FAQs - Häufig gestellte Fragen

1. Ist die Strafverfolgung ein effizientes Mittel gegen Menschenrechtsverletzungen?

Strafverfolgung ist nicht allein repressiv, das heißt allein auf die Bestrafung des Täters gerichtet. Sie hat auch einen präventiven Charakter und damit eine Wirkung für die gesamte Gesellschaft: Wenn Gesetzen Geltung verschafft wird und Straftäter zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, können dadurch potentielle Täter abgeschreckt werden.

IJM setzt diesen Schwerpunkt, um weiteren Missbrauch an möglichen weiteren Opfern zu verhindern. Weniger die einzelne Verurteilung als vielmehr die damit einhergehende Abschreckung zeigt also langfristige Wirkung und ist damit ein geeignetes Mittel gegen Menschenrechtsverletzungen.

2. Kauft IJM Opfer von Menschenhandel und Sklaverei frei?

Wir befreien keine Opfer ohne Beteiligung der örtlichen Polizei und Sozialämter. Der Freikauf aus der Sklaverei steigert die Nachfrage nach Sklaven. Wir wollen die Versklavung weiterer Menschen jedoch von vornherein verhindern. Deshalb verfolgen wir einen strukturellen Wandel, indem wir die Schutzmechanismen der Justizsysteme ausbauen.

Um sicherzustellen, dass die bereits straffälligen Menschenhändler und Sklavenhalter zur Verantwortung gezogen werden, arbeiten unsere Anwälte mit den örtlichen Anklägern zusammen. Unsere Sozialarbeiter gewährleisten für die befreiten Opfer eine intensive Nachbetreuung.

3. Inwiefern unterscheidet sich IJMs Ansatz von dem anderer Organisationen?

IJM widmet sich umfassend dem Einzelfall. Wir beschränken uns nicht auf einen der Aspekte "Befreiung der Opfer", "Strafverfolgung der Täter" oder "Nachbetreuung der Befreiten". Vielmehr begleiten wir den einzelnen Fall auf seinem gesamten Weg durch das Rechtssystem und die Betroffenen viele Jahre darüber hinaus.

Zudem beteiligt sich IJM an der tatsächlichen Durchsetzung der Menschenrechte, indem wir mit lokalen Behörden Betroffene retten. Schließlich behält IJM die strukturelle Funktionsfähigkeit der Justizsysteme im Blick. Die Einzelfallarbeit bringt Erkenntnisse über konkrete Schwachstellen. Dort setzen wir an, um dauerhafte Veränderungen herbeizuführen.

4. Wie ist das Verhältnis zu den lokalen Behörden?

IJM ist auf die Kooperation mit den Behörden der Partnerländer angewiesen. Denn im Mittelpunkt steht die Durchsetzung nationaler Gesetze - die sich das jeweilige Land selbst gegeben hat - vor nationalen Gerichten.

Wir arbeiten deshalb nur mit Zustimmung der Staatsregierungen. Wir achten die staatliche Justizhoheit und legt großen Wert darauf, politisch neutral zu bleiben. Wir sind sensibel für kulturelle Differenzen und respektieren die Eigenarten eines jeden Partnerlandes. In den Büros der Partnerländer arbeiten zu 90 Prozent einheimische Mitarbeiter.

5. Wie geht IJM mit Korruption um?

Die Antwort auf „korrupte Polizei“ ist nicht „keine Polizei“. Die Förderung von Fertigkeiten und Kapazitäten in lokalen Strafverfolgungssystemen ist die einzige nachhaltige Antwort auf die gewaltige Ungerechtigkeit, welche die Armen erleiden. Verletzbare Menschen können nur dann langfristig geschützt werden, wenn sie sich auf ihr eigenes Rechtssystem verlassen können.

IJM engagiert sich aktiv und baut bessere Strafverfolgungssysteme, indem Trainings schon für hunderte von Polizeibeamten durchgeführt wurden, damit die Strafverfolgung ausgerüstet wird, um die Armen ihrer Gesellschaft beschützen zu können.

6. Wie ist das Verhältnis zu den Vereinten Nationen (UN)?

In der internationalen Entwicklungs- und Menschenrechtsarbeit sind die Vereinten Nationen (VN) eine wichtige und richtungsgebende Institution. Im Rahmen der VN werden globale Ziele für Entwicklung festgelegt sowie Verträge geschlossen, die Menschenrechtsstandards in ihren Mitgliedsstaaten vorgeben.

