Slide background

10 Fischerjungen aus ausbeuterischer Kinderarbeit am Voltasee befreit

Ghana - Zehn Jungen, die als Fischersklaven auf dem Voltasee in Ghana aufgewachsen sind, sind nun frei. Einige von ihnen sind erst fünf Jahre alt. Es ist die erste Befreiung des im letzten Jahr gegründeten Büros von IJM in Ghana, das sich auf Fälle von ausbeuterischer Kinderarbeit spezialisiert hat.

50.000 Fischerjungen wurden verkauft und versklavt

Anfang 2013 reisten Ermittler von IJM nach Accra, Ghana, um die Situation der geschätzt 50.000 Fischerjungen am Voltasee zu recherchieren. Der Voltasee ist der größte, künstlich angelegte See der Welt und die Region umfasst über 600 Meilen. Das Team von Ermittlern befragte Kinder, Bootsbesitzer und Fischhändler und erhielten schockierende Informationen: Viele der Jungen arbeiteten über 12 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Ihre Beine waren mit tiefen Narben übersät, die sie sich während ihrer Arbeit an den Motoren der Fischerboote oder durch gefährliche Fische zugezogen hatten. Ihre Hände waren durch das Ziehen und Flicken der Fischernetze rau und verhärtet. Viele von ihnen waren unterernährt und hatten durch die jahrelange, körperlich anstrengende Arbeit für ihr Alter überdurchschnittlich entwickelte Muskeln.

Das Team von IJM sprach mit Hunderten von Jungen und schätzt, dass weit über die Hälfte von ihnen in die Arbeitssklaverei verkauft wurden. In Zusammenarbeit mit der Regierung sowie den lokalen Behörden in Accra gründete IJM im Sommer 2014 ein Büro, um speziell den Fischerjungen am Voltasee zu helfen. Die ersten Monate verbrachte das Team damit, wichtige Beziehungen zu Behörden aufzubauen und sich auf die erste Befreiungsaktion vorzubereiten.

ghana1

Erste Befreiung

Am 20. März findet schließlich der erste Einsatz statt. Ein Team aus IJM-Mitarbeitern, Polizisten, erfahrenen Anti-Menschenhandel-Einsatzkräften und Sozialarbeitern macht sich auf die Suche nach Jungen, die in der Fischindustrie ausgebeutet werden. Üblicherweise beginnen die Fischerjungen um 3 Uhr morgens mit ihrer Arbeit: Sie ziehen schwere Netze aus dem Wasser, die sie am Tag zuvor ausgeworfen haben.

Aufgrund unerwarteter Hindernisse kam es jedoch zu einer verspäteten Ankunft des Bootes vom Einsatzteam. Es schien, als könnte zumindest an diesem Tag keine Befreiung stattfinden. Doch dann übermittelt ein IJM-Ermittler aus dem Boot eine gute Nachricht an das Kommandoboot: Ein Junge wurde gefunden.

Nach einer Besprechung entscheidet sich das Einsatzteam, die Suche nach Fischerjungen in der Bucht am nächsten Tag fortzusetzen, diesmal noch früher. In der Morgendämmerung des 21. März schließlich erreicht das Motorboot des Einsatzteams die Holzkanus, in denen Kinder zum Fischen fahren. Sie finden weitere neun Jungen, die zum Fischen gezwungen werden.

ghana2Ein Kind nach dem anderen wird auf das Motorboot und anschließend auf ein Erste-Hilfe-Boot gebracht, wo es zunächst medizinische Hilfe und später saubere Kleidung und Essen bekommt. Auf einem separaten Schnellboot werden neun Verdächtige von der Polizei in Gewahrsam genommen und an Land gebracht. Sozialarbeiter kümmern sich um die Kinder, die oft nichts als ein zu großes, zerrissenes T-Shirt oder eine Unterhose tragen. Alle Kinder sind barfuß, völlig erschöpft und sehr still.

„Die wichtigste Botschaft, die wir den Kindern vermitteln wollen, ist, dass sie in Sicherheit sind und keine Angst mehr zu haben brauchen“, sagt Sozialarbeiter Benson Shamala. Auf dem Boot versucht er den Jungen Sicherheit zu geben und durch einfache Fragen mehr über ihre traumatischen Erlebnisse zu erfahren. Erst eine Woche zuvor hatte Benson eine Schulung für Polizei, Sozialarbeiter und Rettungssanitäter geleitet, um sie auf den Umgang mit traumatisierten Kindern besser vorzubereiten.

„Die wichtigste Botschaft, die wir den Kindern vermitteln wollen, ist, dass sie in Sicherheit sind und keine Angst mehr zu haben brauchen“. -Benson Shamala

Die nächsten Schritte

Processed with VSCOcam with g3 preset In einer extra eingerichteten, kurzzeitigen Nachsorge-Einrichtung erfahren wir mehr über die Vergangenheit der Kinder. Ein älterer Teenager erzählt, dass er bereits mit zwei Jahren verkauft wurde. Ein anderer Junge berichtet, dass sich seine Gefangenschaft an Ostern dieses Jahr zum 10. Mal jähren würde. Viele der Kinder können weder ihren Namen schreiben noch Auskunft darüber geben, wie alt sie sind.

Um Beweise gegen die Verdächtigen zu sammeln, nimmt die Polizei eine forensische Untersuchung der Jungen vor. IJM wird den gesamten Fall auch vor Gericht begleiten und unterstützen. Mittlerweile haben unsere Sozialarbeiter dafür gesorgt, dass die Jungen in einer langfristigen Nachsorge-Einrichtung untergebracht werden. Hier können sie in Begleitung von Psychologen und Sozialarbeitern die traumatischen Erlebnisse verarbeiten und in die Schule zu gehen.

Auch eine Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien wird angestrebt, wenn sicher ist, dass die Jungen zu Hause sicher sind. Auch wenn der Heilungsprozess länger dauern wird, sind jetzt bereits erste positive Entwicklungen zu beobachten. Während die Kinder nach ihrer Rettung beinahe apathisch und emotionslos waren, sind sie inzwischen ausgelassener, voller Energie und wissbegierig. Was ihnen jahrelang strengstens verboten war, ist jetzt ihre liebste Beschäftigung: Fußball spielen und herumalbern.

Folge uns: