Meilenstein im Kampf gegen Menschenhandel: 7 Täter in der Dominikanischen Republik verurteilt

Dominikanische RepublikWeltweite Arbeit
06. 02. 2018, 16:00 Uhr

Santo Domingo – Ende Januar verurteilte ein Gericht sieben Menschenhändler zu Haftstrafen. Sie wurden für die sexuelle Ausbeutung von 13 Minderjährigen schuldig gesprochen. Damit endete der erste Fall, den IJM in der Dominikanischen Republik unterstützt hat.

Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Frauen sind gravierende Probleme in der Dominikanischen Republik. Trotz guter Gesetzeslage sowie einem Nationalen Aktionsplan gegen Menschenhandel gab es in einem Zeitraum von zehn Jahren bis 2013 lediglich sechs Verurteilungen. IJM begann die Arbeit in dem Inselstaat mit einer Häufigkeitsstudie, um die Anzahl minderjähriger Betroffener zu erfassen.

Kurz nach Fertigstellung der Studie im August 2014 baten die dominikanischen Behörden IJM um Mithilfe bei einer Befreiungsaktion. 12 Mädchen und ein Junge im Alter zwischen 14 und 17 Jahren wurden an diesem Tag aus sexueller Ausbeutung befreit. Es war der erste Fall, den IJM unterstützt hatte.

Starkes Urteil: Menschenhändler zu Höchststrafe verurteilt

Anwälte von IJM setzten sich vor Gericht für die Jugendlichen ein und sicherten die strafrechtliche Verfolgung der Täter. Allen voran kämpfte IJM Anwältin Raysi Marte dreieinhalb Jahre beharrlich gegen sämtliche Hindernisse: Duzende Anhörungen und andere Termine vor Gericht wurden verschoben und der Fortgang des Prozess immer wieder herausgezögert. Am 22. Januar 2018 wurden die sieben angeklagten Täter endlich verurteilt. „Den ganzen Tag herrschte eine angespannte Atmosphäre“, erinnert sich Raysi Marte. „Zwischenzeitlich dachten wir, der Richter würde den Fall erneut vertagen, aber seine Verpflichtung den Kindern gegenüber war doch stärker.“

Die Täter wurden wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger schuldig gesprochen und zu Haftstrafen zwischen drei und zehn Jahren verurteilt. Zwei der Täter erhielten dabei die Höchststrafe. Dieser Rechtsspruch hat große Reichweite. Anderen Tätern signalisiert das Urteil, dass Menschenhandel nicht straffrei bleibt und den Betroffenen wurde endlich zu ihrem Recht verholfen.

Eine wertschätzende Geste

Neben den Anwälten von IJM standen Sozialarbeiter den befreiten Jugendlichen zur Seite. In einer sicheren Umgebung bekommen sie professionelle Begleitung das Erlebte zu verarbeiten und neue Stärke und Mut zu finden, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Luciana* ist eine von ihnen. Sie erinnert sich genau an den Tag ihrer Befreiung: Luciana war sehr kalt, ihr ganzer Körper fror. Ein IJM Mitarbeiter brachte ihr eine Jacke, damit sie sich aufwärmen konnte. Diese kleine Geste hatte für Luciana eine große Bedeutung. „Die Tatsache, dass eine Gruppe fremder Menschen sich um sie kümmerte und ihren Alptraum beendete, empfand sie als besonders wertschätzend,“ erinnert sich eine IJM Mitarbeiterin.

Weiterhin im Einsatz für Betroffene von Menschenhandel

„Unsere Klienten sind heute frei von Ausbeutung und können wieder ein Leben in Würde führen“, sagt Fernando Rodriguez, Leiter von IJM in der Dominikanischen Republik. „Dieser Sieg vor Gericht zeigt, dass sich Beharrlichkeit lohnt. IJM wird weiterhin mit den Behörden zusammenarbeiten und sich für das Recht der Betroffenen einsetzen.“ Dazu gehören auch Schulungen von Polizisten, Staatsanwälten, und Richtern durch IJM, damit Fälle von Menschenhandel proaktiv von den Behörden verfolgt werden.

*Zum Schutz unserer Klientin verwenden wir ein Pseudonym.

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