Kein fairer Kampf: Deutschland hinkt im Kampf gegen die Sklaverei hinterher

Politische Arbeit
02. 05. 2018, 11:00 Uhr

Die deutsche Bundesregierung hat sich im Rahmen der Vereinten Nationen (VN) dazu verpflichtet, an einem Ende von Sklaverei bis zum Jahr 2030 mitzuwirken. Doch koordiniertes und entschlossenes Angehen des Problems seitens der Bundesregierung fehlt bisher. Ganz anders sieht die Situation in Großbritannien aus. Die dortigen Maßnahmen können ein Beispiel für Deutschland sein, wie Sklaverei effektiv auf Regierungsebene bekämpft werden kann.

Sklaverei bis 2030 abgeschafft?

Im September 2015 wurden in New York die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (VN) verabschiedet. Neben weiteren ambitionierten Vorhaben verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten bis 2030 Sklaverei zu beenden. Die deutsche Bundesregierung hat sich bei der Erarbeitung der Ziele aktiv eingebracht. Ein Ende von Sklaverei bis 2030 ist nicht nur ein Ziel, dass sich die Bundesregierung damit selbst gesetzt hat, sondern wird auch immer stärker von der deutschen Bevölkerung eingefordert. Tausende Bundesbürger haben zum Beispiel die IJM-Petition „Stopp Sklaverei!“ online und offline unterschrieben.

Bisher hinkt Deutschland hier allerdings stark hinterher. Mehrere Staaten haben bereits Initiative gezeigt und das Thema in ihrer Politik zur Priorität gemacht. Sie können als Vorbild dienen und sollten uns herausfordern, als Bundesrepublik ebenfalls Vorreiter im Kampf gegen dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werden.

Modern Slavery Act in Großbritannien

In Großbritannien wird Sklaverei seit wenigen Jahren auf höchster Ebene angegangen. Im Modern Slavery Act wurde 2015 für Unternehmen der Zwang zur Transparenz bezüglich Sklaverei in ihren Lieferketten festgelegt. Unternehmen ab einer bestimmten Größe müssen nun jährlich veröffentlichen, wie sie Sklaverei in ihren Lieferketten vermeiden. Alternativ müssen sie darauf hinweisen, dass sie diesbezüglich nichts unternehmen. Ganz automatisch übt diese Öffentlichkeit so Druck auf die Unternehmen aus, aktiv gegen Sklaverei zu werden.

20 Millionen Pfund für Kampf gegen Sklaverei

Im Rahmen der VN-Generalversammlung im September 2017 sagte Premierministerin Theresa May 20 Millionen Pfund für den Global Fund to End Modern Slavery (GFEMS) zu. Mehrere Millionen für Anti-Sklaverei-Projekte waren da bereits zusätzlich bereitgestellt wurden. Auch die USA haben 25 Millionen US-Dollar für den GFEMS zugesagt.

Insgesamt werden von Staaten bisher weltweit lediglich 125 Millionen US-Dollar für Initiativen eingesetzt, die dieses kriminelle Gewerbe bekämpfen.* Dem stehen 150 Milliarden US-Dollar Profit entgegen, die jährlich mit Menschenhandel erwirtschaftet werden.* Das ist kein fairer Kampf!

Unterschriften für die Petition "Stopp Sklaverei!"

Paradigmenwechsel in Deutschland nötig

In Deutschland wird Sklaverei meist in einzelnen Resorts behandelt, im Entwicklungsministerium oder dem Auswärtigen Amt. Dabei ist Sklaverei ein multisektorales Thema mit vielen Schnittmengen. Bisher werden nur einzelne Aspekte angegangen. Eingesetzte Ressourcen können ihre Wirkung so gar nicht voll entfalten. Insgesamt wurde dem Thema bisher wenig Priorität zugesprochen. Auch ambitionierte Initiativen wie der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte wurden im Verlauf ihres Entstehens so sehr abgeschwächt, das sie letztlich wirkungslos bleiben.

Um Sklaverei etwas Substanzielles entgegensetzen zu können braucht es einen Paradigmenwechsel in Deutschland. Nötig sind eine resortübergreifende Strategie und ein Aktionsplan, der klare Maßnahmen aufzeigt. Diese sollte von einem eigens dafür eingesetzten Beauftragten überwacht und umgesetzt werden.

Walk Free Foundation

*International Labour Organization

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