Eine mutige Frau im Kampf für die Freiheit anderer

03. 03. 2020, 17:00 Uhr

Chennai, Indien - Varalakshmi weiß, was es bedeutet, versklavt zu sein. Den Schmerz und die Scham hat sie nicht vergessen. Deshalb kämpft sie heute dafür, dass andere das nicht erleben müssen.

Gefangen in Schuldknechtschaft

Geschichten wie die von Varalakshmi und ihrer Familie gibt es leider viel zu häufig in Indien. Sie hatten sich Geld geliehen und, um die Schulden abzubezahlen, fingen alle drei, Varalakshmi, ihr Mann und ihre Tochter, an, in der Reismühle ihres Gläubigers zu arbeiten. Doch der Besitzer sorgte dafür, dass ihre Schulden stetig wuchsen, damit sie in Schuldknechtschaft gefangen blieben. Sieben Jahre lang beutete er sie brutal aus. Gewalt, Furcht und Isolation prägten ihr Leben. 2004 konnte IJM in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sie zusammen mit weiteren Familien befreien.

Varalakshmi betreibt heute eine Schneiderei und freut sich, dass sie den Menschen wieder etwas zurückgeben kann.

Der Weg in ein mutiges, selbstbestimmtes Leben

Nach der Rückkehr in ihr Dorf, brauchte sie erst Zeit, um sich von den Schrecken eines Lebens in Sklaverei zu erholen. In ihrem Fall wurden schließlich zwei Täter verurteilt. Das Leben von Varalakshmi hat sich seither stark verändert. Heute ist sie Unternehmerin und betreibt eine erfolgreiche Schneiderei. Jetzt kann sie anderen zurückgeben, was sie sich lange wünschte.

Varalakshmi setzt sich seit einigen Jahren als Botschafterin und Leiterin einer lokalen Gruppe von ehemaligen Betroffenen von Arbeitsausbeutung (RBLA) für andere Betroffene ein. Sie konnte den Behörden bereits einige Male helfen, Fälle von Arbeitsausbeutung aufzudecken und Menschen aus Gefangenschaft zu befreien.

"Ich will nicht, dass irgendjemand so leiden muss wie ich und meine Familie."

Varalakshmi hat sich um ein politisches Amt beworben, um sich noch effektiver für ihre Leute einzusetzen.

Aus der Arbeitssklaverei in die Lokalpolitik

Im Dezember 2019 ging sie noch einen Schritt weiter: Varalakshmi nahm bei den lokalen Wahlen teil, um ihr Dorf als Abgeordnete zu repräsentieren. Sie ist die erste Frau aus ihrer Volksgruppe, dem Stamm der Irula, die je für ein solches Amt kandidierte. „Ich will meine Gemeinschaft und die Armen in meinem Dorf stärken. Als Ratsmitglied kann ich mich noch effektiver für meine Leute einsetzten und ihnen helfen“, sagte sie vor den Wahlen.

Auch wenn ihr einige Stimmen für die Wahl fehlten, lässt sie sich nicht entmutigen. Sie hat sich geschworen, zuversichtlich zu bleiben und mutig weiterzukämpfen. „Ich bin immer noch eine Leiterin, die meinem Volk dient. Ich habe mich für die Wahl aufstellen lassen, um zu zeigen, dass auch eine Irula Frau, die als Arbeitssklavin ausgebeutet wurde, kompetent genug ist für ein solches Amt.“

Varalakshmi kann sich in Freiheit ganz neu entfalten und sprudelt über vor Freude. „Heute bin ich glücklich und lebe in Frieden. Ich esse und ich lebe. Ich kann tun, was ich will, wann ich will und wie ich will. Ich bin so glücklich und erleichtert. Ich kann endlich meinen Traum leben.“

Auch The Times of India, Indiens größte englischsprachige Tageszeitung, berichtete.

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