Trotz Corona: erfolgreiche Strafverfolgung von sexueller Online-Ausbeutung

PhilippinenWeltweite Arbeit
20. 04. 2020, 16:00 Uhr

Zwei Verhaftungen auf den Philippinen und eine Verurteilung in Australien - alles wichtige Erfolge im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet. Sie setzen ein Zeichen inmitten der Corona-Krise, in der Experten einen Anstieg an Fällen beobachten: Die Ausbeutung von Kindern bleibt nicht ungestraft!

Verurteilung eines Täters in Australien

In Australien wurde am 30. März ein 52-Jähriger für den sexuellen Missbrauch von Kindern sowie die Erstellung und den Besitz von kinderpornografischem Material zu 18 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Verhaftung im Juni 2017 konnten 16 Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren auf den Philippinen befreit werden.

Der Leiter der zuständigen philippinischen Polizei-Behörde, Alessandro Abella, stellt klar: „Trotz der derzeitigen, durch COVID-19 verursachten Sperrmaßnahmen setzen unsere Polizeibeamten ihre tapferen Bemühungen bei der Aufklärung von Fällen der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Internet im Land fort. Die aktuelle Situation wird uns nicht daran hindern, unserer Pflicht nachzukommen, verletzliche Frauen und Kinder zu schützen. Das philippinische Zentrum für Internetverbrechen gegen Kinder (PICACC) ist immer noch in Betrieb, um die Ausbreitung von Cybersex-Ausbeutung zu stoppen.“

Bei der Verhaftung einer Täterin in den Philippinen konnten vier Minderjährige und eine erwachsene Betroffene befreit werden.

Verhaftung in Cebu, Philippinen

Im März konnte außerdem eine 29-jährige Frau auf den Philippinen verhaftet werden, die im Verdacht steht, Kindesmissbrauchs-Darstellungen online verkauft zu haben. Drei minderjährige Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren, eine erwachsene Betroffene sowie der fünfjährige Sohn der Täterin wurden befreit und in Sicherheit gebracht. Die Betroffenen waren alle mit der Täterin verwandt.

Die entscheidenden Hinweise kamen vom Naval Criminal Investigative Service (NCIS) aus den USA. Sie verfolgten die Spur eines Amerikaners, der Geld auf die Philippinen überwiesen hat, im Austausch für explizite Fotos. „Die erfolgreiche Befreiung dieser Kinder war möglich, weil die philippinische Polizei und der NCIS - die Kräfte zweier Regierungen der Angebots- und Nachfrageseite - zusammengearbeitet haben, um unsere philippinischen Kinder zu schützen und den Kreis der Ausbeutung zu durchbrechen.“, erklärt Lucille Dejito, juristische Leiterin von IJM Cebu.

Die internationale Zusammenarbeit der Behörden ist entscheidend für Verhaftungen auf der Angebot- und Nachfrageseite.

Täterpaar in Lapu-Lapu verhaftet

Am 6. April konnte ein weiteres Täterpaar auf den Philippinen verhaftet werden. Die beiden mutmaßlichen Täter/innen sollen Kinder sexuell ausgebeutet und den Missbrauch online gegen Geld angeboten haben. Die minderjährige Cousine der Täterin wurde als Betroffene befreit. Auch die drei Kinder des Paares wurden in Sicherheit gebracht.

Der entscheidende Hinweis für die Verhaftung kam erneut aus den USA, wo zuvor das FBI einen US-Amerikaner verhaftet hatte. Der Pädokriminelle hatte dem Paar Geld gezahlt, um den Missbrauch des Mädchens live online dirigieren zu können. Er steht jetzt in den USA vor Gericht.

Die leitenden Ermittler auf den Philippinen betonen erneut: „Wir werden nicht zulassen, dass skrupellose Personen die Kinder ausnutzen, die wegen Covid-19 mit ihnen in ihren Häusern festsitzen. Wir werden weiterhin Täter und Menschenhändler ins Gefängnis schicken.“

Die Philippinen gelten als Zentrum des Geschehens für sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern. Viele Kinder werden von Verwandten zu Hause genötigt, vor einer Kamera sexuelle Handlungen zu vollziehen. Die Täterinnen und Täter können durch die Ausbeutung der Kinder bis zu 100 US-Dollar pro Livestream verdienen. Da die Menschen zu Hause eingeschlossen sind, erhöht das ihre Möglichkeiten und verleitet Kriminelle, die Gelegenheit auszunutzen, warnt Evelyn Pingul von IJM Philippinen. Thomson Reuters berichtet, dass die Meldungen von Missbrauch in der Region zugenommen haben, seit die Schulen geschlossen wurden.

Auch Experten von UNICEF und EUROPOL warnen, dass Kinder in der Corona-Krise stärker gefährdet sind, Opfer von sexueller Online-Ausbeutung zu werden. Dietmar Roller erklärt, wieso dieses Verbrechen jetzt zunimmt.

In Anbetracht der aktuell schwierigen Situation freuen wir uns umso mehr über die Erfolge, die IJM in Zusammenarbeit mit den Behörden verzeichnen kann.

Spenden