Kindesmissbrauch wie in Münster darf nicht passieren!

IJM DeutschlandMeinungPolitische Arbeit
10. 06. 2020, 16:00 Uhr

Der aktuelle Fall von Kindesmissbrauch in Münster schockiert. Doch für dringend notwendige Veränderungen braucht es mehr als unsere Fassungslosigkeit. Kinder müssen in Deutschland und weltweit besser vor Missbrauch und Ausbeutung geschützt werden. Dafür können und sollten wir jetzt als Gesellschaft einstehen, sagt IJM Vorstandsvorsitzender Dietmar Roller und erklärt, wie.

Der aktuelle Fall von Kindesmissbrauch in Münster schockiert. Selbst erfahrene Ermittler kommen beim Sichten des grausamen Bildmaterials an ihre Grenzen. Um wie viele Opfer und Täter es sich letztlich handeln wird, ist noch unklar. Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster, der mit einer hochprofessionellen technischen Ausstattung Bilder und Videos im Darknet angeboten hat.

Die Datenmassen lassen erahnen, dass wir zurzeit nur die Spitze des Eisbergs sehen und dass der Fall in Münster nur ein weiterer Fall in einer längeren Kette ist. Denn der sexuelle Missbrauch und die Ausbeutung von Kindern in Deutschland und weltweit, auch über das Internet, ist ein stark zunehmendes Verbrechen. Gerade jetzt in der Coronakrise und den damit verbundenen Einschränkungen kommt es laut Europol zu der vermehrten Nachfrage nach sexualisierten Darstellungen von Kindern im Web. Ob es sich in den Fällen um direkte Vergewaltigungen oder indirekte (Täter ist physisch nicht in einem Raum mit dem Opfer) handelt, beides tut Kindern furchtbare Gewalt an. Es ist besorgniserregend, dass Täter in Deutschland bisher kaum mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie online und live nicht nur zusehen, sondern Anweisungen geben, wie Kinder hierzulande und weltweit missbraucht werden.

Verurteilung eines Täters, der auf den Philippinen Kinder sexuell ausgebeutet hat.

„Man kann nicht stolz sein auf ein Land, das so etwas zulässt“, sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer der Bild. In der Tat werden jetzt die richtigen Fragen von Behörden, Politik und Gesellschaft gestellt: Warum werden Fälle von sexuellen Darstellungen von Kindern, insbesondere im Darknet, mit zu wenig Personal und Ressourcen ermittelt, sodass die Dunkelziffer enorm ist und Täter sich in Straffreiheit wähnen? Warum fallen Urteile in Fällen, bei denen schwerste Missbrauchsdarstellungen geschäftsmäßig verkauft werden, milder aus als bei einem Ladendiebstahl? Welches Strafmaß ist angemessen?

Jetzt muss sich etwas ändern. Politik und Behörden wissen schon lange, dass hier dringend mehr Handlungsbedarf ist. Der Fall in Münster soll uns nicht nur (wieder) aufrütteln, sondern konkrete Veränderungen anstoßen: Kinder müssen in Deutschland und weltweit wirksamer geschützt werden! Es braucht von uns als Gesellschaft eine lautere Stimme, um von der Politik ein klarere Gesetzeslage und eine Null-Toleranz Politik zu fordern, wenn es um die sexuelle Ausbeutung von Kindern geht.

Ich persönlich und insbesondere in meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland habe trotz aller Fassungslosigkeit Hoffnung, dass diese Veränderung möglich ist. IJM kämpft seit Jahren weltweit gegen Kindesmissbrauch und die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Wir bringen Strafverfolgungs- und Polizeibehörden in globalen Netzwerken zu einer verbesserten Kommunikation und Koordination zusammen. Zusammen mit konsequenten Ermittlungen von Fällen auch im Internet und der Strafverfolgung von Tätern können so in Ländern wie den Philippinen, die weltweit als Hotspot für die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet gelten, messbare Veränderungen angestoßen werden.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die große Kraft unserer Gesellschaft, für genau solche Veränderungen einzustehen. Das fängt an mit Wachsamkeit, wie auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) der dpa sagte: „Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft noch wachsamer sind, um frühzeitig Missbrauch erkennen und wirksam dagegen vorgehen zu können.» Die Nachbarn rund um den Tatort in Münster sind schockiert, weil sie nichts mitbekommen haben und sich ein solches Verbrechen direkt nebenan nicht vorstellen konnten. Doch Kindesmissbrauch passiert auch in unserem Umfeld, dafür braucht es Bewusstsein und Aufklärung.

Zudem wird IJM Deutschland in den nächsten Wochen auf der Grundlage eines juristischen Gutachtens konkrete Forderung an Politik und Polizei stellen, die sich für eine entschiedenere Strafverfolgung sowie ein erhöhtes Strafmaß von Sexualstraftätern in Deutschland einsetzt.

Um diese Forderungen schon im Vorfeld zu unterstreichen, brauchen wir deine Stimme. Lass uns jetzt nicht schweigen!

Schon jetzt suchen wir das Gespräch mit der Politik und den verantwortlichen Behörden. Deine Stimme nehmen wir dahin mit. Zusammen sind wir eine starke Stimme für die Kinder in diesem Land!

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