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30 Menschen aus Sklaverei in Indien befreit

Indien - Sie mussten unter der prallen Sonne in einem Salzwassersumpf im Süden Indiens nach Würmern suchen. Unser Team ermittelte in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden in diesem Fall und brachte die Familien in Sicherheit. Unser Kollege Sanjay Sojway, der bei der Befreiung dabei war, berichtet.

Tiefe Narben, nasse Kleidung und ein leerer Blick

„Es war ein sehr heißer Tag. Wir sahen Kinder, Frauen und Männer, die zu ihren kleinen Strohhütten liefen, deren Dach lediglich von einer Plane bedeckt war. Ihre Haare waren zerzaust und in Schweiß getränkt, an ihren Händen und Rücken klebte Lehm. Trotzdem waren die tiefen Narben an den Händen nicht zu übersehen. Die Männer und Jungen waren kaum mit einer Unterhose bekleidet, die Frauen trugen schmutzige, abgetragene Gewänder. Ihre Blicke waren auf den Boden gerichtet und als sie uns ansahen, war der Ausdruck auf ihrem Gesicht leer und nichtssagend.“ – Sanjay Sojway

Jeden Tag im Schlamm nach Würmern graben

Täglich standen die Familien unter der prallen Sonne im kniehohen Sumpf. In den Schlammmassen mussten sie nach Würmern suchen. Sie wussten nicht, zu welchem Zweck sie das tun mussten.

Die Bewohner der umliegenden Dörfer erklärten den Behörden später, dass die Würmer womöglich als Garnelenfutter verwendet oder für pharmazeutische Zwecke exportiert wurden.

Würmer

Der leitende Polizeibeamte des Einsatzes bat einen etwa 8-jährigen Jungen, ihm zu zeigen, welche Arbeit er verrichten musste. Sofort griff der Junge nach einer alten Stahlstange und stach das spitze Ende in die Erde, um zu demonstrieren, wie er den Boden bearbeiten musste. Die Behörden befragten alle Arbeiter zu den Arbeitsbedingungen und stellten eindeutig fest, dass es sich um Sklaverei handelt.

Skalvenjunge

Aufbruch in ein neues Leben

Als die Familien hörten, dass sie den Sumpf endlich verlassen können, packten sie schnell ihre Sachen: die Planen von ihren Hütten, Kleider und Töpfe. Mehr besaßen sie nicht. Auf der Polizeistation angekommen, bekamen sie eine warme Mahlzeit. Reis mit Fleisch und Eiern. Ein Festessen für die Menschen, die über Monate und Jahre lediglich von Reis und ein wenig Gemüse lebten.

„Während die Behörden die Erwachsenen weiter befragten, um ihre Identität festzustellen, bekamen die Kinder Malstifte und Malbücher, mit denen sie begannen, eifrig zu malen", erzählt Sanjay Sowjal.

Offiziell bescheinigt: frei und erste Hilfen zugesagt

Schließlich, es war bereits kurz nach Mitternacht, bekamen alle Erwachsenen ein offizielles Zertifikat von den Behörden, das bescheinigt, dass sie in keinerlei Schuldverhältnis stehen, sondern von Sklaverei betroffen waren.

Mit einem solchen Zertifikat können die Familien eine kleine Geldsumme und einen Arbeitsplatz beantragen. Beide staatliche Hilfen sollen die Familien unterstützen, ein neues eigenständiges Leben aufzubauen.

Unsere Sozialarbeiter in Chennai werden die Familien in einem zweijährigen Nachsorgeprogramm begleiten. Besonders die Kinder brauchen psychosoziale Unterstützung, um mit dem Erlebten umzugehen, Angstgefühle abzulegen und anderen Kindern und Menschen auf gesunde Art und Weise zu vertrauen, wenn sie in die Schule gehen.

Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende, damit die Familien eine umfassende Nachsorge bekommen und noch mehr Menschen aus der Sklaverei befreit werden können.

Sklaverei

 

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August 2015

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