Sklaverei stoppen - durch funktionierende Rechtssysteme

Menschenhandel und Sklaverei basieren auf kriminellen Geschäftsmodellen, denen kaum Einhalt geboten wird – obwohl Sklaverei in jedem Land dieser Welt gesetzlich verboten ist. Um Sklaverei zu stoppen, ist daher vor allem eins nötig: Menschenhändler und Sklavenhalter dürfen nicht straffrei bleiben.

Sklaverei stoppen durch die strafrechtliche Verfolgung der Täter

Rechtssysteme haben die Aufgabe, alle Bürger im Land vor Gewalt zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen. Doch in vielen Ländern des globalen Südens funktioniert das Rechtssystem nicht: Mangelnde Ressourcen, fehlende Ausbildung, Korruption und vieles mehr führen dazu, dass bestehende Rechte nicht durchgesetzt werden.

Dies hat zur Folge, dass Täter kaum oder keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten müssen. Straffreiheit führt zu immer mehr Gewalt und Kriminalität. Darunter leiden vor allem arme Menschen, denn sie haben nahezu keine Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Der Zugang zum Rechtssystem ist ein zentraler Bestandteil für eine nachhaltige Entwicklung.

Um Sklaverei, Menschenhandel und anderen Formen von Gewalt gegen arme Menschen zu beenden, sind funktionierende Rechtssysteme unerlässlich. Deshalb arbeitet International Justice Mission, kurz IJM, in einer einzigartigen Programmatik in zehn Projektländern mit den Regierungen und lokalen Behörden zusammen.

Vier Schritte, um Sklaverei zu stoppen

Opfer befreien

Ermittler von IJM suchen und befreien mit der lokalen Polizei Menschen aus Sklaverei und anderen Formen gewaltsamer Unterdrückung. Gemeinsam konnten wir weltweit bereits 40.000 Betroffene befreien.

Täter überführen

Anwälte von IJM sorgen dafür, dass die Täter strafrechtlich verfolgt werden. Sie vertreten die Opfer vor Gericht, bis Recht gesprochen wird. Seit unserer Gründung waren wir an der strafrechtlichen Verurteilung von mehr als 1.300 Tätern beteiligt.

Menschen stärken

Sozialarbeiter und Psychologen von IJM kümmern sich gemeinsam mit Partnereinrichtungen um die psychologische und sozialpädagogische Nachsorge der Betroffenen. Sie erhalten eine neue Perspektive für ihr Leben und lernen, ihre Rechte wahrzunehmen. Aktuell werden 3.760 Betroffene begleitet.

Rechtssysteme verändern

Im Rahmen der engen Zusammenarbeit mit Regierungen, Behörden und Personen der Zivilgesellschaft schulen und beraten wir, damit arme Menschen vor Gewalt geschützt werden. Weltweit hat IJM bisher über 131.000 Beamte und Personen der Zivilgesellschaft als Multiplikatoren geschult.

Unsere Projekte. Weltweit.

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Jeder zählt. Wir geben nicht auf.
#BisAlleFreiSind

Nachhaltig Sklaverei stoppen. Massiver Rückgang von Kinderhandel in Kambodscha.

Ausgangssituation

Die sexuelle Ausbeutung von Kindern verbreitete sich in den 90er-Jahren rasant in Kambodscha. Der Bürgerkrieg und die politischen Unruhen hinterließen ein Land, dessen Rechtssystem nahezu kollabiert war. Freier und Kunden fürchteten fast keine strafrechtliche Verfolgung. Die Justiz des Landes war korrupt, mittellos und mangelhaft ausgebildet.

Im Jahr 2000 waren je nach Region zwischen 15 und 30 Prozent der Prostituierten minderjährig.
(Quelle: Ministry of Planning, Cambodia 2000)

Projektziel

IJM gründete 2004 ein Büro in Phnom Penh. Dabei vereinbarte IJM mit der Regierung und den zuständigen Justizbehörden, Fälle von Kinderhandel und sexueller Ausbeutung konsequent zu verfolgen. Ziel war es, die Anzahl der betroffenen Kinder rapide zu senken. 2013 konnte in einer Prävalenzstudie ein großer Erfolg nachgewiesen werden: Die Zahl der Minderjährigen in der Prostitution ist auf 2,2 Prozent zurückgegangen.

Seit der Gründung von IJM im Jahr 1997 entwickeln wir unsere Programmatik beständig weiter. Studien und Evaluierungen helfen dabei und zeigen Erfolge auf, zum Beispiel in Kambodscha.

General Pol Phie They
Die Sicherheit in unserem Land liegt uns am Herzen. Dazu gehört, dass alle Bürger Zugang zu ihren Rechten haben und vor Menschenhandel, Ausbeutung und Unterdrückung geschützt werden. Täter werden immer wieder neue Wege suchen – doch wir setzen uns ihnen verantwortungsbewusst und entschlossen entgegen.
General Pol Phie They, Director of Cambodia’s National Anti-Human Trafficking and Juvenile Protection Police

Erfolge von 2003 bis 2015

500 Kinder aus Kinderhandel und sexueller Ausbeutung befreit
193 Straftäter wegen sexueller Ausbeutung von Kindern verurteilt
Hunderte Kinder und ihre Familien in der Nachsorge begleitet
Über 500 Beamte in der Strafverfolgung von Kinderhandel geschult

Erfolge nachhaltig sichern

Um erzielte Erfolge nachhaltig zu sichern, werden die Arbeitsfortschritte von IJM in drei Phasen geteilt:

Phase 1: gemeinschaftliche Fallarbeit

IJM arbeitet bei der Aufklärung von einzelnen Gewaltverbrechen in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. Dabei wird in einer bestimmten Region der Fokus auf ein spezifisches Problem von Gewalt gelegt. In der gemeinschaftlichen Fallarbeit werden Opfer befreit, Täter überführt und Betroffene in der Nachsorge gestärkt. In dieser Phase identifizieren wir Schwachstellen im Rechtssystem, die zu systematischem Unrecht führen.

Ziele der gemeinschaftlichen Fallarbeit

  • Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu verantwortlichen Beamten
  • Ausschluss von Korruption durch gemeinsame Ermittlungsarbeit, Beweissicherung und Überwachung einzelner Fälle
  • Schaffung von Präzedenzfällen, die maßgebend für Folgeprozesse sind und zur Abschreckung potentieller Krimineller dienen
  • Identifikation von Schwachstellen im Rechtssystem

Phase 2: Systemreform

Die in der ersten Phase aufgedeckten Schwachstellen werden nun systematisch bearbeitet. Konkrete Reformen werden eingeleitet. In Zusammenarbeit mit den Regierungen führen wir Schulungen von Polizisten, Sozialarbeitern, Staatsanwälten und Richtern durch. Bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern setzen wir uns dafür ein, dass die notwendigen Ressourcen beschafft und Überlastungen reduziert werden.

Ziele der Systemreform

  • Verbesserter Schutz der Bevölkerung durch das Rechtssystem
  • Signifikanter Rückgang der Häufigkeit des adressierten Verbrechens in der Region

Phase 3: nachhaltige Erfolgssicherung

In dieser Phase zieht sich IJM weitestgehend aus der gemeinschaftlichen Fallarbeit zurück, bleibt aber beratend tätig. Nur so kann der Erfolg, der in Phase II erreicht wurde, langfristig gesichert werden. IJM evaluiert in regelmäßigen Abständen die Fortschritte und unterstützt lokale Regierungen darin, die Ziele langfristig ohne Hilfe von Nichtregierungsorganisationen zu erreichen.

Am Ende dieser Phase beobachten wir, dass

  • das Rechtssystem nun effektiv zu funktionieren beginnt
  • Menschen durch ihr Rechtssystem vor den Verbrechen, die IJM vor Ort aktiv bekämpft hat, geschützt werden

IJM richtet die Ausgestaltung und Verwaltung der Programme zur nachhaltigen Veränderung von Rechtssystemen evidenzbasiert aus. Die Entwicklung neuer Programme richtet sich nach den Ergebnissen von Assessments und Studien.

Erfahren Sie mehr zu Wirkung von IJM-Projekten und wie wir die Wirkung messen

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