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Shefali: Langer Weg in die Freiheit

Indien - Mit 12 Jahren heiratete Shefali* einen älteren Mann. Die „Kinderheirat“ schien ihrer verarmten Familie der einzige Weg für das Mädchen zu überleben. Kurze Zeit später ließ sich ihr Mann wieder scheiden. Er sagte, Shefali sei ihm nicht schön genug. Ohne Perspektive ging sie auf sich allein gestellt mit einer Frau mit, die ihr eine Arbeitsstelle in der nächsten Stadt anbot. Doch die Frau hatte sie belogen und verkaufte Shefali an ein Bordell.

Für etwa 2,50 Euro pro Stunde wurde Shefali jeden Tag mehrmals vergewaltigt. Alles Geld ging direkt in die Hände der Bordellbesitzerin, die sie mit Gewalt und Erpressung an der Flucht hinderte. Ermittler von IJM sahen Shefali zum ersten Mal, als sie vor ihrem Bordell auf neue Kunden warten musste. IJM erkannte sofort, dass sie minderjährig war und schalteten die Polizei ein. Im Dezember 2007 wurde Shefali gerettet. Zwar war sie nun frei, doch das Mädchen fühlte sich nicht frei: Sie sagte den Sozialarbeiterinnen von IJM, dass sie nicht anderes tun könne als sich zu verkaufen. Schwanger von einem der Kunden wusste sie nicht, wie eine andere Zukunft möglich sein könnte.

In einer Nachsorge-Einrichtung wurde Shefali mit ihrem kleinen Sohn, den sie kurze Zeit später zur Welt brachte, betreut. Die Bordellbesitzerin wurde zeitgleich zu Shefalis Befreiung verhaftet, doch kurze Zeit später gelang ihr die Flucht. Zwei Jahre später konnten Ermittler von IJM sie aufspüren. Im Gerichtsprozess sagte Shefali gegen sie aus. Im August 2013 wurde die Frau schließlich zu sieben Jahren Haft verurteilt. Shefali wird bald aus der Nachsorge-Einrichtung ausziehen und mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung ziehen. In den letzten Jahren hat sie die Schule besucht. Ihr Kindheitstraum wurde wahr: Sie kann jetzt lesen und schreiben. Ihr Sohn ist heute sechs Jahre alt und geht in die Schule. Shefali liebt es, ihm bei den Hausaufgaben zu helfen. Nebenbei arbeitet die Mutter in einem Modegeschäft und verdient genug Geld, um sich und ihr Kind zu versorgen.

* Aus Sicherheitsgründen für die junge Frau wird ein Pseudonym verwendet.

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