Studie: Kinderfischer in Ghana erst vier Jahre alt

GhanaWeltweite Arbeit
01. 12. 2017, 13:05 Uhr

Der Internationale Tag zur Abschaffung der Sklaverei am 2. Dezember erinnert daran, dass Sklaverei kein Problem der Vergangenheit ist. Im Gegenteil, alarmierend ist die aktuelle Zahl von 40 Millionen Menschen in Sklaverei (ILO). Jedes vierte Opfer ist minderjährig. Eine IJM-Studie in Ghana ergibt, dass 62 Prozent der Kinder, die in der Fischerei versklavt sind, zwischen vier und zehn Jahre alt sind – eine bewusste und brutale Entscheidung der Menschenhändler. Heute muss diesem Verbrechen nicht nur gedacht werden, sondern ihm entschieden entgegengetreten werden.

Ghana: Sklaverei in der Fischerei

Der Volta-Stausee in Ghana ist der größte künstlich angelegte Binnensee der Welt. Tausende Kinder fischen dort jeden Tag unter lebensgefährlichen Umständen, viele von ihnen unter Zwang. Das bestätigt die 2017 von IJM veröffentlichte Studie „Child Trafficking into Forced Labor on Lake Volta, Ghana“ .

  • 57 Prozent der arbeitenden Kinder sind Opfer von Menschenhandel und Sklaverei.
  • Von den Eltern verkauft: Der Ausbeutung der Kinder ging häufig eine Art Vereinbarung zwischen dem Menschenhändler und einem Elternteil oder Erziehungsberechtigtem voraus. Als Hauptursache gilt die extreme Armut der Familien.
  • 62 Prozent der betroffenen Kinder auf dem See waren 10 Jahre alt und jünger. 99 Prozent von ihnen sind Jungen und fast ein Viertel (22,7 Prozent) erst sechs Jahre alt und jünger.
  • 10 Euro für ein Sklavenkind pro Jahr: Der Preis für ein Jahr Ausbeutung eines Kindes variierte zwischen 2 und 190 Euro, oftmals blieb der Preis unter 10 Euro. Tatsächlich sind die günstige Arbeitskraft des Kindes sowie die Leichtigkeit ein Kind durch Gewalt zwingen zu können, die Hauptgründe für die Nachfrage nach Kindern in Ghanas Fischindustrie.

Lebensgefährliche Arbeit auf dem See

Schlüsselinformanten beschrieben die Arbeit auf dem See als „gefährlich“. Fast jedes Kind werde während der Arbeit verletzt, ihre Knochen und Körper werden von der schweren Arbeit zumeist verschleißt. Kinder berichten von bis zu 18 Stunden Arbeit am Tag. Besonders Ertrinken sei eine allgegenwärtige Gefahr, da viele Kinder nie gelernt haben zu schwimmen. Menschenhändler halten die Kinder mit brutaler Gewalt und Essensentzug unter Kontrolle.

Keine Fluchtmöglichkeit

Vier Gründe halten Kinder in Sklaverei davon ab, zu fliehen:

  1. Fehlendes Geld für Transportmittel
  2. Kinder wissen nicht, wo ihr Zuhause ist, besonders wenn sie bei ihrem Verkauf sehr jung waren.
  3. Menschenhändler bestrafen Fluchtversuche
  4. Angst

Gravierende Folgen für Kinder

Ohne Bildung - Kinder in Sklaverei wurden regelmäßig vom Schulbesuch abgehalten. Der Zugang zu Bildung war einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Kindern, die versklavt wurden, und Kindern, die lediglich ihre Familien bei der Arbeit unterstützten, aber frei waren. Die schwere körperliche Arbeit und die Gewalt der Menschenhändler schädigen die Kinder zudem langfristig: Aufgrund der erlebten Gewalt tragen die Jungen Traumata davon, die ihre gesamte Entwicklung negativ beeinflussen können.

Entstehung der IJM-Studie

Vor einigen Jahren erfuhr IJM von Fällen von Kindersklaverei auf dem Volta-Stausee. Doch es fehlten belegbare Zahlen über das Ausmaß. 2013 führte IJM Interviews mit Kindern und Erwachsenen auf 982 Booten im Süden des Volta-Stausees. 2015 folgte eine qualitative Untersuchung durch eine lokale Forschungseinrichtung in drei identifizierten Ziel- und Herkunftsregionen von versklavten Kindern. Die Ergebnisse wurden 2017 in der Studie „Child Trafficking into Forced Labor on Lake Volta, Ghana“ veröffentlicht. Sie bildet eine wichtige Grundlage, um mit der ghanaischen Regierung eine Strategie zu entwickeln, Kindersklaverei auf dem Volta-Stausee zu beenden. IJM konnte mit der Polizei im vergangenen Jahr über 100 Kinder befreien und den ersten Täter erfolgreich vor Gericht bringen.

Beendigung von Sklaverei dringend notwendig

Die Situation in Ghana ist ein Beispiel für Sklaverei heute. Das Schicksal jeden Kindes auf dem Volta-Stausee mahnt uns, heute aktiv zu werden. Die Abschaffung der Sklaverei muss mit höchster Priorität in der Menschenrechts- und Entwicklungszusammenarbeit angegangen werden. Dies fordert IJM in der aktuellen Petition an die deutsche Regierung. Zudem kann jeder aktiv werden und sich weiter über Sklaverei informieren und Projekte, die Sklaverei bekämpfen, finanziell unterstützen.

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