Themenabend der IJM Campusgruppe Münster: Wie kann gute Entwicklungszusammenarbeit aussehen?

Botschafter*inIJM Deutschland
23. 05. 2018, 12:00 Uhr

Entwicklungszusammenarbeit. Ein Wort, das vielen noch immer schwer über die Lippen geht. Im Gegensatz zum bis dato verbreiteten Begriff ,,Entwicklungshilfe” soll es einen Prozess des Umdenkens anstoßen. Um herauszufinden, ob das möglich ist, lud die IJM Campusgruppe Münster am 3. Mai zu einem Diskussionsabend ein. Als Referentinnen und Referenten brachten die Politikwissenschaftlerin Janina Obermeyer, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jürgen Coße und IJMs Vorstandsvorsitzender Dietmar Roller das nötige Fachwissen ein.

Partnerschaft als Schlüssel für Entwicklungspolitik

Der Begriff der Partnerschaft soll zum Schlüsselmotiv der Entwicklungspolitik werden. Kann das funktionieren? Bevor die Diskussion beginnen konnte, führten die Referentinnen und Referenten mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten in das Thema ein. Den Anfang machte Janina Obermeyer. Die Politikwissenschaftlerin legt einen ihrer Forschungsschwerpunkte auf die Handlungsweisen von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren. Sie sprach über die steigenden Fördermittel, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Nichtregierungsorganisationen bereitstellt und kritisierte fehlende Mitspracherechte.

Jürgen Coße, Janina Obermeyer und Dietmar Roller sprechen über neue Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit. (von links nach rechts)

Ihr folgte Jürgen Coße, der als ehemaliges Mitglied des Bundestages Berichterstatter seiner Fraktion für “Ostafrika-Belange” tätig war. Beeinflusst von Eindrücken, die er bei der Arbeit der Nichtregierungsorganisation Archemed e.V. gewann, stellte er die These auf, dass es oft Nichtregierungsorganisationen und nicht etwa politische Akteure sind, die einen umfassenden Blick und ein Gefühl dafür entwickeln, was Menschen zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse und Verbesserung ihrer individuellen Lebensqualität wirklich brauchen.

Kein Spielball für andere mehr

Den letzten Vortrag hielt Dietmar Roller, der Vorsitzende von IJM Deutschland. Vor dem Hintergrund seiner langjährigen persönlichen Erfahrung in der praktischen Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und seinem akademischen Hintergrund als Sozialwissenschaftler beschäftigte er sich mit Ansätzen und Strategien von Entwicklungspolitik und stellte den Ansatz von IJM vor, Rechtssysteme zu verändern.

Recht als Mittel zum Fortschritt – diese Erkenntnis ist auch Grundlage der Arbeit von IJM. Nachhaltige Entwicklungsarbeit erfordert insbesondere funktionstüchtige Rechtssysteme. Denn nur, wer seine Rechte in Anspruch nehmen kann, wird nicht zum „Spielball für andere“, so Roller.

Bent Stohlmann von der IJM-Hochschulgruppe Münster leitet die Diskussion.

Viel Potential zur Zusammenarbeit

Es schloss sich eine angeregte Diskussion an, bei der die Zuhörenden die Möglichkeit nutzen kritische Fragen an die drei Referentinnen und Referenten zu richten. Die vorher skizzierten Probleme im Bereich Entwicklungszusammenarbeit wurden mit möglichen Lösungsansätzen verknüpft.

Rückblickend war es ein Abend voller spannender Impulse. Alle Teilnehmer waren sich am Ende einig, dass die kritische Hinterfragung von Entwicklungszusammenarbeit von immenser Bedeutung für deren Erfolg ist. Durch inhaltliche Überschneidungsflächen der Vortragenden aus Wissenschaft, Politik und dem Nichtregierungssektor wurden die Potenziale zur konstruktiven und produktiven Zusammenarbeit deutlich.

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