Sexuelle Gewalt an Kindern: Wir alle müssen hinsehen

IJM DeutschlandMeinung
22. 06. 2020, 14:00 Uhr

Nach den schlimmen Fällen von sexuellem Missbrauch in Münster diskutiert jetzt die Politik über eine Strafverschärfung. Dietmar Roller erklärt, warum härtere Strafen allein nicht ausreichen und es auch ein Justizsystem braucht, das sowohl fachlich als auch im Zugriff deutlich präsenter und klarer reagiert.

Sexueller Missbrauch von Kindern findet fast immer in einem familiären oder nachbarschaftlichen Umfeld statt, das von uns allen mehr Aufmerksamkeit verlangt. Wir alle haben die Aufgabe, unsere Kinder zu schützen, sie zu stärken und ihnen genug Selbstbewusstsein und Vertrauen zu schenken, damit sie „Nein“ sagen können und den Mut finden, über schlimme Erfahrungen zu reden.

Bestehende Gremien stärken

Auch Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) macht das deutlich: „Wir sind dazu verpflichtet alle Kräfte zu bündeln und jede Möglichkeit auszuloten, die es gibt, um unsere Kinder besser zu schützen.“ Neben der Justiz sind besonders die Länder und Gemeinden herausgefordert, mehr für Kinderschutz zu tun als bisher.

ECPAT Deutschland e.V., die Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, der auch IJM angehört, macht auf bereits bestehende Gremien aufmerksam, die stärker genutzt werden sollten. Seit 2019 gibt es zum Beispiel den Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, der als Dialog zwischen Bund, Ländern und Kommunen gegründet wurde. Dort können alle wichtigen Akteurinnen und Akteure zusammenkommen, um Kinderschutz in Deutschland aktiv zu gestalten.

Verbrechen anstatt Vergehen

Die Debatte um den Fall in Münster zeigt deutlich, wo unsere Justiz Nachholbedarf hat und jetzt Änderungen diskutiert werden. Sowohl Kindesmissbrauch als auch Missbrauchsdarstellungen von Kindern sollen vor Gericht als Verbrechen eingestuft werden, auch wenn keine körperliche Gewalt ausgeübt wird. Bisher wurden die Verbreitung, der Erwerb oder der Besitz von „kinderpornografischen Schriften“ als Vergehen mit minderer Strafe behandelt. Das soll sich jetzt ändern. Damit wird ein neuer Ansatz verfolgt, den Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als Antrag in der nächsten Bundesratssitzung einreichen will.

Auf einer Razzia gegen sexuelle Online-Ausbeutung wird ein betroffenes Kind von einer Sozialarbeiterin vom Tatort getragen.

Justiz muss auf neue Formen von sexueller Ausbeutung reagieren

IJM bekämpft auf den Philippinen eine neue Form der sexuellen Ausbeutung von Kindern, deren Täterinnen und Täter auch in Deutschland sitzen. Sexuelle Online-Ausbeutung wird von „Kunden“ in Ländern wie Australien, den USA und Deutschland bezahlt. Pädokriminelle überweisen Geld an Kinderhändlerinnen und Kinderhändler auf den Philippinen. Diese missbrauchen die Kinder vor einer Webcam oder zwingen sie zu sexuellen Handlungen untereinander und folgen dabei den Wünschen der Käufer im Ausland. Auf den Philippinen arbeitet IJM bereits erfolgreich mit den Behörden an der Befreiung von betroffenen Kindern und der Festnahme der Täterinnen und Täter. Umso wichtiger ist es, dass Pädokriminielle, die von Deutschland aus sexuelle Gewalt an Kindern auf den Philippinen veranlassen, hier wirksam strafrechtlich verfolgt und verurteilt werden.

Kinderschutz darf nicht bei deutschen Kindern aufhören. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von IJM erleben auf den Philippinen täglich das Leid der betroffenen Kinder. Wenn Menschen aus unserem Land ihre Macht und ihr Geld missbrauchen, um Kindern Gewalt anzutun, dürfen wir nicht schweigen.

Gib uns jetzt deine Stimme, damit wir zusammen weiter für Kinderschutz in Deutschland einstehen können!

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