Die Zusammenarbeit mit den VN ist für uns daher sehr wichtig. IJM hat einen offiziellen Beraterstatus bei den VN und hat sich beispielsweise in der Diskussion um die Nachhaltigen Entwicklungsziele beteiligt und sich speziell für Ziel 16 und den Zugang zum Rechtssystem stark gemacht. Als neues globales Entwicklungsziel ist Ziel 16 nun bindend für die Entwicklungszusammenarbeit der Mitgliedsstaaten.

Auch unsere praktische Arbeit verbindet uns mit den VN. Eine starke Partnerschaft haben wir mit dem Kinderhilfswerk der VN, UNICEF. So hat UNICEF u. a. Geldmittel für ein IJM-Projekt in Bolivien (September 2009 bis April 2010) und für ein Projekt auf Cebu, Philippinen (August 2010 bis Dezember 2011) bereitgestellt.

In Guatemala haben wir auf Bitten der Regierung gemeinsam mit UNICEF am Entwurf für ein Gesetz zusammengearbeitet, welches Kinder schützen sollte, die Opfer von Verbrechen wurden. Dieses Gesetz trat im März 2013 in Kraft.

7. Übernimmt IJM Fälle in Deutschland?

IJM möchte möglichst vielen Menschen den essentiellen Zugang zu funktionierenden Rechtssystemen ermöglichen. Wir fokussieren dazu unsere Kapazitäten auf Länder, in denen vor allem die unterhalb der Armutsgrenze lebenden Menschen Übergriffen völlig schutzlos ausgeliefert sind.

Nach einem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) lebten 2008 etwa vier Milliarden Menschen (bei einer Weltbevölkerung von knapp sieben Milliarden) ohne rechtsstaatlichen Schutz. Mehr als die Hälfte der Menschheit profitiert demnach nicht von der Geltung und Durchsetzung von Recht und Gesetz. Dies betrifft auch viele der Partnerländer, in denen IJM aktiv ist.

Auch im deutschen Rechtssystem besteht im Einzelnen Verbesserungsbedarf. Die wesentlichen Strukturen effektiver Strafverfolgung, ein Gerichtssystem, das auf Missbrauch und Menschenrechtsverletzungen reagiert, und zahlreiche soziale Einrichtungen, die sich Betroffener annehmen, sind jedoch vorhanden. Aus diesem Grund übernehmen wir in Deutschland keine Fälle.

8. Wie werden die eingeworbenen Mittel verwendet?

Das deutsche Büro von IJM befindet sich noch im Aufbau und ist dabei auf die Unterstützung von IJM Global angewiesen. Wir verwenden etwa 75 Prozent unserer Mittel für unsere satzungsmäßigen Aufgaben.

IJM Deutschland kooperiert mit den IJM-Büro in Uganda, Indien und der Dominikanischen Republik, sodass eingeworbene Spenden zur Unterstützung der Fallarbeit in den drei Projekten verwendet werden. Dabei unterliegt die Weiterleitung von Finanzmitteln an die Partnerbüros im Ausland satzungsgemäß strengen Anforderungen. Danach sind wir u.a. verpflichtet, den inländischen Finanzbehörden die Prüfung der jeweiligen zweckentsprechenden Verwendung der Zuwendungen zu ermöglichen, und führen dazu geeignete Nachweise.

 

9. Wie komme ich an verlässliche Zahlen zum Ausmaß von Sklaverei?

Da Sklaverei ein Verbrechen ist, das oftmals im Verborgenen geschieht und Opfer von Sklaverei schwer zu identifizieren sind, ist eine genaue Feststellung des Ausmaßes von Sklaverei mit Schwierigkeiten verbunden.

Die Walk Free Foundation veröffentlichte im Mai 2016 den Global Slavery Index, laut dem 45,8 Millionen Menschen in Sklaverei leben. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt die Zahl der Menschen in Sklaverei hingegen nur auf 21 Millionen. Diese Unterschiede sind dadurch erklärbar, dass die ILO nur behördlich bekannte Fälle von Zwangsarbeit einbezieht und der Global Slavery Index den Begriff Sklaverei weiter definiert.

Die Zahl des Global Slavery Index, auf welche sich IJM stützt, wurde durch breit angelegte Erhebungen ermittelt, die in 25 Ländern durchgeführt wurden. Insgesamt wurden Daten von 42.000 befragten Personen ausgewertet.