Sklaven des 21. Jahrhunderts.
Arbeitssklaverei.

Heute leben mehr Menschen in der Sklaverei als jemals zuvor in der Geschichte. 

Unter Zwangsarbeit (engl.: Forced Labor Slavery) versteht man jede Art von Arbeit, die unter Anwendung von Täuschung, Drohungen oder Gewalt von jemandem verlangt wird. Zwangsarbeiter werden für ihre Arbeit nicht oder nur sehr gering entlohnt und können somit kein unabhängiges Leben führen.

Obwohl diese Form der Sklaverei in den meisten Ländern der Welt verboten ist, arbeiten Millionen Kinder, Frauen und Männer unter diesen Bedingungen in Steinbrüchen, Reismühlen, Ziegelbrennereien, Fischereien, Bekleidungsfabriken und anderen Gewerben.

"Wir wollten die Mühle verlassen und in Freiheit leben,
aber ich hätte nie gedacht,
dass ich das noch erlebe.”
Rajeswari, Indien, aus Arbeitssklaverei befreit

Fakten

  • Schätzungen zufolge leben heutzutage 45,8 Millionen Menschen weltweit in Sklaverei – das sind mehr als je zuvor in der Geschichte.1
  • Ein Viertel aller Betroffenen sind Kinder in ausbeuterischer Kinderarbeit.²
  • Indien hat mit geschätzten 11,7 Millionen den höchsten Anteil an Menschen in Sklaverei.3
1 Walk Free Foundation (2016). The Global Slavery Index 2016.
2 International Labour Organization (2012). ILO 2012 Global estimate of forced labour Executive summary.
3  Siddharth, Kara (2012). Bonded Labor. Tackling the System of Slavery in South Asia. S.236.

Ursachen

Zwangsarbeit ist ein Gewaltverbrechen. Betroffene sind in vielen Fällen schwerer körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Ihre Arbeitsplätze sind oft in Steinbrüchen, Reismühlen, Ziegelbrennereien, Fischereien oder Bekleidungsfabriken zu finden. Meist dürfen sie den Ort, an dem sie zur Arbeit gezwungen werden, nicht verlassen und haben somit keine Möglichkeit, einer anderen Tätigkeit nachzugehen.

Wir dokumentieren Fälle, in denen Arbeitssklaven geschlagen, in Gruppen vergewaltigt, in enge Räume gesperrt, ausgehungert und sogar getötet wurden. Wer versuchte zu fliehen, wurde aufgespürt, geschlagen und an den Arbeitsort zurückgebracht. Viele Betroffene versuchen gar nicht erst wegzulaufen. Noch stärker als physische Fesseln und Mauern hält sie die Angst vor der Gewalt "ihrer Besitzer" fest. Dieser sieht seine Arbeiter als sein Eigentum, wie eine Maschine, die nichts anderes tut, als auf Befehle zu hören.

Schuldknechtschaft
Eine häufig verwendete Methode, um Menschen zu versklaven und sie wirtschaftlich auszubeuten, ist der Eintritt in die sogenannte Schuldknechtschaft. Wenn ein in Armut lebender Mensch sich in einer wirtschaftlichen Notlage Geld leihen muss, kann er keinen Kredit aufnehmen, sondern muss einen privaten Kreditgeber aufsuchen. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um umgerechnet etwa 10 bis 20 Euro. Zur Abbezahlung dieses Kredits muss der Schuldner dem Kreditgeber seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

Der Kreditgeber kann allerdings willkürlich über die Art und Dauer dieser Abhängigkeit entscheiden. Der Schuldner ist nun gezwungen für den Kreditgeber zu arbeiten, bis der Kredit vollständig abbezahlt ist. Der Schuldbetrag steigt durch Zinsaufschläge und Wucher jedoch immer weiter an und zugleich wird dem Arbeiter sein Lohn verweigert. So ist es für den Arbeiter oft unmöglich, diese Schuld jemals zu begleichen und der Arbeiter wird zum Eigentum des Kreditgebers. Wenn seine Arbeitskraft nicht mehr ausreicht, um die Schulden zu tilgen, muss die gesamte Familie zum Arbeiten dazukommen. Daher kommt es, dass häufig Familien über mehrere Generationen zu jahrelanger Arbeit gezwungen werden.

Unsere Antwort

IJM bekämpft ausbeuterische Kinderarbeit, Sklaverei und Schuldknechtschaft in Indien, Kambodscha und Ghana.

Opfer befreien
Wir machen Gefangene in Sklaverei ausfindig und arbeiten mit lokalen Behörden zusammen, um Befreiungsoperationen durchzuführen und rechtliche Gleichbehandlung und Unterstützung seitens der Regierung für jedes Opfer sicherzustellen.

Täter überführen
Unsere Anwälte bemühen sich, die Sklavenhalter vor Gericht zu bringen, sodass sie zur  Verantwortung gezogen und nach den geltenden Gesetzen gegen Sklaverei des jeweiligen Landes verurteilt werden.

Menschen stärken
Wir begleiten Betroffene mit intensiven Nachsorge-Programmen, beraten sie in ihrer neuen Lebenssituation und helfen ihnen praktisch bei der Arbeitssuche und Anmeldung ihrer Kinder in Schulen.

Gerichtssysteme stärken
Wir bieten praktische Beratung zur Strafverfolgung für Regierungsbehörden und Partnerorganisationen an. Außerdem stehen wir vor staatlichen und nationalen Führungspersonen dafür ein, dass die Beendigung von Sklaverei zur ersten Priorität wird.

Gideon wurde als Kind seiner Mutter weggenommen und am Lake Volta zum Fischen gezwungen. Jahrelang wurde er in Sklaverei ausgebeutet, bis IJM ihn fand.

Kumar wächst als Waise bei seinem Onkel auf. Als dieser einen Kredit bei einem Ziegeleibesitzer annimmt, wird Kumar gezwungen, ihn abzuarbeiten. Plötzlich ist er in Sklaverei gefangen.

Sklaverei in Kambodscha

Kambodscha - Die Männer sind über eine Jobvermittlung nach Thailand gekommen. Nach vier grauenvollen Monaten auf Fischkuttern konnten sie befreit werden.

Indien - In einer Ziegelei in Chennai wurden 564 Menschen aus der Sklaverei befreit. Dies markiert die größte Befreiung in der Geschichte von IJM.

Indien - Sie mussten unter der prallen Sonne in einem Salzwassersumpf im Süden Indiens nach Würmern suchen. Unser Team ermittelte in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden in diesem Fall und brachte die Familien in Sicherheit.

Indien - Innerhalb von 24 Stunden gelang der Polizei in Bangalore in Zusammenarbeit mit IJM die Befreiung von 260 Menschen aus der Sklaverei. Die Familien waren in Ziegeleien nahe Bangalore festgehalten...

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Indien - Der 18. Februar 2015 bleibt ihnen wohl für immer im Gedächtnis. Für 105 Familien, insgesamt 333 Menschen, bedeutet dieser Tag zum ersten Mal in Freiheit aufzuwachen.

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