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Größte Befreiung in der Geschichte von IJM:
564 Menschen in Indien aus Sklaverei befreit

In Zusammenarbeit mit der indischen Polizei konnten wir in Chennai vergangene Woche 564 Menschen aus Sklaverei befreien, darunter über 200 Kinder. Sie wurden in derselben Ziegelei festgehalten, in der IJM bereits 2011 über 500 Menschen aus Sklaverei befreit hatte. Der Fabrikbesitzer wurde damals nicht verurteilt. In unserer großen Freude über die größte Befreiung in unserer Geschichte wird uns besonders deutlich: Sklaverei kann nur beendet werden, wenn geltende Gesetze sich wirklich durchsetzen und Täter verurteilt werden. Dafür stehen unsere Anwälte jetzt ein.

Verzweifelter Anruf gibt entscheidenden Hinweis

IJM wurde durch den Anruf eines entkommenen Arbeiters auf den Fall aufmerksam. Er schilderte die schockierenden Verhältnisse in der Ziegelei, woraufhin umgehend ein Team aus speziell geschulten Polizisten, Regierungsbeamten und IJM-Mitarbeitenden zusammengestellt wurde. Diese stürmten dann vergangenen Mittwoch die Ziegelei, in der hunderte von Menschen in der Hitze unter unmenschlichen Bedingungen schwerste Arbeit leisten mussten.

Die befreiten Familien wurden in eine Notunterkunft gebracht. Dort wurden sie von der Polizei befragt und alle ihre Aussagen wurden einzeln dokumentiert. Ein Großteil von ihnen bekam sofort auch ein offizielles Freigabezertifikat ausgehändigt, welches sie automatisch von allen widerrechtlich erteilten Schulden befreit.

Sklaverei-Befreiung-Chennai-Abfahrt

Fall zeigt brutale Verhältnisse moderner Sklaverei

Die Berichte der befreiten Familien zeigen deutlich, wie Sklaverei heutzutage aussehen kann: Die Arbeiterinnen und Arbeiter lebten in winzigen Wellblechhütten oder Zelten und mussten jeden Morgen um drei Uhr aufstehen und harte körperliche Arbeit verrichten. Dabei wurden sie ständig beobachtet, angeschrien und beleidigt. Wenn sie nicht schnell genug arbeiteten, wurden sie getreten, geschlagen oder bestraft.

Durch ihre Arbeit verdienten sie gerade mal 400 Rupien (etwa 5,50 Euro) pro Woche. Das Geld reichte gerade eben dafür, um sich mit dem günstigsten Reis zu ernähren – viele der Betroffenen mussten auch mehrere Tage hungern.

Sklaverei-Befreiung-Chennai-Arbeit-Ziegelei

Sklaverei-Befreiung-Chennai-Ziegelei

Sklaverei-Befreiung-Chennai-Familien

Auch Kinder und schwangere Frauen unter den Arbeitenden

In der Ziegelei befanden sich über 200 Kinder. Knapp die Hälfte von ihnen ist unter fünf Jahren alt. Alle Mädchen und Jungen ab 12 Jahren wurden ebenso zur Arbeit gezwungen wie ihre Eltern. Auch schwangere Frauen wurden zu harter körperlicher Arbeit gezwungen und ihnen wurde jegliche medizinische Hilfe versagt.

IJM betreut und versorgt die Familien

Jetzt sind die Familien befreit und werden von den Behörden und IJM betreut. Zunächst werden die Familien in ihre Heimatdörfer begleitet und es wird sichergestellt, dass die Familien in Sicherheit und ausreichend versorgt sind. In unserem zweijährigen Nachsorgeprogramm werden unsere Sozialarbeiter die Familie unterstützen, ein neues Leben in Freiheit aufzubauen.

Strafrechtliche Verurteilung der Besitzer wichtig

Wie wichtig die strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung der Täter durch die geltenden indischen Gesetze ist, zeigt uns der Fakt, dass der Ziegeleibesitzer bereits 2011 wegen Menschenhandel und Sklaverei überführt wurde. Leider kam es damals zu keinem Gerichtsprozess, sodass der Mann bald auf freiem Fuß stand und erneut Familien in seine Ziegelei lockte, um sie zu versklaven.

Sklaverei-Befreiung-Chennai-Menschenmenge

Jetzt wurden er und fünf weitere Komplizen von der Polizei festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft und werden wegen Menschenhandel und Schuldknechtschaft angeklagt.

Sklaverei kann nur beendet werden, wenn Täterinnen und Täter nicht nur erkannt, sondern auch verurteilt werden. Unsere Anwälte werden nun unermüdlich dafür kämpfen, dass der Ziegeleibesitzer verurteilt wird. Jede Verurteilung ist ein Erfolg - für die Betroffenen, die Unrecht erlebt haben, und für die Sicherheit in der gesamten Region.

Helfen Sie mit, dass Befreiungsaktionen wie diese auch in Zukunft stattfinden und Menschen ein Leben in Freiheit beginnen können!

 

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März 2016

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