6 Frauen aus Menschenhandel befreit: „Ich bin erleichtert, nie wieder bei diesen Männern sein zu müssen.“

Dominikanische RepublikWeltweite Arbeit
03. 07. 2018, 17:00 Uhr

Santo Domingo – Bei einer Befreiungsaktion der dominikanischen Polizei konnten sechs junge venezolanische Frauen befreit werden. Sie waren unter falschen Versprechungen in die Dominikanische Republik verschleppt und dort im Sexhandel ausgebeutet worden. Zwei der mutmaßlichen Täter wurden direkt festgenommen.

Die befreiten Frauen berichteten, dass sie bereits in Venezuela von einem Mann angeworben wurden. Er versprach ihnen Arbeit und bezahlte ihre Flüge in die Dominikanische Republik. Im neuen Land angekommen, nahm er ihnen jedoch ihre Pässe ab. Plötzlich sollten sie Schulden von 1.400 US-Dollar durch Sexarbeit zurückzahlen.

Ständig mit Gewalt bedroht

Die Frauen wurden gezwungen, in einer kleinen Wohnung über einer Bar zu leben und dort auch Freier zu empfangen. Alles Geld, das sie verdienten, wurde ihnen abgenommen, um ihre „Schulden“ zu begleichen. Wenn eine der Frauen nicht genug Männer empfing oder auf andere Weise die Befehle der Menschenhändler missachtete, wurde eine Strafzahlung zu ihren bestehenden Schulden dazu gerechnet. Die Frauen wurden ständig mit Gewalt bedroht, um sie gefügig zu halten. Einige der Betroffenen berichteten auch, dass der Bordellbesitzer sie zu Abtreibungen zwang.

Frei von jeglicher Unterdrückung

Die Polizei kam auf die Spur der Menschenhändler, nachdem ein Freier einen Hinweis abgab und vier weitere Frauen aus dem Bordell fliehen konnten. Die Befreiung wurde von einer Spezialeinheit durchgeführt, die durch IJM in der Bekämpfung von Menschenhandel geschult worden war. IJM Anwälte waren während der Befreiung anwesend, um Rechtshilfe leisten zu können und Sozialarbeiter von IJM sorgten dafür, dass die Betroffenen alle Unterstützung bekamen, die sie brauchen.

Als ihr bewusst wurde, dass sie nun frei von jeglicher Unterdrückung ist und nicht mehr sexuell ausgebeutet werden würde, sagte eine der Frauen:

Ich bin erleichtert, nie wieder bei diesen Männern sein zu müssen.

Perspektiven für die Zukunft

IJM wird nun die Staatsanwaltschaft dabei unterstützen, die Anklage gegen den mutmaßlichen Menschenhändler und den Bordellbesitzer vor Gericht zu bringen. Mitarbeiter von IJM haben auch dafür gesorgt, dass die Frauen übergangsweise in einer sicheren Einrichtung unterkommen konnten. Gemeinsam mit der Regierung wird IJM ein Nachsorgeprogramm für die Betroffenen entwerfen, um ihnen langfristig eine gesicherte Perspektive für die Zukunft bieten zu können und ihnen dabei zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

Die Zeugenaussagen der Betroffenen waren klar und eindrucksvoll

erzählt Raysi Marte, einer der IJM Anwälte, die bei der Rettung anwesend waren.

Jede der Frauen erzählte mutig von den Misshandlungen, denen sie ausgesetzt waren. Es war sehr bewegend für mich, Teil des Teams sein zu können, das diesen unterdrückten Frauen zur Freiheit verholfen hat.
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