(Un)faire Weihnachten – ZDF heute-show parodiert Weihnachtskonsum

IJM DeutschlandMeinung
12. 12. 2017, 12:00 Uhr

In der Sendung vom 8. Dezember fragt die ZDF heute-show, woher all die Sachen kommen, die wir an Weihnachten kaufen. Schokolade durch Kinderarbeit und Kleidung, für die Arbeiter ausgebeutet werden. Sklaverei als Thema einer Satiresendung – passt das zusammen?

Satire lebt davon, dass ein Thema überzogen dargestellt wird. Wenn ich mir jedoch anschaue, wie Menschen heute versklavt werden, ist die Realität viel schlimmer als jede Satire. Menschen werden als Ware verkauft. Sklaverei heute ist wie ein Chamäleon. Sie ist zwar illegal, lebt aber im Verborgenen weiter und passt sich ständig an neue Gegebenheiten an. Menschen werden bis zum Letzen ausgebeutet. Sind sie körperlich und psychisch am Ende, werden sie wie Dreck liegen gelassen. Diese Realität ist erschreckend. Mehr als 40 Millionen Menschen sind heute Eigentum eines anderen. Erschreckend ist auch, dass wir in Deutschland darin verwickelt sind, ob wir wollen oder nicht.

Geiz-ist-geil-Mentalität produziert Sklaverei

Die ZDF heute-show macht genau das zum Thema. „Versaut“ sie uns damit Weihnachten, wie es im Clip so schön heißt? Wir wollen niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Unrecht hat die Satire-Sendung trotzdem nicht. Wir als Konsumenten sind heute nicht bereit, noch faire Preise zu zahlen. Um ein paar Cent weniger auszugeben, zwingen wir Produzenten dazu, auch noch das Letzte buchstäblich „herauszuquetschen“ aus ihren Produktionskosten. Die Geiz-ist-geil- Mentalität produziert Sklaverei.

Weihnachten ist das Fest der Freude. Warum nicht auch das Fest der Freude für alle Menschen? Ein Fest, an dem wir Solidarität zeigen. Auch mit unseren Einkäufen. Daher: fair einkaufen und sich fragen: was kaufe ich da eigentlich? Wer muss dafür bezahlen, dass ich so billig einkaufen kann? Damit würden wir einen großen Schritt in die richtige Richtung machen.

Zu wenige Fürsprecher in der Politik

Wenn wir in Deutschland wirklich etwas verändern wollen, müssen wir neben den Konsumenten auch die Wirtschaft und die Politik mit ins Boot holen. In der deutschen Wirtschaft gibt es einige wirklich positive Beispiele. Die Konzerne Adidas und C&A wurden kürzlich mit dem Stop-Slavery-Preis ausgezeichnet. Sie haben enorme Schritte unternommen, um Sklaverei in ihren Produktionsketten zu bekämpfen. Die deutsche Politik ist da weit hintenan. Auch im Vergleich mit Großbritannien oder den Skandinavischen Ländern, die ihre Verantwortung als westliche Industrienationen in dieser Hinsicht erkannt haben. Die Bekämpfung von Sklaverei hat bei unserer Regierung leider zu wenige Fürsprecher.

Die Macht der Öffentlichkeit

Für uns als International Justice Mission gilt es daher, das zu ändern. Wir wollen unsere Regierung dazu bewegen, engagierter gegen Sklaverei vorzugehen. Dafür brauchen wir die Macht der Öffentlichkeit. Je mehr der Skandal der Sklaverei in der Öffentlichkeit zum Thema wird, umso besser findet unser Anliegen bei Politkern Gehör. Die ZDF heute-show macht alles richtig, wenn sie uns Weihnachten „versaut“ und unser Konsumverhalten hinterfragt. Manchmal kann Satire gar nicht laut genug sein. Im Fall von Sklaverei brauchen wir jede Unterstützung. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Sklaverei irgendwann Geschichte ist.

Den Beitrag der ZDF heute-show finden Sie hier.

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