Slide background

Bolivien: Fünfjähriges Mädchen überlebt brutalen Missbrauch

Bolivien - Das Bild verfolgt Luis noch immer: Seine fünfjährige Tochter Yulisa* sitzt im Polizeirevier. Gelähmt vor Angst starrt sie auf eine Reihe von Männern. Langsam hebt das kleine Mädchen den Arm. Sie zeigt auf den Mann, der sie sexuell missbraucht, geschlagen und zum Sterben zurückgelassen hat.

Yulisas erstes Wunder

Der Vater erinnert sich an den Morgen, als Yulisa verschwunden ist: Verzweifelt suchte die Familie nach dem Mädchen. Ein Nachbar findet sie schließlich schwer verletzt in einem leeren tiefen Brunnen. "Es war ein Gefühl völliger Hoffnungslosigkeit und zugleich riesiger Wut," sagt Luis.
Yulisa erzählte von dem furchtbaren Missbrauch durch ihren Onkel. Die Polizei verhaftete ihn. Doch Luis wusste, dass es ein harter Kampf um Gerechtigkeit werden würde: Seine Familie ist arm und einen Anwalt können sie sich nicht leisten. Außerdem würde es mindestens ein Jahr dauern bis sie überhaupt einen Termin beim Gericht bekommen. Selbst wenn sie darauf warten würden, würde der Richter sehr wahrscheinlich den Täter nicht bestrafen. Eher würde er der Familie nur raten eine kleine Geldsumme, die der Täter ihnen anbietet, als "Wiedergutmachung" anzunehmen. Jede Perspektive war hoffnungslos für die untröstliche Familie.

Gibt es Gerechtigkeit für die Armen?

Dann lernte Yulias Mutter Mitarbeiter von IJM Bolivien kennen. Sozialarbeiterinnen betreuten Yulisa, um den schweren Missbrauch und das Trauma zu verarbeiten. Anwälte von IJM übernahmen den Fall und traten vor Gericht für das Mädchen ein. Sie sicherten Beweismaterial und bereiteten Yulisa und ihre Familie vor, im Gericht gegen den Täter auszusagen. Yulisas Mutter ließ keinen einzigen Termin im Gericht aus.

Yulisas zweites Wunder

Nach zwei Jahren befand der Richter den Täter für schuldig und verurteilte ihn zu zehn Jahren Gefängnis.
"Wir brauchten einen Verteidiger, jemanden, der für das Recht meines Mädchens einsteht. IJM tat genau das. Ihre Hilfe war genau das, auf was wir nur noch hoffen konnten. Als ich die Urteilsverkündigung hörte, dachte ich: Jetzt wurde uns endlich Recht zugesprochen", sagt Luis heute.
Yulisa wird seit zwei Jahren von unseren Sozialarbeiterinnen betreut. Sie macht sehr gute Fortschritte in der Nachsorge. "Zusammen werden wir das Geschehene überwinden", sagt ihr Vater, der heute wieder mit Optimismus in die Zukunft blickt.

* Zum Schutz des Mädchens verwenden wir hier ein Pseudonym.

Folge uns: