Meine Reise nach Kambodscha: Erfolge mit eigenen Augen sehen

Botschafter*inEngagiert gegen SklavereiKambodschaWeltweite Arbeit
21. 10. 2019, 12:00 Uhr

Im September 2019 besuchte IJM Botschafter Bent Stohlmann für sieben Tage das IJM Büro in Kambodscha. Dort konnte er sich ein Bild davon machen, wie IJM transnationalen Menschenhandel bekämpft. Er berichtet, warum die Leidenschaft, Professionalität und die Erfolge der IJM Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kambodscha ihn mitreißen, sich in Deutschland gegen Sklaverei einzusetzen.

Schon seit Jahren liegt mir die Arbeit von IJM sehr am Herzen und ich engagiere mich deshalb voller Freude ehrenamtlich. Als mir die Möglichkeit eröffnet wurde, die Arbeit von IJM in Kambodscha kennenlernen zu dürfen, war meine Entscheidung schnell klar. Ich wollte mir nicht die Möglichkeit entgehen lassen, mir selbst ein Bild von den Verhältnissen vor Ort zu machen und die Menschen kennenzulernen, die tagtäglich an vorderster Front gegen Menschenhandel kämpfen.

Zu Gast bei den lokalen Behörden in Kambodscha.
Bent Stohlmann (rechts) tauscht sich mit Sek Saroeun, dem Leiter von IJM Kambodscha, aus.

Voller Überzeugung im Kampf gegen Sklaverei

Auf meiner Reise erhielt ich Einblick in alle Bereiche von IJMs Arbeit in Kambodscha und in die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern. Ich lernte das kambodschanische Team und seine Professionalität kennen. Jeder Einzelne vermittelte den Eindruck, voller Überzeugung seinen Beitrag im Kampf gegen Sklaverei zu leisten. Beeindruckend war auch zu sehen, wie eng das Verhältnis zu Partnerorganisationen und Behörden ist. IJM greift vor Ort auf nachhaltig aufgebaute Strukturen zurück und befindet sich in einem ständigen Dialog mit seinen Partnern. So gelingt es dem Team, seinen Einfluss zu maximieren.

Besonders prägend war für mich das Privileg, einen Menschen zu treffen, der in Sklaverei ausgebeutet wurde und durch die Arbeit von IJM freikam. In Kambodscha liegt der Fokus auf der Bekämpfung von Zwangsarbeit und Menschenhandel, besonders in der Fischereiindustrie in Thailand. Dort war auch der junge Mann, der mir seine Geschichte erzählte, ausgebeutet worden.

Er lebte in einem kleinen Dorf in sehr einfachen Verhältnissen. Meistens reichte es kaum zum Überleben. Als eines Tages ein Mann in sein Dorf kam und ihm einen Job in Thailand anbot, sagte er bereitwillig zu, obwohl sein Vater ihn davor warnte.

In Thailand angekommen erklärte der Mann ihm, dass er ihm jetzt für die Reise viel Geld schulde. Er sollte sie auf einem Fischkutter abarbeiten. In den nächsten vier Jahren konnte der junge Mann nur ein einziges Mal an Land gehen. Den Rest verbrachte er auf See, arbeitete bis zu 22 Stunden am Tag. Einen Lohn dafür sah er nie. Stattdessen wurde er misshandelt und geschlagen.

Eines Tages sah er Land am Horizont. In seiner Verzweiflung sprang er über Bord und erreichte so die Küste von Malaysia. Dort wurde er von Behörden aufgegriffen, denn er galt als illegaler Migrant. Nach über einem halben Jahr in Haft gelang es schließlich IJM und den kambodschanischen Behörden, die Freilassung und Rückkehr des jungen Mannes zu erwirken.

Sein Vater nahm extra die aufwändige Reise nach Phnom Penh auf sich, um ihn am Flughafen in Empfang zu nehmen und nach nun mehr fünf Jahren wieder in die Arme schließen zu können.

Bent Stohlmann (hinten mittig) trifft einen jungen Mann, der aus Zwangsarbeit befreit wurde.

“Erzählt in eurer Heimat von dem, was hier passiert!”

Auf meiner Reise wurde mir die Stärke des Arbeitsansatzes von IJM besonders deutlich. IJM verhilft Menschen nicht nur ganz konkret zu Freiheit und Würde. IJM bekämpft Sklaverei und Menschenhandel auch hochgradig effizient und nachhaltig durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern und Behörden.

Und so nehme ich jede Menge unvergesslicher Erfahrungen und Inspiration mit nach Hause. Einige der Mitarbeiter in Kambodscha sagten mir zum Abschied, dass es ihnen jeden Tag Kraft gebe, zu wissen, dass sie nicht allein sind. Denn sie wissen, dass auf der ganzen Welt Menschen im Kampf gegen Sklaverei an ihrer Seite stehen.

Am Ende des Gesprächs mit dem jungen Mann, der in der Fischerei in Thailand ausgebeutet wurde, fragte ihn ein Mitarbeiter: „Gibt es etwas, das du unseren Gästen sagen möchtest?“ Und er antwortete: „Ich möchte, dass meine Geschichte gehört wird. Deswegen habe ich sie euch heute erzählt. Bitte erzählt in eurer Heimat von dem, was hier passiert.“

Diesen Auftrag will ich ernst nehmen. Nach den Eindrücken aus Kambodscha bin ich überzeugter denn je. Überzeugter, dass es jeden von uns braucht. Und überzeugter, dass wir es schaffen können. Wir können gemeinsam Sklaverei beenden.

Unterstütze jetzt unsere Arbeit in Kambodscha, um noch mehr Menschen aus Zwangsarbeit zu befreien!

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