Sklaverei: 71 Prozent der Opfer sind Mädchen und Frauen

Weltweite Arbeit
07. 03. 2018, 14:00 Uhr

Warum trifft Sklaverei am stärksten Mädchen und Frauen? Von insgesamt 40, 3 Millionen Menschen in Sklaverei sind 71 Prozent der Betroffenen weiblich. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März 2018 richten wir den Fokus auf Mädchen und Frauen in Sklaverei – wie Megala aus Indien. Befreit aus Zwangsprostitution ist sie heute eine mutige, selbstbewusste Frau, deren Potential sich voll entfaltet.

Aktuelle Schätzungen zu Sklaverei heute offenbaren: Die meisten Opfer der Sklaverei sind weiblich. Frauen und Mädchen machen erschreckende 71 Prozent der 40,3 Millionen Menschen in Sklaverei aus. So sind 59 Prozent der Opfer von Zwangsarbeit, 99 Prozent (!) der Opfer von sexueller Ausbeutung und 84 Prozent der Opfer von Zwangsheirat weiblich. Nie war es dringender, am Weltfrauentag auf diese schreckliche Realität hinzuweisen.

Warum sind Frauen und Mädchen so massiv von Sklaverei betroffen?

„Die meisten Opfer von Sklaverei gehören zu den ärmsten Menschen der Welt. Armut macht Menschen generell verletzlich, doch für viele Frauen in Armut ist die Situation besonders schwierig“, sagt Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland e.V. „Sie werden häufig von ihren Männern verlassen und sind dann auf sich allein gestellt. Um für ihre Kinder zu sorgen, gehen sie mitunter größere Risiken ein, um das Überleben ihrer Kinder zu sichern. Zudem werden Frauen leider in vielen Kulturen immer noch als nicht vollwertig angesehen und sind dadurch verletzlicher.

Frauen = Ware?

Die traurige Realität ist, dass Frauen häufiger per se als Ware gesehen werden. Sie heiraten nicht, sie werden verheiratet. „Frauen werden als Eigentum betrachtet und der Schritt hin zu Ausbeutung und Sklaverei ist dann kleiner“, sagt Roller weiter. Wichtig ist es deshalb, Mädchen und Frauen zu stärken. Unabhängig davon, wie das Umfeld oder die Kultur den Wert der Frau bestimmt, gibt es Gesetze, die die Rechte der Frauen sichern. In jedem Land dieser Welt ist Sklaverei verboten. Diese Gesetze müssen umgesetzt werden und Frauen und Mädchen spürbar Schutz und Sicherheit garantieren.

Frauenrechte stärken

International Justice Mission setzt sich weltweit für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Ermittler von IJM geben nicht auf bis sie Menschen in Sklaverei gefunden und befreit haben. Anwälte unterstützen Betroffene im Prozess gegen ihre Peiniger und stellen sicher, dass die Täter vor Gericht kommen. Sozialarbeiter begleiten Frauen und Mädchen nach ihrer Befreiung, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dazu gehört auch die Rechtsaufklärung.

Megala: Vom Stiefvater für Sex versteigert

Die heute 22-jährige Megala wuchs im ländlichen Bangladesch auf. Nach dem Tod ihres Vaters entschloss sich ihre Mutter, mit ihr und ihrer älteren Schwester nach Mumbai umzuziehen, um dort Arbeit zu finden. Sie lernte schnell einen neuen Mann kennen und heiratete wieder. Megalas Stiefvater war gewalttätig, oft schlug er ihre Mutter und die beiden Mädchen. Als Megala zehn Jahre alt war, wollte ihr Stiefvater sie versteigern. Wer am meisten für ihre Jungfräulichkeit zahlen würde, dürfte Megala haben. In letzter Minute konnten Ermittler von IJM gemeinsam mit der Polizei eingreifen und das Mädchen retten.

In Freiheit und Sicherheit Träume leben

Megala wuchs in einer Nachsorgeeinrichtung für junge Mädchen auf. Sozialarbeiter von IJM begleiteten sie in den kommenden Jahren. Langsam blühte Megala auf. Sie war wissbegierig und lernte schnell. Nach dem Schulabschluss begann die nun junge Frau ein Studium. Im letzten Jahr schloss Megala ihr Bachelor-Studium erfolgreich ab. Damit ist sie erste Absolventin des IJM-Nachsorgeprogramms in Mumbai, die einen Hochschulabschluss erreicht hat. Für Megala geht der Weg weiter. Sie hat ein Master Studium im Bereich Soziale Arbeit begonnen. Sie möchte später anderen betroffenen Mädchen helfen, die Traumata ihrer Kindheit hinter sich zu lassen und ihre Träume zu verwirklichen.

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