Als IJM Botschafterin Menschen in Sklaverei eine Stimme geben

BotschafterEngagiert gegen Sklaverei
06. 11. 2017, 09:00 Uhr

Für IJM Deutschland sind rund 400 ehrenamtliche IJM Botschafter aktiv. Eine von ihnen ist Anna Koppri aus Berlin, die von ihrem Engagement erzählt.

Ich bin Anna, 33 Jahre, und bin Sozialpädagogin, Journalistin und IJM Botschafterin aus Berlin.

Als mir eine Freundin vor einigen Jahren von der Arbeit von IJM erzählt hat, war ich gleichermaßen berührt und schockiert. Mir war nicht klar, dass es heute mehr Sklaven gibt als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ich dachte sofort, davon müssten unbedingt mehr Leute erfahren. Kurze Zeit später plante ich einen Artikel über die Menschenrechtsorganisation zu schreiben.

Zufällig kam gerade zu dieser Zeit im Februar 2014 Pranitha Timothy, eine Sozialarbeiterin von IJM aus Indien, zu einem Kongress nach Leipzig. Ich bekam die Möglichkeit diese beeindruckende Frau für meinen Artikel zu interviewen. Sie hat die Arbeit von IJM in Chennai mit aufgebaut und das Nachsorgeprogramm für befreite Menschen aus Sklaverei maßgeblich geprägt. Diese zierliche kleine Frau mit einer brüchigen, leisen Stimme hat mehr als 50 Befreiungsaktionen geleitet und hunderte Menschen in ein neues Leben begleitet.

Nach dieser Begegnung stand fest: Ich möchte mich für IJM engagieren.

Noch nie hatte ich eine Organisation kennengelernt, deren Konzept mich so sehr überzeugte. Denn IJM befreit nicht nur Menschen aus Sklaverei und Zwangsprostitution, sondern zieht auch die Täter zur Verantwortung und verändert nachhaltig das Rechtssystem des Landes, um weiterer Sklaverei vorzubeugen.

Als Studentin der Sozialen Arbeit hatte ich vor ein paar Jahren mit Slumkindern in Argentinien gearbeitet. Daher wusste ich, wie nahe es mir geht, direkt mit von Armut betroffenen Familien zu arbeiten. Niemals würde ich es emotional aushalten, dieselbe Arbeit wie Pranitha zu tun. Nun die Möglichkeit zu haben, in Deutschland den Kampf gegen Sklaverei als ehrenamtliche IJM Botschafterin zu unterstützen, fand ich toll. Obwohl die nächste Botschafterschulung im von Berlin etwas weiter entfernten Heidelberg stattfand, meldete ich mich sofort dafür an.

Unbedingt wollte ich dazu beitragen, die Problematik von moderner Sklaverei und Menschenhandel bekannter zu machen und Menschen dafür zu gewinnen, sich ebenfalls für die Abschaffung einzusetzen.

Als Berliner Regionalgruppe von IJM Botschaftern haben wir bereits verschiedene Aktionen geplant, an denen ich mitwirken konnte. Beispielsweise eine Fotoausstellung, einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt oder einen Sponsorenlauf. Bei Workshops und einem Infostand auf einem Festival machte ich immer wieder die Erfahrung, dass Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam, genauso von der Thematik berührt und geschockt waren, wie ich.

Ein Buch über eine Frau, die an vorderster Front gegen Sklaverei kämpft

Von einem Buchverlag bekam ich das Angebot über Pranitha Timothy eine Biografie zu schreiben, was ich mit Freude annahm. Es reizte und ehrte mich sehr, diese mutige Frau intensiver kennenzulernen und mich auch in die Arbeit von IJM noch weiter zu vertiefen. Ich durfte sie in Chennai besuchen und habe einige ihrer Kollegen kennengelernt. Wir besuchten außerdem eine Reismühle. In dieser Region werden viele der Menschen in Sklaverei in Reismühlen festgehalten. Auch bekam ich einen Einblick in die Bedingungen einer armen Dorfbevölkerung. Zum ersten Mal stürzte ich mich in das Abenteuer, ein ganzes Buch zu schreiben.

„Liebe ohne Grenzen - Gottes leise Stimme für die Unterdrückten“ ist im Juli 2016 im SCM-Hänssler Verlag erschienen. Darin erzählt Pranitha, wie sie ihre Motivation, Menschen, die Unrecht erleben, zu helfen, aus ihrem Glauben an Gott schöpft. Beinahe ihr gesamtes Leben ist geprägt von dem Thema Gerechtigkeit. Bei IJM hat sie über zehn Jahre bis 2014 gearbeitet. Rückblickend auf diese Zeit erzählt sie, wie IJM mit den lokalen Behörden Hunderte Menschen aus Sklaverei befreien konnte. Inzwischen ist sie dabei, eine eigene Organisation zu gründen. Durch Lesungen mache ich weiter auf die Arbeit von IJM aufmerksam zu machen und erreiche auf diese Weise hoffentlich viele Menschen mit meiner Leidenschaft für Gerechtigkeit.

Jeder setzt sich so für IJM ein, wie es ihm liegt.

Andere IJM Botschafter setzen sich ganz anders für IJM ein. Sie stellen Kunsthandwerk her, um es auf Märkten zu verkaufen, laufen bei Spendenläufen mit, halten Vorträge zum Thema oder gestalten eine Unterrichtsstunde. Ich finde es toll, dass sich jeder so einsetzen kann, wie es ihm liegt und wir gemeinsam eine Bewegung darstellen, die immer größer wird. Eine Bewegung, die es nicht akzeptiert, dass in unserer heutigen Welt Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden, eine Bewegung für Gerechtigkeit und Menschenwürde.

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