste Job der Welt für mich. Wo könnte ich sonst daran teilhaben, wenn das Leben eines Menschen so radikal zum Guten verändert wird? Wo hätte ich sonst die Möglichkeit, einzuschreiten, wenn Unrecht geschieht und Freiheit und neuen Lebenssinn zu bringen? Ich kann dabei helfen, einem Menschen Würde und Bedeutung zuzusprechen und ihn bei der Heilung unterstützen. Das ist ein großes Privileg für mich. Nichts tue ich lieber als den Frauen und Kindern, die verletzt und ausgebeutet wurden, neue Hoffnung und neues Leben zu bringen.

Woher kommt dein besonderes Herz für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind?

Ich liebe sie, weil ich in ihnen eine unglaubliche Stärke sehe. Eine Stärke, zu überwinden, zu bewältigen und zu bezwingen. Sie geben sich nicht dem Schmerz und der Verzweiflung hin, sondern sind starke und mutige Frauen. Sie haben den Willen zum Leben nicht verloren und geben nicht auf, obwohl sie buchstäblich durch die Hölle gegangen sind.

Was wünscht du dir für die Betroffenen, Die IJM unterstützt?

Ich wünsche mir für sie, dass sie Freiheit, Freude, Frieden und Zufriedenheit erleben dürfen und in der Lage sind, ganz normale Leben zu führen.

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