Plötzlich heimatlos.
Landraub.

Landraub betrifft in den meisten Fällen Witwen und Waisen, denen durch die Wegnahme ihres Grundstückes die gesamte Lebensgrundlage genommen wird.

Die Aneignung von fremdem Eigentum mithilfe von Gewalt, Einschüchterung oder Betrug ohne rechtkräftiges Abkommen wird als illegale Inbesitznahme von Grundeigentum bezeichnet. Handelt es sich dabei um ein Stück Land, spricht man von Landraub. Für arme Familien sind ein Haus und ein kleines Stück Land oft die einzige Quelle für Unterkunft, Nahrung und dringend benötigtes Einkommen. Aber selbst diese zerbrechliche Lebensgrundlage vieler in Armut lebender Menschen ist nicht gesichert.

Dies trifft vor allem auf verwitwete Frauen und verwaiste Kinder zu. Deren Eigentum wird oft von Verwandten des verstorbenen Ehemanns oder von Nachbarn gewaltsam in Besitz genommen.

Die Geschichte von Grace, einer von Landraub betroffenen Witwe, können Sie hier lesen.

Fakten

  • Besonders für Witwen ist die Gefahr groß, Opfer von Landraub zu werden. Weltweit gibt es mehr als 115 Millionen Witwen, die in extremer Armut leben – mit einer halben Milliarde Kinder, die vom Überleben dieser Witwen abhängig sind1
  • 2020 werden 1.5 Milliarden der weltweit in Städten lebenden Armen in chaotischen Siedlungen und Slums leben, ohne jegliches Recht, ihr Eigentum zu sichern²
  • Geschätzt haben 90 Prozent der südlich der Sahara lebenden Afrikaner keinen Eigentumsnachweis für den Grund, auf dem sie wohnen und arbeiten. Dadurch sind sie noch bedrohter von illegaler und gewalttätiger Landwegnahme betroffen zu werden3
1 International Labour Organization (2002). Ondimba, S. B. (2011). The World Must Support Its Widows.
2 UN-HABITAT (2008). Secure land rights for all. United Nations Human Settlements Programme.
3 UN-HABITAT (2008). Secure land rights for all. United Nations Human Settlements Programme.

Ursachen

Frauen in Entwicklungsländern sind besonders stark von Landraub bedroht. Vor allem in traditionellen Gesellschaften, in denen Frauen als untergeordnet, weniger wertvoll oder sogar als Eigentum anderer betrachtet werden.

In Afrika sind viele Witwen nach dem Tod ihres Ehemannes rechtlich nicht ausreichend geschützt. Dieser Umstand macht sie oft zu Opfern von erbrechtlicher Eigentumswegnahme. Meist nehmen ihnen dann Verwandte des verstorbenen Ehegattens ihr Haus und das dazugehörige Land weg. Weigert sich eine Witwe, ihr Haus zu verlassen, werden sie und ihre Kinder gewaltsam verjagt. Klientinnen von uns berichten, eingeschüchtert, mit Macheten bedroht und körperlich angegriffen worden zu sein. Auch ihre Häuser wurden zerstört, da die Täter ihr Eigentum unbewohnbar machen wollten.

Da die Landräuber oft Familienangehörige der Betroffen sind, werden Fälle von der Polizei sehr oft als „Familienangelegenheiten“ abgetan. Den zuständigen Behörden fehlt es an den notwendigen Kenntnissen und Mitteln, um über die Rechte zu informieren und diese durchzusetzen. Ohne Hilfe von Seiten des Rechtssystems sehen sich die heimatlosen Frauen und Kinder einem Überlebenskampf ausgesetzt. Oft müssen sie sich auch an gefährlichen Orten niederlassen und sind dann auch von Ausbeutung bedroht. Sie haben häufig keinen Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung oder anderen lebensnotwendigen Bedürfnissen.

Unsere Antwort

IJM beschützt Witwen, Waisenkinder und andere gefährdete Menschen vor Landraub in Uganda.

Opfer befreien
Wir geben Witwen und Waisen ihr zu Hause zurück und verteidigen sie gegen anhaltende Gewaltandrohungen.

Täter überführen
Wir führen Strafprozesse gegen Täter, besonders wenn diese Gewalt, Einschüchterung und Betrug angewendet haben.

Menschen stärken
Wir bieten akute medizinische Versorgung und Beratung und stellen sicher, dass Kinder in die Schule gehen können. Wo es nötig ist, helfen wir Frauen Projekte zu starten, die ihnen ein Einkommen ermöglichen.

Rechtssysteme stärken
Wir bieten Training und praktische Beratung für Polizei und lokale Führungspersonen zur wirksamen Strafverfolgung von Landraub.

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