Sexuelle Gewalt an Kindern nicht verharmlosen

IJM DeutschlandPolitische Arbeit
02. 07. 2020, 14:00 Uhr

Die Missbrauchsfälle in NRW und insbesondere die Ermittlungen von Bergisch Gladbach entfachen eine wichtige Debatte über sexuelle Gewalt an Kindern und wie diese von der Politik, der Justiz, aber auch Öffentlichkeit sorgfältiger wahrgenommen und bekämpft werden kann. In dieser Debatte fällt auf, dass manche Begriffe den Respekt vor Kindern und ihren Schutz untergraben und sexualisierte Gewalt gegen Kinder verharmlosen. Wir brauchen hier eine besondere Sensibilität, weil sie auch unser Denken und Diskutieren prägt.

Problematische Sprache verharmlost Gewalt an Kindern

Der Begriff „Kinderpornografie“ ist abseits von Gesetzestexten problematisch. Sexualisiertes Material oder andere Darstellungen von Kindern sind eine Form des sexuellen Missbrauchs von Kindern sind und sollten nicht als Pornografie beschrieben werden. Pornografie ist ein Begriff, der in erster Linie für Erwachsene bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen verwendet wird und nicht für Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern gebraucht werden sollte. (Quelle: Luxemburgischer Leitfaden)

So schrieb die Bild bei den aktuell entdeckten Spuren im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach gehe es „nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.“ Hier wird Kinderpornografie verharmlost, indem sie von (schwerem) Kindesmissbrauch unterschieden wird. Leider ist dies keine Seltenheit, wie wir als IJM in unserer Aufklärungsarbeit oft feststellen müssen.

Sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern ist eine neue, verheerende Form der Sklaverei.

Leitfaden für angemessene Sprache

Tatsächlich liegt jedem kinderpornografischen Material (teils schwerer) Kindesmissbrauch zugrunde. Die zunehmende sexuelle Ausbeutung von Kindern über Live-Chats, bei der User den Missbrauch von einem oder mehreren Kindern dirigieren und der später als Video einem breiten Publikum online gezeigt und verkauft wird, macht dies beispielhaft deutlich.

Angemessene Begrifflichkeiten, die Kinder als besonders schützenswerte Subjekte respektieren und sexualisierte Gewalttaten nicht verharmlosen, diskutierte eine interinstitutionelle Arbeitsgruppe auf Initiative des Dachverbandes ECPAT. 2018 veröffentlichte die Arbeitsgruppe den Luxemburgischen Leitfaden, der deutliche Empfehlungen gibt, welche Begriffe vermieden werden sollten und welche angemessen sind.

Änderung im Strafgesetzbuch möglich

Der Begriff „Kinderpornografie“ soll laut den Luxemburgischen Leitfaden in nicht-juristischen Zusammenhängen nicht mehr verwendet werden, sondern vielmehr durch die Formulierung „Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern/sexueller Ausbeutung von Kindern“ ersetzt werden.

Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht spricht sich jetzt für eine Änderung im Strafgesetzbuch aus und will, dass dort „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder“ als Begriff etabliert wird. Ein wichtiges, positives Signal für die gesamte Debatte und dass die Politik den Kinderschutz in Deutschland voranbringt.

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