Keine Rechte, keine Ansprüche, keine Existenz.
Missbrauch von Staatsbürgerschaftsrechten.

"Du kannst dir nicht vorstellen, was es bedeutet ohne Personalausweis in Thailand zu leben.“
Noi, Mitglied eines Bergvolks im Norden Thailands, die ein Jahrzehnt für ihre Staatsbürgerschaft kämpfte, bevor sie IJM traf.

Weltweit gibt es geschätzte 12 Millionen Menschen, die staatenlos leben – Menschen, die keinerlei Staatsangehörigkeit aufweisen. Keine Staatsbürgerschaft zu haben, bedeutet von keinem Land beansprucht und von keinem Rechtssystem beschützt zu werden. Es gibt keinerlei Gewährleistung für Kinder, zur Schule zu gehen und für Erwachsene, eine Arbeitsstelle zu finden, die einen gerechten Lohn zahlt.

Fakten

  • Weltweit gibt es etwa 12 Millionen staatenlose Menschen1 – davon leben geschätzte 20% in Thailand.1
  • Allein in Thailands nördlichem und westlichem Hochland leben circa ein Dutzend Bergvölker (ethnische Minderheiten) – dazu zählen ungefähr 600,000 bis 1 Million Menschen.2
  • Fehlende Staatsbürgerschaft ist Hauptrisikofaktor für Frauen und Mädchen in Bergvölkern Thailands verschleppt oder auf andere Weise ausgebeutet zu werden.3
1 IRIN. In brief: 12 million people still stateless. Humanitarian news and analysis.
2 Physicians for Human Rights (2004). No Status: Migration, Trafficking & Exploitation of Women in Thailand: Health and HIV/AIDS risks for Burmese and hilltribe women and girls. Physicians for Human Rights: Boston, MA.
3 Lertharoenchok, Y. (2001). Searching for identity. Step by Step, UN Interagency Project Newsletter: Fourth Quarter, 2001, Issue 5, S. 1,4.

Ursachen

In den abgeschiedenen Bergregionen mehrerer asiatischer Länder, wie Thailand, Burma, Vietnam, Laos und China, leben ethnische Minderheiten. Seit Generationen leben sie isoliert von der thailändischen Bevölkerung und behielten somit ihre eigene Kultur, ihre Traditionen und Riten bei. Ländergrenzen veränderten sich und Gesetze haben sich dementsprechend weiterentwickelt, aber viele Stammesangehörige der Bergvölker sind dabei auf der Strecke geblieben.

Obwohl Tausende von ihnen in Thailand geboren sind und nach nationalem Recht thailändische Staatsbürger sind, besitzt weniger als ein Viertel eine nachweisliche Staatsbürgerschaft. Oft sind komplexe Regelungen, soziale Diskriminierung und mangelnde Initiative seitens der Regierung die Gründe dafür, dass die Betroffenen nicht offiziell als Thailänder anerkannt werden und keine Pässe besitzen. Ohne diese nachweisliche Staatsbürgerschaft werden sie nicht als Staatsangehörige ihres eigenen Landes anerkannt. Sie sind staatenlos.

Leben ohne Staatsbürgerschaftsnachweis
Ohne den Status der Staatsangehörigkeit bleiben den Bergvölkern viele Rechte verwehrt: Sie dürfen kein Land erwerben und haben kein Anrecht auf Arbeit und medizinische Versorgung. Außerdem dürfen sie sich nicht frei im Land bewegen und haben keinen Zugang zu sozialen Dienstleistungen und Bildung. Mit diesen extrem eingeschränkten Möglichkeiten und einem Leben ohne Rechtsschutz sind die Frauen und Mädchen der Bergvölker besonders gefährdet, den Lügen von Menschenhändlern zu verfallen, die sie in Systeme der gewaltsamen Unterdrückung und Ausbeutung locken wollen. Ohne Ausweismöglichkeiten kann das Verschwinden der Opfer oft nicht nachgewiesen werden.

Unsere Antwort

IJM reagiert auf Missbrauch staatsbürgerlicher Rechte in Chiang Mai, im Norden Thailands.
Wir haben Tausenden Stammesangehörigen der Bergvölker geholfen, ihre Staatsbürgerschaft zu beantragen. Dieses Recht gibt ihnen die Freiheit gibt, sich innerhalb ihres Landes und über Landesgrenzen hinaus ohne Angst vor Inhaftierung zu bewegen. Sie haben ein Recht auf Arbeit, Gesetzesschutz und auf Ausbildung ihrer Kinder. IJM hilft Stammesangehörigen von Bergvölkern im komplizierten Beantragungsprozess und setzt sich unablässig für die Weiterleitung ihrer Fälle in überlasteten Regierungsbehörden ein, die ihre Staatsbürgerschaft bewilligen können.

Boon Si lebt in einem abgelegenen Dorf in den Bergen Nord-Thailands, umgeben von Kaffee-Plantagen und...