147 Menschen aus Arbeitssklaverei in Indien befreit

IndienWeltweite Arbeit
27. 03. 2018, 14:00 Uhr

Chennai - Sie wurden täglich zu harter Arbeit in einer Ziegeleifabrik gezwungen, heute sind sie endlich frei: 147 Menschen konnten in Indien während einer viertägigen Befreiungsoperation aus Arbeitssklaverei befreit werden. Das proaktive Handeln der Behörden setzt ein ausdrucksstarkes Zeichen gegen Sklaverei in Indien.

Mitte März erreichten das Büro von International Justice Mission (IJM) in Chennai Hinweise auf Arbeitssklaverei in einer Ziegeleifabrik. IJM leitete den Verdacht an die lokalen Behörden weiter. Die indische Polizei und Regierungsbeamten veranlassten schnell die Ermittlungen und fuhren gemeinsam mit einem Team von IJM zur Fabrik, um Beweise zu sammeln.

Doch die Ermittlungen gestalteten sich schwierig: Obwohl die Betroffenen täglich hart schufteten und unter den brutalen Umständen litten, trauten sich viele nicht, auszusagen. Sie fürchteten sich vor weiterer Gewalt durch den Fabrikbesitzer. Den Beamten kamen Zweifel, ob es sich in diesem Fall tatsächlich um Arbeitssklaverei handelte. Bis ein mutiger Junge die viertägige Befreiung ins Rollen brachte…

Tägliche Knochenarbeit sogar von Kindern und Teenagern

Der erst 13-Jährige durchbrach das Schweigen der anderen Arbeiter und erzählte von der harten körperlichen Arbeit, die er täglich verrichten musste - neun Stunden täglich, kaum eine Pause. Seine Aussage ermutigte weitere Arbeiter, sich den Polizeibeamten und IJM-Mitarbeitern anzuvertrauen.

Mädchen im Teenageralter beschrieben, wie sie zehn schwere Ziegelsteine auf ihrem Kopf transportieren mussten. Eine Mutter berichtete, wie ihr die medizinische Versorgung ihres kranken Kindes verweigert wurde. Andere Zwangsarbeiter bezeugten die verbale und körperliche Gewalt in Form von Schlägen, die sie teils über Jahre hinweg erlebten. Den Kindern der Arbeiter war es nicht erlaubt, in der Fabrik zu spielen, stattdessen mussten auch sie stundenlang arbeiten. Eine Großmutter fasst die rastlose Arbeit und den täglichen Überlebenskampf in der Fabrik zusammen: „In der Ziegelei haben wir nie ausreichend Essen bekommen. Waren wir krank, konnten wir nicht arbeiten und verdienten nichts. Keine Arbeit, kein Essen.“

Befreiung von 147 Menschen

Diese Berichte waren den Beamten schließlich Beweis genug, dass es sich um Arbeitssklaverei handelte. Gemeinsam mit IJM befreiten sie die 147 Menschen, darunter 36 Kinder, aus der Fabrik und brachten sie in Sicherheit. Die Frauen, Männer und Kinder erhielten endlich eine warme Mahlzeit und medizinische Erstversorgung.

Die Regierungsbeamten stellten den Befreiten sofort sogenannte Freilassungsurkunden aus. Dieses Dokument für aus Sklaverei befreite Menschen erklärt alle Schulden und andere Abhängigkeitsverhältnisse der Familien gegenüber dem Besitzer für ungültig. Außerdem garantiert es den Betroffenen eine staatliche Hilfe, um ein neues Leben in Freiheit aufbauen zu können.

Unermüdliche Arbeit der Behörden

Währenddessen leitete eine Spezialeinheit der Polizei die Fahndung nach dem geflüchteten Fabrikbesitzer und seinen Helfern ein. Die proaktive Fallarbeit der Polizei zeigte schließlich Erfolg: Am darauffolgenden Tag fanden die Beamten die Täter in einem anderen Bundesstaat und nahmen sie in Untersuchungshaft.

Hilfe für den Aufbau eines Lebens in Freiheit

In einer Rede vor den Betroffenen sicherte eine hochrangige Regierungsbeamtin den Befreiten ihre volle Unterstützung zu. Sie versprach, für den Rehabilitationsprozess mit den jeweiligen Regierungen der Heimatregionen der 147 Betroffenen zusammenzuarbeiten. Damit die Familien sicher Zuhause ankamen, begleiteten Regierungsbeamte sie auf der Zugreise zurück in die Heimat. Über eine neu eingerichtete Hotline können sich die Betroffenen außerdem kostenfrei melden, wenn ihnen erneute Gewalt oder Schwierigkeiten drohen.

IJM wird die Betroffenen nach ihrer Rückkehr in einem zweijährigen Nachsorgeprogramm begleiten um sicherzustellen, dass die Familien sich ein neues und selbstbestimmtes Leben in Freiheit aufbauen können und in der Lage sind, das Erlebte zu verarbeiten.

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