Sklaverei beenden: Warum ein neuer globaler Fond?

Politische Arbeit
08. 05. 2018, 15:00 Uhr

Ein neugegründeter internationaler Fond möchte Sklaverei beenden. Dazu sollen Staaten und Konzerne finanzielle Mittel bereitstellen und mit dem Fond zusammenarbeiten. IJM Deutschland fordert die deutsche Bundesregierung auf, den Fond ebenfalls zu unterstützen. Was kann ein solcher neuer Fond bewirken?

Vor 16 Jahren wurde schon einmal ein globaler Fond gegründet und hatte Erfolg. Weithin bekannt als der Aids-Fund wurde der Fond geschaffen um die drei großen Infektionskrankheiten Aids, Tuberkulose und Malaria weltweit zurückzudrängen. Er stellte sich als wichtigstes Instrument für dieses Ziel heraus und hat bis heute 22 Millionen Leben gerettet.

Eine ähnlich herausfordernde globale Herausforderung epidemischen Ausmaßes stellt heute die Moderne Sklaverei dar. Mehr als 40 Millionen Menschen leben heute in jedem Land weltweit als Sklaven. Der neugegründete Fund to End Modern Slavery (GFEMS) hat Potential, sich dem ähnlich erfolgreich wie der Aids-Fund entgegenzusetzen.

Der Kampf gegen Sklaverei braucht angemessene Finanzierung

Staaten weltweit setzen den jährlich 150 Milliarden US-Dollar Profit aus Menschenhandel momentan lediglich 400 Millionen US-Dollar (vorher 125 Millionen US-Dollar) für Initiativen entgegen, die dieses kriminelle Gewerbe bekämpfen. Das ist kein fairer Kampf! Ein erfolgreiches Vorgehen gegen Sklaverei braucht ausreichend finanzielle Mittel. Deutschland trägt in diesem Kampf zurzeit jährlich 1,2 Millionen US-Dollar bei. Das ist nicht genug!*

Die Finanzierung von nachweislich effektiven Projekten gegen Sklaverei ist eines der zentralen Ziele des GFEMS. Durch diese sollen Straflosigkeit von Menschenhändlern beendet und Betroffene nachhaltig geschützt und gefördert werden. Großbritannien, die USA sowie ein privater Geber haben je 25 Millionen US-Dollar für den Fond bereitgestellt. Jetzt ist man auf der Suche nach weiteren Gebern, die den globalen Charakter und internationale Repräsentanz des Fonds stärken.

Ein globales Problem erfordert eine globale Lösung

Sklaverei ist ein globales Phänomen, dem sich Staaten gemeinsam entgegensetzen müssen. Erfolg in der Bekämpfung in einer Region kann im schlimmsten Fall bewirken, dass Menschenhändler lediglich den Ort ihres Wirkens verändern. Sklaverei würde damit nicht nachhaltig bekämpft sondern lediglich verschoben werden. Das Internet sorgt ebenfalls für Entgrenzung. Während Opfer von Ausbeutung sich zum Beispiel auf den Philippinen aufhalten, kann der Täter in der Sicherheit seiner vier Wände in Deutschland sitzen. Menschenhandel findet sich zudem regelmäßig im Kontext von Migration und Flucht.

Hier ist globale Koordination erforderlich. Informationen müssen geteilt und Vorgehen gegen Menschenhandel und Sklaverei zwischen Staaten abgesprochen werden. Aktionen müssen über Grenzen hinweg geplant und sichere Rückzugsorte eliminiert werden.

GFEMS möchte Staaten motivieren, eigene umfassende Strategien und Aktionspläne zur Bekämpfung von Sklaverei zu entwickeln und umzusetzen. Dabei können eigene Strategien im Rahmen von GFEMS global koordiniert werden, sodass Staaten von Synergien profitieren und Menschenhändlern geschlossen entgegentreten können.

Unternehmen müssen Teil der Lösung sein

16 Millionen Menschen in Sklaverei werden im privaten Sektor ausgebeutet. Das bedeutet, dass ohne Unternehmen mit globalen Lieferketten Sklaverei nicht nachhaltig beendet werden kann. Bisher haben wenige Unternehmen proaktiv nach Möglichkeiten gesucht, ihre Lieferketten zu überprüfen und sauber zu halten oder wurden von Staaten aktiv in Strategien einbezogen. Als wesentliche Akteure sollten sie aber Teil der Lösung sein.

GFEMS sucht aktiv nach Partnern im privaten Sektor. Darüber hinaus sollen Unternehmen aber auch darin unterstützt werden, ihre Lieferketten besser sauber zu halten, zum Beispiel im Rahmen eines CEO-Austausch-Programms. GFEMS möchte marktbasierte Lösungen schaffen, die Sklaverei im Endeffekt unprofitabel machen.

GFEMS arbeitet an weiteren Aspekten, die für ein Ende von Sklaverei wichtig sind, wie zum Beispiel einer besseren Datenlage. Weitere Informationen zum neuen Fond hier.

IJM Deutschland fordert die Bundesregierung dazu auf, sich finanziell am GFEMS zu beteiligen und in dem Rahmen die globale Diskussion zu sowie die Erarbeitung von Strategien gegen Sklaverei entscheidend mitzuprägen.

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*Der Anteil für Anti-Sklaverei-Projekte am Gesamtvolumen der Entwicklungszusammenarbeit beträgt für Deutschland lediglich 0,01 Prozent. Im internationalen Vergleich von Geberländern (Australien, Österreich, Kanada, Finnland, Frankreich, Deutschland, Japan, Niederlande, Norwegen, Schweden, Großbritannien, USA) gibt Deutschland damit relativ gesehen am wenigsten aus, um Sklaverei zu beenden.

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