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IJM-Fotoausstellung „Geraubte Kindheit“

Künstler und Experten thematisieren sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern

Berlin - „Geraubte Kindheit“ lautete der Titel des Salons mit Fotoausstellung, zu dem IJM am 25. November 2016 in Berlin einlud. Künstler und Experten thematisierten das weltweite Verbrechen der sexuellen Online-Ausbeutung von Kindern. Ein schockierendes Thema, das Fragen aufwirft und Antworten sucht. Rund 80 Gäste folgten dem einstündigen Programm. Im Anschluss blieb Zeit zum persönlichen Rundgang durch die Ausstellung und für Fragen an die Referenten.

Philippinen: Hotspot für die sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern

Die Fotografin Salome Augustin führte mit einem Reisebericht in das Thema ein. Im Mai war sie auf die Philippinen gereist, um dort das Projekt von IJM in Cebu kennenzulernen. Ermittler, Anwälte und Sozialarbeiter kämpfen dort gegen die sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern. Augustins Fotos haben eine Bildwelt geschaffen, die Betrachter in die Hinterhöfe der Slums vor Ort mitnimmt. Es sind Orte, die nicht nur von massiver Armut, sondern auch von unvorstellbarer Gewalt gegen Kinder gezeichnet sind.

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„Geraubte Kindheit“, ein Titel, der genau zu der schockierenden Realität passt. Laut Unicef sind allein auf den Philippinen circa 60.000 bis 100.000 Kinder der sexuellen Online-Ausbeutung schutzlos ausgesetzt. „Kunden“ aus aller Welt geben den Kindern mittels einer Webkamera live Anweisungen zu sexuellen Handlungen. Die Täter stammen überwiegend aus den USA, aus Europa und Australien. Die meisten Kinder, die für eine solche „Sex-Show“ missbraucht werden, sind zwischen zwei und zehn Jahren alt. Viele von ihnen werden von den eigenen Müttern vor die Kamera gezerrt. Sie hoffen, durch das illegale Geschäft der Armut schneller entfliehen zu können. Für eine Show bekommen sie bis zu 150 US-Dollar.

Deutschland: Wie gehen wir als Gesellschaft mit unseren und den Kindern anderer Länder um?

Eindringlich ging Manfred Paulus, ehemaliger Kriminalhauptkommissar aus Ulm, in seinem Kurzreferat darauf ein, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern - ob hierzulande oder weltweit - ein dringendes Thema in Deutschland ist.

Laut dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sollen eine Millionen Kinder in Deutschland sexueller Gewalt ausgesetzt sein. Alarmierend sei auch der Konsum von Kinderpornografie in Deutschland.

6.500 kinderpornografische Produkte wurden im vergangenen Jahr durch die Polizei beschlagnahmt. Dies zeigt für Paulus lediglich die Spitze des Eisberges. „Kinderpornografie ist kein Bagatelldelikt, sondern das aufgezeichnete, meist brutale Verbrechen an einem Kind,“ sagte Paulus.

Manfred Paulus

Manfred Paulus

Auch im Ausland seien Touristen, die sich an Kindern strafbar machen, nicht selten Deutsche. 400.000 Deutsche reisen jedes Jahr als Sextouristen ins Ausland. Es ist nicht bekannt, wie viele von ihnen dort Sex mit Kindern kaufen. Paulus versucht das Ausmaß vorstellbar zu machen: Wären es lediglich 5 Prozent der deutschen Sextouristen, wären es umgerechnet jeden Tag 50 Deutsche, die in ein Flugzeug steigen, um irgendwo auf der Welt ein Kind sexuell zu missbrauchen. So unklar die genauen Zahlen seien mögen, so eindeutig ist: Wenn der Täter Deutscher ist, macht er oder sie sich nach dem deutschen Gesetz strafbar. Trotzdem käme es nur in sehr wenigen Fällen zu einem Urteil. Paulus macht deutlich, dass das ein „deutsches Problem“ sei. Nicht nur die geringe Strafverfolgung, sondern auch das Wegsehen und Schweigen unserer Gesellschaft.

„Alle Kinder - ob in Deutschland oder in anderen Ländern - sind mit der gleichen Hoffnung und den gleichen Träumen geboren. Und mit den gleichen Rechten! Wir müssen ihnen diese Rechte verschaffen und sie erhalten. Das ist unsere Pflicht.“

- Manfred Paulus, Ex-Kriminalhauptkommissar

Wie können Kinder die Folgen von sexueller Gewalt bewältigen?

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Tina Dietz

Dieser Frage stellte sich Tina Dietz, Psychotherapeutin und Expertin für Traumaberatung aus Berlin. Sie betonte zunächst, dass je jünger betroffene Kinder sind und je näher der verwandtschaftliche Grad zu den Täter oder Mittätern ist, desto wahrscheinlicher ist eine sogenannte Entwicklungstraumastörung. Ein Trauma kann sich durch alle Ebenen ziehen: körperlich, seelisch, affektiv und kognitiv. Wichtig sei deshalb auch eine ganzheitliche Behandlung in der Traumatherapie von betroffenen Kindern.

Dazu gehört, dass Kinder in einem sicheren Umfeld lernen wieder Vertrauen zu fassen und über das Erlebte zu sprechen. Solche Prozesse brauchen ihre Zeit. „Ein Trauma ist mit einer Wunde vergleichbar“, sagte Dietz. „Wenn sie heilt, bleibt eine Narbe. Sie gehört dazu, aber sie tut nicht mehr weh.“

Sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern stoppen

„Die sexuelle Online-Ausbeutung von Kindern ist ein globales Verbrechen, das global gelöst werden muss“, sagte Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland, zum Abschluss. IJM sieht es als seine Aufgabe, Länder wie die Philippinen, von denen aus kinderpornografische Angebote online gestellt werden, mittelfristig in der Strafverfolgung zu fördern und zu unterstützen. „Gleichzeitig fordern wir die deutsche Regierung und Gesellschaft auf, sich stärker gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu positionieren und diese zu bekämpfen“, sagte Roller.

IJM arbeitet auf den Philippinen seit 15 Jahren und kämpft mit den Behörden vor Ort gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. 1.500 Kinder konnten bereits aus sexueller Ausbeutung in den Rotlichtmilieus in Cebu, Manila und Pampanga befreit werden. 645 Täter wurden verurteilt, weil sie Kinder für Sex anboten. Seit 2016 fokussiert sich IJM auf die Bekämpfung von Sexueller Online-Ausbeutung von Kindern124 Kinder konnten bereits befreit werden. Eine spezielle Polizeieinheit zur Bekämpfung dieses Verbrechens in Cebu wird derzeit von IJM geschult.

„Es ist möglich gegen dieses Verbrechen vorzugehen - nicht alleine, aber zusammen mit Ihrer Unterstützung“

- Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender IJM Deutschland e. V.

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Dietmar Roller

November 2016

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